Nach der Panzerfahrt von Bergamos Giulio Migliaccio

Verstehen Sie Spaß?

Giulio Migliaccio, Neuzugang von Seria-A-Verein Atalanta Bergamo, hat sich entschuldigen müssen. Weil er bei einem Fanfest mit einem Panzer zwei Autos überrollte. Warum nur? Ein bisschen Spaß muss doch sein, findet Alex Raack.

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Die Fans von Atalanta Bergamo wissen, wie man Feste feste feiert. Bereits seit zwölf Jahren schmeißen die ansässigen Ultras eine große Sause, um sich auf die neue Saison einzustimmen. Beim »Festa della Dea«, Fest der Göttin, wird die 120.000-Einwohner-Stadt Bergamo tagelang in eine Party-Zone verwandelt. Mit Konzerten, Charity-Veranstaltungen und so weiter, wird dem geliebten Verein, der Stadt und auch sich selbst gehuldigt. Höhepunkt der Veranstaltung: Neuzugänge werden auf einem Panzer durch die jubelnden Massen kutschiert. Warum auch immer.

Giulio Migliaccio war sich dieser Tradition möglicherweise nicht bewusst, als er vor einigen Tagen einen Vertrag bei Atalanta unterschrieb. Ein Spielverderber wollte er allerdings auch nicht sein, also setzte er sich drei Tage später auf besagten Panzer und rollte durch Bergamo. Die Menge war begeistert, der 32-Jährige genoss die Ovationen. Was Migliaccio allerdings nun wirklich nicht wusste: Mit einer simplen Runde im Panzer war es nicht getan. Die Fans seines neuen Vereins hatten sich etwas ausgedacht.

»Nur ein Platzverweis in fast 500 Spielen!«

»Ich habe das erst gemerkt, als wir schon über sie drüber rollten«, beschrieb der glatzköpfige Mittelfeldspieler die folgenden Szenen. Auf einem zentralen Platz hatten Ultras zwei Schrottautos positioniert und jeweils in den Farben der verhassten Rivalen von Brescia Calcio und AS Rom angepinselt. Symbolträchtig zermalmte der Atalanta-Panzer beide Karren. Die Zuschauer waren begeistert.

Jetzt hat sich Giulio Migliaccio für diese Aktion entschuldigen müssen. Der italienische Fußball-Verband hatte ihn für die Panzerfahrt gerüffelt. »Es tut mir wahnsinnig leid«, erklärte sich der Fußballer auf der Homepage seines neuen Arbeitgebers, »in der ganzen Party-Atmossphäre habe ich einfach nicht gemerkt, was da passierte. Ich war immer ein fairer Sportsmann, in fast 500 Spielen als Profi bin ich erst einmal vom Platz geflogen – mit einer gelb-roten Karte.«

Ein Fußballer muss sich, mit Verweis auf seine Fairness, für ein traditionelles Ritual seiner neuen Fans entschuldigen und zu Kreuze kriechen, weil er mit einem alten Panzer zwei Autos zerschrottete? Geht´s denn noch?



Sicher, ein pazifistisches Ausrufezeichen hat Giulio Migliaccio damit nicht gesetzt. Und bestimmt gibt es auch andere Möglichkeiten, die Verbundenheit zu seinem neuen Verein zu beweisen, als auf einem Panzer durch die Innenstadt zu fahren. Aber ist es nicht vielmehr so, dass wir uns wünschen, dass unsere Spieler viel häufiger mal aus ihrem stromlinienförmigen Alltag als Vorzeige-Profis ausbrechen und zur Not eben mit einem Panzer über Autos rollen, statt auf einem vom Verein organisierten Fan-Fest die »Humba« anzustimmen? Dass sie mal was tun, von dem wir uns noch in fünf Jahren auf der Auswärtsfahrt erzählen? Dass sie anders sind, als der ganze langweilige Rest ihrer Kollegen?

Wie auch immer jetzt die Reaktionen ausfallen werden – beim nächsten »Fest der Göttin« stehen wir in der ersten Reihe.

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