Nach dem Wechsel von Joselu zur TSG Hoffenheim

Das Jugendversprechen

Die TSG Hoffenheim hat Joselu von Real Madrid verpflichtet. Es ist der nächste Transfer, der so gar nicht zu Dietmar Hopps Jugendplänen passen will. Der Mäzen trat einst an, einen eigenen Superstar in der Bundesliga herauszubringen.

Der Vollzug ließ auf sich warten, doch als kaum noch jemand damit rechnete, fuhr Markus Babbel den Deal in die Garage. Knapp sechs Millionen Euro musste die TSG Hoffenheim letztlich aufbringen, um sich die Dienste von Joselu zu sichern. Ein Spanier spielt demnächst im Kraichgau, ein 22-Jähriger, geboren in Stuttgart, bisher bei Real Madrid unter Vertrag. Von der ersten Real-Garde war Joselu weit weg. Hoffenheim machte dennoch Millionen locker. Warum? »Er hat seine Klasse bei Real Madrid unter Beweis gestellt. Er ist auch noch jung und hat eine Menge Potential. Er passt hervorragend nach Hoffenheim und in diese Mannschaft«, sagt Markus Babbel und klingt, als hätte er ein echtes Juwel an Land gezogen.



Von Dietmar Hopp findet sich keine Aussage zu Joselu, der TSG-Mäzen ist es letztlich, der den Transfer finanziert, er wird sich mit ihm zumindest angefreundet haben. Zu dem, was Hopp einst propagierte, passt ein Neuzugang von Real Madrid II allerdings nicht. »Ich habe die Hoffnung, dass wir selbst einen Superstar kreieren«, sagte er im August 2008, als die TSG gerade vor ihrem ersten Bundesliga-Spiel stand. Die Hoffenheimer Jugendarbeit sollte zum Aushängeschild werden. Diesem Projekt gilt seit Jahren Hopps Enthusiasmus. Und völlig erfolglos verlief die Entwicklung nicht: B-Jugendmeister 2007/08, DFB-Pokalsieger bei den A-Junioren 2009/10. Sind die Talente alt genug, gehen sie über in die U23, die sich in der Regionalliga in der Spitzengruppe bewegt. Hier tragen Hopps Forderungen Früchte. Nur hier.

Rudys, Becks und Simunics gibt es genügend

Der Neuzugang Joselu zeigt, dass gute Jugendarbeit in Hoffenheim Grenzen hat. Der Spanier stellt sich als Staudamm für junge Spieler in den Weg, die Hopp aus den eigenen Reihen gerne im Hoffenheimer Kader sehen würde. Er ist nicht das erste blockende Element dieser Art in den vergangenen Jahren. Ex-Manager Ernst Tanner, einst von 1860 München geholt, weil er dort »die beste Jugendarbeit in Deutschland machte« (Zitat Ralf Rangnick), sollte daran etwas ändern. Mit Transfers wie Ryan Babel, Knowlede Musona oder Edson Braafheid bewirkte er das Gegenteil. Babel steht bei Trainer Babbel mittlerweile auf der Liste der Verbannten. Er kostete im Januar 2011 sieben Millionen Euro. Tanners Vorgänger und Aufstiegs-Manager Jan Schindelmeiser machte es nicht anders. Er gab in der zweiten Liga für Demba Ba, Chinedu Obasi und Carlos Eduardo knapp 15 Millionen Euro aus. Und was wurde aus dem Nachwuchs? Heute hält Boris Vukcevic als Einziger die Fahne hoch. Er schaffte vor der Saison 2009/10 den Sprung aus der zweiten in die erste Hoffenheimer. Gemeinsam mit vier weiteren Eigengewächsen. Die spielen heute allesamt nicht mehr in Hoffenheim.



Ob Markus Babbel irgendwann auf mehr Talente setzen wird? Nicht nur der Joselu-Transfer spricht dagegen. Babbel hat als Trainer die Champions League kennengelernt. Im gräulichen Tabellenmittelfeld will er nicht versauern. Dass er bei der TSG über Geld verfügt, um teure Spieler zu verpflichten, war für ihn ein Hauptgrund, in den Kraichgau zu wechseln. Babbel kauft entsprechend ambitioniert ein. Es geht für ihn auch darum, sich als Trainer zu profilieren. Da haben Experimente mit jungen Kickern keinen Platz. 

Andere Teams setzten in der Bundesliga in der Vergangenheit auf Talente, weil sie finanziell bedingt keine andere Wahl hatten, so wie der VfB Stuttgart mit seinen »jungen Wilden« zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts. Hoffenheim wird in naher Zukunft nicht in eine ähnliche Situation kommen, eine erzwungene Flut an hochgespülten Kickern damit wohl ausbleiben. Gibt es Löcher im Kader zu stopfen, springt eben der Mann mit dem Geld ein. Für fünf bis sieben Millionen gibt es schließlich genügend Joselus, Rudys, Becks, Simunics oder Sigurdssons auf dieser Welt.



»Das Ergebnis der bisherigen Jugendarbeit ist sicher nicht zufriedenstellend«, gestand Hopp im Anschluss an die vergangene Saison denn auch dem »Mannheimer Morgen«. »Wir haben noch keinen, der sich über die Jugend so entwickelt hat, dass er in der ersten Mannschaft spielt.« Er setzt die Hoffnung auf Markus Babbel, dass sich daran doch noch etwas ändert: »Sollte sich ein Spieler anbieten, wird er ihn sicher in den Profikader holen.« Der muss aber erst an Joselu vorbei.

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