Néstor Sensini wird 50

Immer nur gebuckelt

Néstor Sensini wird heute 50 Jahre alt. Der Argentinier war eine »Arbeitsbiene« par excellence. Eine Verneigung vor einer fleißigen Gattung.

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Sobald eine Arbeitsbiene das Licht der Welt erblickt, beginnt sie umgehend mit der Arbeit für die Gemeinschaft. Ihr pausenloses Buckeln ist die Garantie für einen funktionierenden Bienenstaat. Während ihres Lebens steigt die Arbeitsbiene in der Hierarchie nie auf, steht nie im Rampenlicht. Für ihre Königin und den Staat macht sie immer nur eines: Zuarbeiten.

Weder Lorbeeren, noch Ehrenhymnen

Wie die tierischen, sind auch die Arbeitsbienen im Fußball fleißige Vertreter. Ihren Gegnern begegnen sie mit Härte, aber auch mit dem nötigen Respekt. Das unterscheidet sie von den verwandten Gattungen »Raubein« und »Wadenbeißer«. Im Viertelfinale des UEFA-Cups 1998 foulte die Schalker Arbeitsbiene Yves Eigenrauch Gegenspieler Ronaldo in 112 Kräfte zehrenden Parkstadion-Minuten nur ein einziges Mal. Nach dem Foul entschuldigte er sich brav, verhalf Ronaldo wieder auf die teuersten Beine der Welt und schwirrte davon. Ohne zu provozieren, anzupöbeln oder nachzutreten. Eigenrauch bekam in seiner gesamten Profikarriere nur 15 Gelbe Karten, flog nie vom Platz und war nie gesperrt.  

Von Lorbeeren und Ehrenhymnen wollte Eigenrauch nach Spielende nichts wissen. Fußballdeutschland zerbrach sich den Kopf darüber, warum der brasilianische Weltfußballer des Jahres gegen Schalkes weißblonde Nummer vier nur so chancenlos geblieben war. Dabei hatte Arbeitsbiene Eigenrauch einfach nur die ihm zugetragenen Aufgaben erfüllt. Wie in jedem anderen Spiel. 

17 Jahre Drecksarbeit

»Löcher stopfen«, »Wasser tragen« und für faule Kollegen mitlaufen: Der Drecksarbeit am Kaiserslauterer Betzenberg stellte sich 17 Jahre lang Axel Roos anstandslos. Mit den beiden Meisterschaften 1991 und 1998 sowie den Pokalsiegen 1990 und 1996 ist er der erfolgreichste FCK-Spieler seit Fritz Walter. Wie auch Eigenrauch scheute Roos Mikrofone und Kameras. Darum kümmerten sich ausgiebig Stefan Kuntz und Gerry Ehrmann, unter Trainer Otto Rehhagel sonnte sich »Königin« Ciriaco Sforza im Scheinwerferlicht.

Keine Sololäufe, keine (Traum)tore, kein Ruhm, aber auch keine Skandale: Arbeitsbienen sind Synonyme für Bodenständigkeit und Vereinstreue. Das macht sie so unattraktiv für die Boulevardpresse und so unendlich sympathisch für Vereinsfans. In den Fankurven avancieren zu Publikumslieblingen mit Kosenamen. 

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