Neue Serie: Meine Lieblingsfrisur – Uli Stein

Der Helm

In unserer neuen »Lieblingsserie« stellen 11FREUNDE-Redakteure Fußballfrisuren vor, die sie tief bewegt haben. Den Anfang macht Alex Raack mit Torwartlegende Uli Stein und seinem Helm aus Eigenhaar.

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Alles wird anders. Früher hießen Bundesligafußballer noch Peter Wynhoff oder Ralf Regenbogen. Sie trugen Baumwolltrikots, die sich bei Regen mit Wasser vollsogen und nach dem Spiel doppelt so schwer waren. Auf den Oberlippen dieser Fußballer sprossen die Barthaare in einer Wildheit, wie sie heute nicht mehr vorhanden ist. Die Spieler sahen mit 20 schon aus wie 40. Nach dem Spiel rauchten sie eine Kippe und besprachen die Partie bei ein paar Gläsern Pils. Das ist heute alles nicht mehr vorstellbar. Wie die Frisur von Uli Stein.

Haare als Schutz

Haare wie die von Stein werden heute gar nicht mehr gemacht. Bestimmt lässt sich das auch wissenschaftlich nachweisen: Dass die Haarwurzeln von Fußballern, die nach 1980 geboren sind, an ganz anderen Stellen der Kopfhaut zu finden sind, als bei Uli Stein und Konsorten. Der Vergleich mit einem Haar-Helm liegt nahe. Vielleicht waren die Zeiten härter, als Uli Stein Haare wuchsen. Vielleicht lässt sich das ja anthropologisch erklären: Der Helm als Schutz gegen den rauen Wind, der Steins Generation einst um die Nase wehte.

Mir gefällt diese Frisur. Ich hätte gerne auch solche Haare. Zumindest für ein paar Tage. Dann würde ich mir die Gartenhandschuhe überziehen, meine Vorderleute in der U-Bahn zusammenscheißen, den Kontrolleur mit einem Faustschlag niederstrecken und meinen Chefredakteur einen Suppenkasper nennen. Bei hohen Bällen würde ich obligatorisch den Arm heben, um meinen Mitmenschen deutlich zu machen, dass ich bereits in dem Moment, wo der Ball den Spann meines Gegenspielers verlässt, weiß, dass der Schuss über mein Tor fliegen wird. Die wütenden Vorderleute, der verprügelte Kontrolleur, der entrüstete Chef, die maulenden Fans – sie würden mir nichts ausmachen.

Denn ich trüge einen Helm aus Haaren.

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