Nach dem Vorfall von Magdeburg: Wenn Fans Spieler bedrohen

»Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot!«

Weil ihn Hooligans vor seiner eigenen Haustür bedrohten, musste Magdeburgs Daniel Bauer fliehen. Ein trauriger, aber kein Einzel-Fall. Die Liste derjenigen Fußballer, die von vermeintlichen Fans bedroht wurden, ist lang. Zu lang, wie unsere Liste zeigt. Nach dem Vorfall von Magdeburg: Wenn Fans Spieler bedrohen

Dresdner Gräber (November 2008)
Mäßig kreativ aber besonders geschmacklos reagierten Dresdner Fans auf eine 0:3-Heimniederlage gegen den SC Paderborn. Auf dem Trainingslatz hoben sie elf grabähnliche Löcher aus und versahen diese mit Holzkreuzen. Geschäftsführer Ralf Minge reagierte pragmatisch: »Jetzt haben wir in dieser angespannten Witterungssituation nochmals deutlich verschlechterte Trainingsbedingungen.«

Grablichter in Essen (September 2009)
Inspiriert von dieser subtilen Bedrohung, die auch bei Hajduk Split schon einmal ihre Anwendung fand, zeigten sich Fans von Rot-Weiss Essen. Sie stellten auf dem Trainingsplatz ein kleines Holzkreuz (Inschrift »1907-2010«) auf, umringt von Grablichtern und weißen T-Shirts mit den Initialen der Startelf des letzten Auftritts.

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Erzwungener Abbruch des Römer Derbys (März 2004)
Nach bewusst gestreuten Gerüchten, ein junger Fan sei vor dem Römer Derby von einem Polizeiauto überfahren worden, versuchen die Fanszenen beider Vereine den Abbruch des Spiels herbeizuführen. Sie schießen Leuchtraketen auf den Platz, bis der Schiedsrichter das Spiel in der 47. Minute unterbricht. Erfolglos wird eine Erklärung der Polizei verlesen, wonach das Gerücht jeder Grundlage entbehrt. Derweil bedrängen auf den Platz geeilte Roma-Fans ihren Kapitän Francesco Totti. Es heißt, sie hätten ihn massiv bedroht und mit einer Invasion des Spielfelds gedroht, sollten die Mannschaften weiterspielen. Der Schiedsrichter will das Spiel wieder anpfeifen, doch die geschockten Spieler weigern sich. Nach eine Telefonat mit dem Liga-Chef bricht der Referee das Spiel ab.

Lahms Liebesattacke
Eine eher gefühlte als reale Bedrohung beschreibt Philipp Lahm in seiner Biographie. Eines Tages stand ein Mann vor seiner Haustür, um ihm zu sagen: »Philipp, ich hab mich so in dich verliebt. Darf ich reinkommen?« Lahm reagierte entsetzt: »Ich schmeiße die Tür zu und drehe den Schlüssel um. Mein Herz klopft heftig. ‚Gehen Sie weg’, sage ich durch die geschlossene Tür, oder ich hole sofort die Polizei.« Der Mann geht, aber Lahm zieht die Konsequenzen: »Ich habe keine Lust, mich mit verliebten Spinnern vor meiner Tür herumzuschlagen. Obwohl sich der Vorfall nicht wiederholt, beschließe ich umzuziehen.«

Eier auf Juventus (April 2010)
Enttäusch über den Saisonverlauf und einen zwischenzeitlichen sechsten Platz verschafften sich auch Anhänger von Juventus Turin Luft. Vor dem Spiel gegen Inter Mailand bewarfen rund 40 Juve-Anhänger den Team-Bus ihrer Mannschaft bei der Ankunft im Trainingslager mit Rauchbomben und Eiern. Dazu intonierten sie Sprechchöre und zeigten Spruchbänder mit Attacken gegen Spieler und Vereinsführung.

Leere Drohung in Köln (April 2011)
Nach einer 1:4-Niederlage in Wolfsburg war der 1. FC Köln tief in den Abstiegskampf verstrickt. Daraufhin bedienten sich einige Kölner Großmäuler eher fragwürdigen Motivationsmethoden. Am Rande des Trainingsplatzes schmierten sie die Drohung: »Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot!«

Niederlage oder Tod (November 2006)
Fans, die Spieler der eigenen Mannschaft bedrohen, verlangen für gewöhnlich mehr Einsatz und ein Sieg im nächsten Spiel. Nicht so in Argentinien. Etwa 20 Fans von Gimnasia-La Plata bedrohten ihre Spieler mit dem Tod, sollten sie ihr Spiel gegen Boca Juniors nicht verlieren. Die Fortsetzung des wegen Bedrohungen des Schiedsrichters beim Stand von 1:0 für Gimnasia zur Pause abgebrochenen Spieles endete prompt noch mit einem 4:1-Erfolg Bocas. Hintergrund der ungewöhnlichen Forderung: Eine Niederlage Bocas hätte dem Erzfeind von Gimnasia, dem Club Estudiantes, gute Chancen auf den Titelgewinn verschafft.

