13.08.2013

Nach Levels: Fußballer als Mobbing-Opfer

Das Gesetz des Dschungels

Der Düsseldorfer Tobias Levels wird von den eigenen Fans gemobbt – weil einst für den Rivalen Borussia Mönchengladbach auflief. Levels ist kein Einzelfall. Zehn Geschichten über Fußballer als Mobbing-Opfer.

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Weil Schalke 04 mit 0:3 gegen den 1. FC Nürnberg verloren hatte, tobte sich ein Schalke-Fan im März 2013 auf der Facebook-Seite von S04-Keeper Timo Hildebrand aus. Der Eintrag »Du dummer basdart! Erschieß dich bitte. Du kanns nix« von »Don Jannis« erzürnte nicht nur die Freunde korrekter deutscher Sprache, sondern die komplette Bundesliga. Parallelen zum Freitod von Robert Enke wurden gezogen, der Mobber »Don Jannis« wurde selbst zum Gemobbten. Die »WAZ« vermittelte zwischen dem 20-jährigen Schüler und dem Torwart, der Sünder entschuldigte sich mit einem Brief beim Opfer. Ende gut, alles gut.

»Der VfB Stuttgart ist ein toller Verein, ich fühle mich hier wohl«, verkündete Tamas Hajnal im Januar 2013 nach seiner Vertragsverlängerung bei den Schwaben. Nur zwei Monate später ließ ihn sein Trainer Bruno Labbadia nur deshalb auf der Ersatzbank, weil er die massiven Proteste der Stuttgarter Fans gegen ihren eigenen Mitspieler fürchtete. Denn Hajnal hatte einst für den Karlsruher SC gespielt, den Staatsfeind Nummer eins für jeden Stuttgarter. Eher hilflos wirkte da der Kommentar von VfB-Sportdirektor Fredi Bobic: »Bei uns gibt es kein Mobbing!«

Den vielleicht spektakulärsten Fall von Mobbing erlebten die Zuschauer am 20. Oktober 2000 beim Bielefelder Heimspiel gegen Waldhof Mannheim. Torwart Goran Curko, wenige Monate zuvor vom inzwischen schon wieder geschassten Trainer Hermann Gerland zur Arminia geholt und bei den Fans aufgrund seiner nicht seltenen Fehlgriffe unbeliebt, wurde vom eigenen Anhang gnadenlos ausgepfiffen und nach gelungenen Szenen höhnisch verlacht. Curko reagiert recht unklug und provozierte die Fans mit beleidigenden Gesten, was die Tribünen erst recht zum Kochen brachte. Nach 61 Minuten hatte der Keeper genug und verließ den Platz. Wenig überraschend: Einige Tage später wurde der Serbe entlassen.



Dass Fußballer aus welchen Gründen auch immer von den eigenen Fans im Stadion gemobbt werden, ist keine Seltenheit. Dass Fußballer vor ihrer eigenen Wohnung körperlich bedroht werden, ist dann doch einen andere Stufe der Konfrontation. Dem Kölner Kevin Pezzoni schlug die ganze Abneigung der Fanszene entgegen: Zunächst gründete sich eine diffamierende Facebook-Gruppe, dann brach ihm ein Anhänger auf dem Karneval das Nasenbein, schließlich lauerte eine gewaltbereite Gruppe dem Fußballer vor seiner Wohnung auf. 2012 flüchtete Pezzoni zu Erzgebirge Aue.

Nicht gerade zimperlich gehen manche Trainer mit ihren Spielern um. Wehe dem, der den Unmut von José Mourinho auf sich zieht. »Du würdest im nächsten Spiel nicht mal dann spielen, wenn das Flugzeug von Real Madrid abstürzt und du als einziger zu Hause säßest«, erklärte Mourinho 2011 seinem »Schützling« Pedro Leon. Der ließ sich prompt zum FC Getafe ausleihen.

 
 
 
 
 
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