Nach Eden Hazards Tritt

Der König der Balljungen

Im gestrigen League-Cup-Halbfinale zwischen Swansea City und dem FC Chelsea trat »Blues«-Mittelfeldmann Eden Hazard offenbar einen Balljungen. Europaweit war der Aufschrei groß. Doch auch Kritik am Balljungen muss erlaubt sein.

Nur damit das vorab geklärt ist: Kein Mensch auf der Welt hat das Recht, einen anderen mutwillig zu treten. Und so ist es verständlich das Chelseas Belgier Eden Hazard nach seinem Zweikampf mit dem Balljungen von Swansea City die Rote Karte gesehen hat. Der Balljunge heißt übrigens Charlie, ist 17 Jahre alt und der Sohn eines Klubverantwortlichen. Und eigentlich sollte Charlie an diesem Abend gar nicht unten am Spielfeldrand stehen. Er war nur für einen anderen Kollegen eingesprungen, der wetterbedingt nicht zum Spiel kommen konnte. So zumindest erklärt er es auf seinem Twitter-Account, auf dem er gestern bereits Stunden vor dem League-Cup-Halbfinale angekündigt hatte: »Der König aller Balljungen hat heute seinen letzten Aufritt.« Die Umstände des gesamten Eklats lesen sich also bereits jetzt wie das Drehbuch eines Hollywood-Films. Und es wird noch viel besser, denn Charlie komplettierte seinen Tweet mit den Hashtags #needed #for #timewasting, was man mit »bereit zum Zeit schinden« übersetzt werden kann. Unter diesem Licht könnte der letzte Auftritt des König der Balljungen durchaus auch als oscarreif bezeichnet werden.

Inzaghis Lehrling

Es lief die 81. Minute im Liberty Stadium von Swansea, die Waliser führten nach dem Hinspiel bereits mit 2:0 gegen den haushohen Favoriten aus London und waren damit für das Finale des League Cups qualifiziert. Der größte Triumph der Vereinsgeschichte. Und wer den britischen Humor kennt, der weiß, dass das Stadion vor Hohn und Spott gegen die steinreichen Gegner fast explodierte. In dieser Stimmung rollte der Ball ins Tor-Aus. Chelseas Eden Hazard setzte nach, wollte den Ball holen, um das Spielgerät schnell wieder ins Rollen zu bringen. Ihm stellte sich Charlie in den Weg und schirmte den Ball gerdmülleresk ab. Eden rangelte weiter, Charlie fiel um. Plump sackte der Balljunge auf den Ball, blieb liegen, als hätte ihm Hazards Attacke das Bewusstsein geraubt. Und so lag er da wie eine Schildkröte auf dem Ball. Eins, zwei, drei, vier, fünf unendliche Sekunden, die Hazard in den Wahnsinn trieben. Bereit zum Zeit schinden.

Mit Hazard gingen in diesem Moment die Gäule durch. Er versuchte, den Ball unter Charlies Bauch wegzukicken, traf den Jungen wohl in die Seite. Unverzeihlich. Doch die Schauspielkunst von Charlie erreichte erst jetzt ihren Zenit. Er hielt sich die Rippe, die wahrscheinlich gleich mehrfach gebrochen war. Oder doch nicht? Zumindest kannte der junge Mann die Gepflogenheiten großer Schwalbenkönige, denn Sekunden später gestikulierte er wild in Richtung Schiedsrichter, als wäre er einst bei Pippo Inzaghi in die Lehre gegangen. Dann wendete er sich ab vom Elend. Ob er weinte, lachte, schmerzverzerrt nach Luft hapste, ist nicht zu erkennen. Schließlich wurde er, von einem Betreuer gestützt, vom Feld geführt. Es war wohl der letzte Gang des König der Balljungen.

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Eden Hazard sah wenig später die Rote Karte. Zu Recht! Attacken auf eigentlich Unbeteiligte gehören rigoros geahndet. Charlie indes kommt ungestraft davon, obwohl auch er grob unsportlich gehandelt hat. Lediglich ein Teil der Netzgemeinde kübelt nun ihren Unmut über den Flegel aus. So etwas ist heutzutage nicht zu verhindern. Nach einer kurzen Befragung durch die Polizei hat Charlie von einer Anzeige gegen Eden Hazard abgesehen. Vielleicht wusste er, dass die sowieso keine Erfolgsaussichten hätte. Hoffentlich hat er aus seinem Auftritt als Laienschauspieler wenigstens irgendetwas gelernt.

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