Nach der Suspendierung: Die Geschäfte des Jack Warner

FIFA-Skandal: »The Godfather« muss gehen

Nach der Suspendierung: Die Geschäfte des Jack WarnerImago Sie ließe sich so schön erzählen, die Geschichte vom armen Lehrer, der vor 25 Jahren für einen Hungerlohn Kinder auf der Karibikinsel Trinidad & Tobago unterrichtete und sich durch seinen ehrenamtlichen Einsatz im Fußball zu einem Multimillionär hochgearbeitet hat. Es ist die Geschichte von Jack Austin Warner, FIFA-Vizepräsident und Präsident der Verbandes CONCACAF in Personalunion. Doch man kann bei diesem Mann getrost auf Sozialromantik verzichten, denn Warner gehört zu den größten Geschäftemachern unter den Funktionären, die die Geschicke der heutigen Fußballwelt leiten. Sein Spitzname, »Jack The Ripper«, sagt alles aus über seine Art, Geschäfte zu machen.

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Im Jahr 2001 schaffte es Warner, seit 1997 einer der sieben Vize-Präsidenten der FIFA, die U-17 Weltmeisterschaft in seine Heimat Trinidad & Tobago zu holen. Warner witterte ein Milliongeschäft und schanzte in seiner Position als Vorsitzender der Organisationskomitees Familienmitgliedern und  seinen Gefolgsleute Aufträge zu. So überzeugte er die damalige Regierung, vier brandneue Stadien für dieses Turnier bauen zu lassen, und erteilte die Bauaufträge an Firmen, die zumindest teilweise zu seinem Imperium gehören. Im Laufe der Bauphase verdoppelten sich die Baukosten, für wenige kam das überraschend. Warners Reisebüro besorgte für alle Teams und Offiziellen Flugtickets, untergebracht wurden die Delegationen selbstverständlich in Hotels, an denen Warner ebenfalls beteiligt ist. 

Im Auge des Betrachters

Eine weitere Firma Warners kümmerte sich um den Sicherheitsdienst, und die Catering-Verträge für alle WM-Stadien erhielt Warners Sohn Daryan. Und auch Warners zweiter Sohn Daryll sollte während dieser WM nicht leer ausgehen. So wurde dieser für eine stattliche Summe damit beauftragt, in Hotel den Lobbys Videoübertragungen der WM-Spiele zu organisieren. Und die TV-Rechte? Die vergab Warner natürlich an eine seiner Firmen. Alles in allem war diese FIFA-Jugend-WM kein schlechtes Geschäft für Warner und seine Anhänger. Zum Abschluss feierte sich der Präsident des Verbandes auch noch selbst mit den Worten »Das war die bestorganisierte und erfolgreichste WM aller Zeiten.« Es liegt immer im Auge des Betrachters.

Die WM 2006 – Eine Goldgrube

Und was muss er im Vorfeld der Fußball WM 2006 vor Freude nach Luft gejapst haben, als er bekannt gab, dass er der »Simpaul´s Travel Agency« das Exklusivrecht für die Verteilung der WM 2006 Tickets in Trinidad & Tobago zugeteilt hatte. Immerhin gehörte Warner zusammen mit seiner Frau Maureen und seinen Söhnen Daryll und Daryan eben diese »Simpauls Travel Agency«. Die Tickets wurden zu überhöhten Preisen angeboten und waren zudem an feste Hotelbuchungen gekoppelt. Schätzungen zufolge verdiente Warner so pro Ticketpacket ungefähr 2000 Euro. Der Journalist Lasana Liburd machte diese untragbaren Umstände publik und entfachte so für eine riesige Protestwelle gegen die Machenschaften Warners. Dieser trat vor die Presse und gab offen zu, dass er zwar Miteigentümer des Reiseunternehmens sei, deswegen aber noch lange keinen Interessenskonflikt gäbe. Die Preise für die Ticketpakete blieben unverändert. Franz Beckenbauer, damaliger Chef des Organisationskomitees der WM 2006 sagte damals gegenüber der »Trinidad & Tobago Press«: »Damit haben wir nichts zu tun. Wie verteilen nur die Ticketkontingente an die einzelnen Verbände. Was sie mit den Tickets machen ist nicht unsere Sache.«

