Nach dem Wundertor von Michael Stahl

»Flacher Winkel, hart aufs Tor«

Weil ihm im Pokalspiel gegen Hertha BSC Berlin ein verrücktes Weitschusstor aus 60 Metern gelang, ist Michael Stahl der Held vom TuS Koblenz. Wir fragten bei Experten nach: Wie schießt man eigentlich so weit wie möglich? Nach dem Wundertor von Michael Stahl Gestern noch Bezirksliga, heute strahlender Pokal-Held: Michael Stahl von TuS Koblenz gelang gegen Zweitligaspitzenreiter das Tor des Jahres. Aus 60 Metern drosch der Mittefeldmann den Ball zum 1:0 ins Berliner Tor und hatte nach dem Spiel eine ganz einfache Erklärung für den ungewollten Geniestreich: »Der Trainer sagt: Stahli, hau den Ball einfach weg.« Wir wollten es etwas genauer wissen und fragten bei ausgewiesenen Weitschuss-Experten nach: Wie schießt man eigentlich so richtig weit?

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Diego
Dem Wolfsburger gelang am 20. April 2007 im Trikot von Werder Bremen ein Tor aus 62 Metern gegen Alemannia Aaachen.

»Bei einem Weitschuss ist die Kraft nicht entscheidend. Klar spielt sie auch eine Rolle, aber wichtiger ist die Technik. Man muss den Ball einfach richtig treffen. Perfekt trifft man ihn im unteren Drittel, dann noch den Körper in Rücklage versetzen und ein Weitschuss klappt. Eigentlich ganz einfach. Mein Tipp für alle Hobbykicker: Üben, üben, üben. Training ist alles!«

Frank Rost
Der Torhüter vom Hamburger SV bereitete am 31. Spieltag der Saison 2006/07 das 2:1 durch seinen Mitspieler Pablo Guerrero gegen den FC Bayern München vor. Mit einem sagenhaften Weitschuss.

»Früher habe ich auch immer versucht, den Ball mit purer Kraft nach vorne zu dreschen. Heute weiß ich: Es kommt auf die Technik an, das wird ganz deutlich, wenn man den Ball bei Gegenwind tritt. Außerdem ist es ein Vorteil, wenn man kleinere Füße hat, da trifft man den Ball mit der ganzen Fläche, die Schüsse sind meistens härter und weiter. Ich habe Schuhgröße 46. Dass ich den Ball dennoch weit über die Mittellinie befördern kann, liegt auch an den neuartigen Bällen. Die werden weitaus schneller, man benötigt weniger Kraft. Optimal für einen weiten Schuss sind also Technik, Kraft, Beschleunigung und der Hebel. Mein ehemaliger Mitspieler Thomaz Hajito hat mal beim Football-Training mitgemischt und den Ball über den gesamten Platz gedonnert. Der hatte eine gute Schusstechnik und aufgrund seiner Größe den nötigen Hebel.«



Massimillan Porcello 
Der Freistoß-Künstler vom Karlsruher SC schoss sich in die Weitschuss-Geschichtsbücher, als er 2007 ein fantastisches Tor gegen Hansa Rostock erzielte.

»Um den Ball einfach nur weit zu schießen, muss man ihn anders treffen als beim Freistoßversuch. Da versuche ich, den Ball in einem flachen Winkel hart aufs Tor zu bekommen. Will ich ihn nur weit schießen, muss er im steileren Winkel aufsteigen. Ich habe einen sehr harten Schuss, und Tore aus größerer Distanz sind mir auch schon öfter geglückt. Erst neulich im Training habe ich den Ball aus der eigenen Hälfte direkt ins gegnerische Tor geschossen. Mit den neuen Bällen, die etwas mehr flattern, versucht man auch mal wie Juninho zu schießen, also eher mit dem Seitenspann. Was ich für den optimalen Weitschuss brauche, ist dieses Gefühl, wenn ich den Ball perfekt treffe. Dann weiß ich: Das Ding wird gefährlich.«

Manni Burgsmüller
Der ehemaliger Bundesliga-Torjäger agierte nach seiner Fußball-Karriere als »Kicker« beim American Football.

»Für meinen Schuss war ich eigentlich nie wirklich berüchtigt. Vielleicht lag es auch daran, dass mein Trainer mir früher drohte, er würde meinen Vertrag zerreißen, wenn ich als Strafraumstürmer aus 20 Metern aufs Tor ballere. Beim Football schießt man anders, da hält man den Kopf weit nach unten. Beim Fußball ist das nicht so. Um den Ball weit zu dreschen, würde ich da empfehlen: Immer mit der Innenseite und volle Pulle drauf.«

Jürgen Buschmann
Professor Buschmann von der Sporthochschule Köln, organisierte unter anderem das Scouting-System für Jürgen Klinsmann zur Weltmeisterschaft 2006.

»Zwei Faktoren müssen beim Weitschuss beachtet werden. Erstens die individuelle körperliche Voraussetzung. Für einen extrem harten und damit weiten Schuss braucht man eine schnell-kräftige Muskulatur, die optimal die Bewegung der Kraft in Schnelligkeit umsetzen kann. Zweitens sind die physikalischen Bedingungen entscheidend. Der Schütze muss einen entsprechenden Hebel haben. Normalerweise sagt man immer: Das Standbein steht beim richtigen Schuss neben dem Ball. Allerdings hat sich bei Messungen ergeben, dass bei einem harten und damit weiten Schuss das Standbein einen halben Meter vor dem Ball steht. Dadurch ist die Hebelwirkung natürlich größer, der Schütze schießt weiter. Der Anlauf ist leicht schräg, der Ball wird mit dem Vollspann innen getroffen, die Fußspitze zeigt dabei leicht nach rechts. Auffällig: Linksfüßler schießen in der Regel weiter.«

Metin Tolan
Der Experimentalphysiker von der Uni Dortmund gilt seit Jahren als kompetenter Erklärbär in der Fußball-Szene.

»Physikalisch entscheidend beim Weitschuss ist vor allem der Abschusswinkel. 35 Grad sind optimal. Auch die Oberfläche des Balls ist zu beachten: Die neuen Bälle besitzen alle unterschiedliche Oberflächen, dieser Faktor ist bei einer möglichen Berechnung wichtig. Für einen möglichst weiten Schuss sollte der Ball einen Unterschnitt bekommen, also das Gegenteil eines Topspins beim Tennis. Der Rückwärtsdrall befördert den Ball weiter, dieser Kurvenverlauf wird beim Schuss ‚ballistisch’ genannt. Der typische Spannstoß ist also schon mal nicht schlecht, der Ball muss allerdings besagten Rückwärtsdrall erhalten, ohne dass die Geschwindigkeit beim Schuss abnimmt.«

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