Neapels Präsident De Laurentiis im Porträt

Die römische Kanone

Neapels Präsident Aurelio de Laurentiis ist vieles: Schaumschläger, Sprücheklopfer, Filmproduzent. Vor allem aber hat er den vor zehn Jahren noch am Boden liegenden SSC Neapel wieder zu einem italienischen Spitzenklub geformt. Mit kuriosen Begleiterscheinungen.

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Der Mann war überhaupt nicht mehr einzufangen. »Ihr seid alle scheiße«, blökte Neapels Präsident Aurelio de Laurentiis seinen Kollegen entgegen. »Ich schäme mich, Italiener zu sein!« Eben war der Spielplan der Serie A veröffentlicht worden und die Terminierung der Matches gegen den AC und Inter Mailand waren absolut nicht im Sinne De Laurentiis, was den Macher des SSC Neapel dazu veranlasste, den Verband, die Kollegen und schließlich auch die anwesenden Journalisten zu beschimpfen, aus dem Gebäude zu stürmen und wutentbrannt mit seinem Rückzug aus dem Fußballgeschäft zu drohen »Dann mache ich eben wieder Filme.« Auf der Straße hielt er einen zufällig vorbeifahrenden Moped-Fahrer an und bedeutete ihm: »Ich bin De Laurentiis. Bring mich hier raus!«, woraufhin er sich hinter den verdutzten Fahrer schwang und mit diesem davon rauschte.

Jean Löring würde das gefallen

Ein Aussetzer mit irrwitzigem Abgang, der aber in der Tat weniger ein einmaliger Fehltritt als vielmehr ein Sinnbild für De Laurentiis aufbrausendes Wesen ist, mit dem er selbst im Reigen der exzentrischen, millionenschweren Vereinspräsidenten Italiens noch ab und an schillernd herausragt. Legendär ist seine Auseinandersetzung mit Ex-Trainer Edoardo Reja, dem er zu verstehen gab, dass er ihn nur deshalb nicht verprügele, weil Reja schon so ein alter Mann sei. Jean Löring wäre begeistert gewesen. Als englische Klubs im Vorjahr an Neapels Topstürmer Edinson Cavani baggerten, gab De Laurentiis der Öffentlichkeit kurzerhand Nachhilfe in Landeskunde, selbstverständlich auf die ihm eigene Art: »Die Engländer leben schlecht, sie essen schlecht und ihre Frauen waschen sich nicht!« Nicht nur in England war man fassungslos. Als ebenjener Cavani ein Jahr später dann nach Paris wechselte, ließ sein Präsident einen Abschiedsbrief veröffentlichen, der so voller Pathos war, dass er genauso gut von Eros Ramazotti hätte stammen können. Man stelle sich einen öffentlichen Brief von Hans-Joachim Watzke an Mario Götze vor. Immerhin: Auf schäbige Kommentare über die Franzosen verzichtete De Laurentiis, woran sicherlich auch die stattliche Ablöse von etwa 64 Millionen Euro ihren Anteil gehabt haben dürfte.

Der Mann ist kein Vereinspräsident von der Stange, soviel ist klar. Ihn ausschließlich als selbstgerechten Sonnenkönig hinzustellen, würde ihm allerdings Unrecht tun. Denn bei all seinen kuriosen Aussetzern, herzhaften Schimpftiraden oder vollmundigen Gewaltandrohungen ist er doch auch ein erfolgreicher, wenn auch eigenwilliger Vereinspräsident. Ohne ihn, das lässt sich behaupten, wäre der SSC Neapel sicherlich nicht da, wo er heute ist: In der Champions League.

Produzent plumper Streifen

Die Erfolgsstory, die De Laurentiis mit dem SSC Neapel schreibt, währt nun bereits seit 2004. Dabei ist der Fußball gar nicht sein natürliches Habitat, De Laurentiis Welt ist ursprünglich der Film. Nicht nur ist er der Neffe des legendären Dino de Laurentiis, seines Zeichens Produzent von Hollywood-Klassikern wie »Serpico« oder »Blue Velvet«; vielmehr hat sich Neapels Präsident, lange bevor er das war, auch selber einen Namen als Filmproduzent gemacht. Vom anspruchsvollen Genrekino seines Onkels ist er dabei so weit entfernt wie das Stadio San Paolo vom Borsigplatz. De Laurentiis Welt ist, wenig überraschend, die seichte, zotige Unterhaltung. Außerhalb Italiens dürfte sein bekanntester Film »Sky Captain and the World of Tomorrow« sein, ein mit Popkulturreferenzen überladener Science-Fiction-Ulk mit Jude Law und Gwyneth Paltrow. Mit Leslie Nielsen drehte er einst »Die Römische Kanone«, ein plumper Streifen am Rockzipfel von Nielsens vorangegangenen Hollywood-Kanonen, der im Lexikon des Internationalen Films unter anderem mit den Attributen »geschmacklos«, »übel«, »ärgerlich«, »einfallslos« sowie »frauen- und ausländerfeindlich« bedacht wird. Di Laurentiis wird es egal gewesen sein, denn die Einnahmen stimmten. Großen Erfolg hat er zudem mit klamaukigen Weihnachtsfilmen, die in Italien mehr Geld einspielten als die Harry-Potter-Blockbuster. Weil er ein Näschen für gute Geschäfte hat und so geschickt mit Geld umgeht, nennt man ihn in der italienischen Filmbranche »den Schweizer«.

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