Gestörte Geburtstagsfeier in Turin (Januar 2010)
Mitten in die Geburtstagsfeier des Kapitäns des FC Turin in einem Restaurant platzten 25 erzürnte Hoooligans. Sie beleidigten und bespuckten die anwesenden Spieler, einige von ihnen wurden auch getreten. Auf Anraten der Polizei, die den Spu(c)k beendete, wurden die Spieler anschießend unter Polizeischutz gestellt. Ursprünglich wollte die Mannschaft zum nächsten Heimspiel gegen Cittadella nicht antreten, schließlich spielte sie aber doch.

Gewaltexzess in Griechenland (Februar 2006)
Randale in Griechenland läuft häufiger aus dem Ruder als hierzulande. Beim Spiel zwischen Paok Saloniki und Olympiakos Piräus (1:2) warfen Fans Steine und sogar ein Handy auf das Spielfeld, zündeten hunderte Plastiksitze an und zerstörten die Toiletten des Stadions. Nach der Niederlage drohten Paok-Hooligans ihren eigenen Spielern mit Messern und zerstörten das Auto eines Spielers.

Trainingsbesuch in Dresden (Februar 2007)
Knapp 50 Vermummte besuchten das Training von Dynamo Dresden, um ihren Unmut über eine 0:1-Heimpleite gegen Osnabrück zu äußern. Dabei wurden die Spieler beschimpft, Pressevertreter angegriffen und mit Schreckschusspistolen in die Luft geschossen. Unmittelbar nach der Niederlage kam es im Stadion zu heftigen verbalen Attacken gegen die Spieler, die Dynamo-Geschäftsführer Volkmar Köster noch verteidigte. Nun machten ihn die Spieler für die Eskalation verantwortlich. (Video)

Watschn für Legia-Spieler (April 2011)
Nach einer Heimniederlage von Legia Warschau gegen Ruch Chorzow beschimpfte und bespuckte ein Fan den Legia-Verteidiger Jakub Rzezniczak. Trotz Absperrungen gelang der in Fankreisen bekannte Mann aufs Feld und verpasste dem Spieler eine Ohrfeige. Das Stadion konnte er anschließend ungehindert verlassen. Nach Informationen der Zeitung »Gazeta Wyborcza« gibt es zwischen der Vereinsführung und der aggressiven Fanbewegung eine Absprache. »Für das Versprechen, dass es keine großen Krawalle geben wird, schließt der Verein vor kleinen Sünden die Augen«, beschrieb das Blatt die Taktik der Legia-Führung.

Nazis jagen Balotelli (April 2010)
Mario Balotelli wurde in fast allen italienischen Stadien Opfer von rassistischen Schmähungen. Selbst die Anhänger seines eigenen Vereins Inter Mailand pfiffen den dunkelhäutigen Spieler bei jeder Ballberührung aus. Nach einem Champions-League-Sieg gegen den FC Barcelona warf der 19-Jährige sein Trikot zu Boden und verschwand wutentbrannt in den Katakomben. Doch es kam noch schlimmer: In der Tiefgarage des Giuseppe-Meazza-Stadions griffen ihn Inter-Tifosi tätlich an. Erst als ihm der Präsident zu Hilfe eilte, flüchteten die Schläger .

Hausbesuch in Magdeburg (Oktober 2011)
Vor dem Prestige-Derby des 1. FC Magdeburg gegen den Halleschen FC (0:0) wurde der frühere FCM-Kapitän Daniel Bauer in seiner Wohnung von Hooligans überfallen und bedroht. Die fünf maskierten Männer drohten, bei einem Misserfolg gegen Halle wieder zu kommen. Bauer zog die Konsequenzen und verließ mit seiner Freundin fluchtartig die Stadt. Schon acht Wochen zuvor hatte er schriftliche Morddrohungen erhalten und nach eigenen Angaben vier Stunden auf dem Polizeirevier gesessen, um seine Aussage zu machen. Passiert war in der Zwischenzeit: nichts.

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