Als nachträglicher Dank für die Enthüllungen im Ticketskandal wurde dem Journalisten Liburb die Akkreditierung für die WM verweigert. Warner ließ seine Krallen aufblitzen und zeigte deutlich, dass man sich mit ihm nicht anlegen sollte. Nur nach heftigen Medienprotesten weltweit geriet Warner unter Druck, und Liburb durfte zur WM.  In Deutschland half vor allem der Kollege Jens Weinreich, die Machenschaften Warners an die Öffentlichkeit zu bringen. 


Auch während der WM 2006 weitete Warner sein Geschäftsfeld weiter aus.  Die »Socca Warriors«, die Nationalmannschaft von Trinidad & Tobago, die bei der WM 2006 unter anderem England unglücklich 0:2 unterlagen, hatten vor dem Turnier auf Initiative Warners einen Vertrag unterschrieben. Dieser regelte, dass die Erlöse, die eine WM-Teilnahme einbringen würde, zwischen Verband und Spielern geteilt werden. Aus den WM-Prämien der FIFA und den Sponsorenverträgen des Nationalverbandes sowie den Einnahmen aus WM-Testspielen würden jedem Spieler nach Schätzungen mindestens 300 000 Euro zustehen, womöglich gar die doppelte Summe. Doch Jack Warner hielt genaue Angaben zu den Einnahmen zurück und bot den Spielern nur einige hundert Euro. »Wir haben Millionen Herzen erobert«, schrieb Shaka Hislop, damaliger Nationaltorhüter, in einem offenen Brief an Warner und bat um die Auszahlung der Prämien, denn die Spieler warten bis heute auf ihren vertraglich zugesicherten Lohn. Sie zerrten Warner vor Gericht, doch der Prozess hält bis heute an. Die Aussicht auf Erfolg ist nicht abzuschätzen.

Der »Godfather«

Wie Warner all seine Geschäfte macht, ohne jemals ernsthaft juristisch belangt zu werden, kann nur vermutet werden. Allerdings gilt er als der treueste Spender der ehemaligen Regierungspartei von Trinidad & Tobago. Und auch bei der FIFA hat Warner wenig zu befürchten. Zwar musste er mehrfach vor dem FIFA-Ethikausschuss aussagen, er wurde jedoch nie ernsthaft belangt. Das ist nicht überraschend, denn immerhin zählt FIFA-Präsident Sepp Blatter zu seinen engsten Verbündeten. Und Warner weiß genau, wie man sich gute Freunde macht. Einmal sagte er über ihr Verhältnis zueinander: »Ich habe Herrn Blatter verdeutlicht, dass er sich im Falle einer Wahl der 35 Stimmen des CONCACAF sicher sein kann. Er sollte lieber mehr Zeit in Länder verbringen, die an ihm zweifeln, und ich werde ihm helfen, diese Zweifel zu beseitigen. Wir alle profitieren von den Visionen der FIFA, deswegen glauben wir, dass es nur fair ist, wenn wir ab und zu unsere Loyalität zeigen. So einfach ist das.« Eine Hand wäscht eben die andere.

Die Geschichte des Lehrers, der einst nicht mehr als 1000 Euro im Monat verdiente und sich ein Vermögen von geschätzten 14 Mio. Euro erarbeitet hat, ist also nicht so schön, wie sie gerne wäre. Die Amtszeit des »Godfathers« Warner, wie er sich auf seiner Homepage nennt, endet offiziell im Jahr 2011. Nun wurde er Opfer seines ehemaligen besten Freundes Sepp Blatter und lernt wohl erstmals am eigenen Leib, dass sich in bestimmten Machtsphären jeder erst einmal selbst der Nächste ist.  

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