Nachruf auf Frankfurts gute Fan-Seele Kurt E. Schmidt

Das E steht für Eintracht

Einen Tag vor dem Spiel der Eintracht gegen Bordeaux starb Kurt E. Schmidt, die gute Seele des Vereins. Ein Nachruf.

imago

Es gibt ein berühmtes Foto von Kurt Schmidt, das ihn um ein Haar seinen Job gekostet hätte. Es ist 1959, Eintracht Frankfurt hat am Vortag seine erste und einzige Deutsche Meisterschaft gewonnen und die Spieler fahren im Autokorso durch die Frankfurter Innenstadt, um sich von den Fans feiern zu lassen. Kurt Eduard Schmidt, Fan mit Herz und Seele, war am Vortag selber noch beim Finale in Berlin, dem »schönsten Tag seines Lebens«, und steht nun einen Tag später auf den Straßen Frankfurts, um den Verkehr zu regeln. Er ist Polizist, aber vor allem ist er eines: Glühender Eintracht-Fan. Ein Auto hält neben ihm, sein Schulfreund Alfred »Don Alfredo« Pfaff, mittlerweile Kapitän der Eintracht, und dessen Ehefrau sitzen darin und reichen Schmidt zwei große Eintracht-Fahnen. Fortan regelt Schmidt den Verkehr mit den schwarz-weißen Fahnen seines Herzensvereins. Fans und Spieler sind begeistert, seine Chefs nicht. Schmidt muss sich wenig später wegen »Groben Unfugs« vor dem Ordnungsausschuss verantworten. Aber Schmidt hat Glück. Der Polizeipräsident ist selber großer Fan der Eintracht und schließt die Anhörung mit den Worten »Meine Herren, ich habe noch nie eine so geschickte Fotomontage gesehen«. Gelächter im Saal.

Außer Trainer und Präsident schon alles gemacht

Dieser Tag liegt nun schon eine halbe Ewigkeit zurück und doch wird die Geschichte vom Fahnen schwenkenden Polizeibeamten in Frankfurt immer noch gerne erzählt. Weil sie Teil der Geschichte Kurt Schmidts ist und damit ein Teil der Geschichte der Eintracht. Bereits 1932 sieht Schmidt sein erstes Eintracht-Spiel, ein 3:1 gegen den Lokalrivalen FSV Frankfurt. Er wird zum steten Begleiter des Vereins, ab den Sechzigern packt er ehrenamtlich mit an. Mitarbeiter im Jugendausschuss, Betreuer der Oberligamannschaft, Kassenrevisor, Schiedsrichterbetreuer, Stadionsprecher der Amateure, Pressewart - kaum ein Amt, das Schmidt nicht einmal inne hatte. »Außer Trainer und Präsident« habe er bei der Eintracht schon alles gemacht. Und alles immer mit Herz und Seele. Noch im Sommer stand Kurt Schmidt an der Waldbühne am Stadion und feierte den Einzug in den Europapokal. 81 Jahre liegt da bereits das Derby zurück, das sein erstes Spiel war, das ist ein ganzes, ein langes Leben. Schmidt lebt es mit und für die Eintracht, die längst eine »große Familie« für ihn geworden ist. Und so wie er den Verein liebt, liebt der Verein ihn. Ohne je ein Spiel für die SGE bestritten zu haben, bekommt er eigene Autogrammkarten. Betritt er bei Spielen den Innenraum, wird geklatscht. In der Fankurve sieht man dann und wann ein Banner mit dem Fahnen schwenkenden Polizisten darauf, im Spiel gegen Bordeaux hängt ein Transparent über der Fankurve »Auch ohne ihren Dirigenten singt die Kurve heute nur für dich, Kurti«.

Nun ist Kurt »Kurti« Schmidt 87-jährig gestorben und am Riederwald wird getrauert. Um einen humorvollen, charismatischen Menschen, der, wie es Präsident Peter Fischer im Nachruf auf der Eintracht-Homepage sagte, »die Eintracht symbolisierte wie wenige Andere.« Das E. in seinem Namen stehe schon lange nicht mehr für Eduard, sondern für Eintracht, sagte er letztes Jahr in einem Interview mit 11FREUNDE, das einen guten Eindruck davon vermittelt, was Fischer meint, wenn er Kurt Schmidt als einen »fröhlichen und mitreißenden« Menschen charakterisiert. Der Nachruf auf der Eintracht-Homepage ist übrigens mit »Vielen Dank, Kurti« übertitelt.

Für so viel mehr als nur das legendäre Fahnenschwenken.

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