27.01.2013

Nazis auf den Rängen

SS-Siggis Erben

Seite 3/4: Die Eskalation
Text:
Christoph Ruf und Olaf Sundermeyer
Bild:
Christoph Buckstegen

Im vergangenen August eskalierte die Situation endgültig. Nach einem Auswärtsspiel der Alemannia in Saarbrücken wurde der ACU-Tross von Mitgliedern der »Karlsbande« überfallen. Ein Mitglied der ACU, das es nicht rechtzeitig in den Bus geschafft hatte, wurde von einem Dutzend Männer minutenlang zusammengetreten und schwer verletzt –obwohl der Fanbeauftragte und ein weiterer Alemannia-Fan sich schützend auf das Opfer geworfen hatten. Nach langen vereinsinternen Diskussionen unterschrieb danach auch die »Karlsbande« einen Ehrenkodex, in dem sie versprach, der Gewalt abzuschwören und rassistische Äußerungen zu unterlassen. Keine zwei Wochen später überfielen die Insassen eines Busses der »Karlsbande« einen PKW, in dem ACU-Mitglieder saßen. Als die Polizei den Bus stoppte, nahm sie auch die Personalien zweier bereits auffällig gewordener Neonazis auf.

Oft hört man in Zusammenhängen mit strammrechten Anhängern verharmlosende Kommentare aus der Fanszene, etwa: »Das mögen ja Leute mit komischen Ansichten sein, aber hier geht es um Fußball!« Doch dass sich unter diesem Deckmäntelchen prima politisch agitieren lässt, hält man auch bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) für ein Problem. DFL-Vizepräsident Peter Peters betont: »Wir beobachten mit Sorge, dass bei einigen Vereinen verstärkt rechtsextreme Tendenzen zu beobachten sind. Leider erfahren die entsprechenden Leute dann oft eine Form der Solidarisierung, die ich für völlig falsch halte.«

So sieht man das auch bei der linken Düsseldorfer Fangruppierung »Kopfball«. In vielen Städten gehörten »die Neonazis nicht nur wie selbstverständlich zu den jeweiligen Fanszenen, sie treten dort auch offen als Faschisten auf und werden vom Rest stillschweigend hingenommen oder sogar begrüßt«. Allerdings wolle »der nette Fascho von nebenan« auch inhaltlichen Einfluss nehmen. »Der gemeine Neonazi hat zwar auch keinen Bock auf Eventfußball, aber erst recht nicht auf ›Kanaken, Schwuchteln, Juden, Neger und Fotzen‹, um es mal mit der Rhetorik der Gegenseite zu sagen.«

Angriff auf Linke
Linke, oder wen man dafür hält, mundtot zu machen, um den rechten Mainstream zu etablieren – das ist das strategische Nahziel der Nazis. Im Oktober wurde nach der Partie Freiburg gegen Dortmund ein Anschlag auf ein besetztes Haus in der Freiburger Innenstadt verübt. Schnell gerieten drei Rechte aus Südbaden in Verdacht, die dabei beobachtet worden waren, wie sie Fußballlieder grölten und lautstark darüber sinnierten, welches linke Anschlagsziel das lohnend­ste sei. Danach brachen sie offenbar in das besetzte Haus ein und schnitten den Gasschlauch eines Herdes durch. Auch Nazi-Hools von Werder Bremen sind wiederholt unangenehm aufgefallen. So waren Mitglieder des Bremer »Nordsturms« 2007 am Überfall auf eine Feier antifaschistischer Ultras im »Ostkurvensaal« beteiligt. Und im Mai 2012 stürmten Bremer Hooligans eine Party in der als Treffpunkt alternativer Jugendlicher geltenden »Wohnwelt« in Wunstorf bei Hannover. Wahrscheinlich würden auch sie behaupten, unpolitisch zu sein, was allerdings durch ins Netz gestellte Filme konterkariert wird, wo einige Hools ­T-Shirts mit großen Hakenkreuzen tragen.

Viel wäre schon geholfen, wenn die Ordnungsdienste besser geschult wären. Beim Regionalligisten Waldhof Mannheim stehen seit einiger Zeit mannshohe Aufsteller, die rechtsextreme Marken und Symbole auflisten, die im Stadion unerwünscht sind. Trotzdem kamen Fans mit genau diesen Insignien immer wieder ins Carl-Benz-Stadion, bis einem Vereinsangestellten auffiel, dass sich die Rechten stets beim gleichen Ordner anstellten. Der Mann, selbst mit einer »Thor Steinar«-Mütze ausgestattet, winkte seine Gesinnungsgenossen einfach durch.

Auch für Kaiserslautern wolle er solche Vorkommnisse nicht ausschließen, sagt Christian Gruber, der Klubsprecher des FCK. Ein »nicht tolerierbarer, aber wahrscheinlicher Grund« sei, dass in kleineren Städten jeder jeden kenne, meint Gruber. »Da lässt ein Ordner schon mal einen Bekannten durch, obwohl er vom Verein die klare Vorgabe hat, gerade bei rechten Symbolen die Stadionordnung streng durchzusetzen.«

 
 
 
 
 
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