Nach dem Sieg ist vor dem Derby

Und ewig grinst der BVB

Borussia Dortmund marschiert unbeeindruckt von den Siegen der Konkurrenz weiter und führt die Bundesliga nun mit 50 Punkten an. Dabei gibt es Wichtigeres als die Meisterschaft – das Derby gegen Schalke am Freitag. Nach dem Sieg ist vor dem Derby

Wenn Kevin Großkreutz in diesen Tagen seine Arbeit beendet hat und vor die Journalisten tritt, hat er immer dieses selige Grinsen im Gesicht, das so aussieht, als wäre es einer gewissen Verlegenheit oder Unsicherheit geschuldet. Doch das täuscht. Es sind die Verhältnisse, die Großkreutz zum Grinsen bringen. Der Junge aus dem Dortmunder Arbeiterviertel Eving erlebt gerade die schönste Zeit seines noch recht frischen Fußballerlebens. Mit Borussia Dortmund, dem Verein seiner Kindheit, mischt er die Bundesliga auf, auch beim 3:0 in Wolfsburg, gegen den Meister von 2009, waren die Dortmunder wieder eine Klasse besser als ihr Gegner – und als nächstes steht für Großkreutz und den BVB das Spiel der Spiele an: das Revierderby gegen Schalke.

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Als die Dortmunder Fans in Wolfsburg kurz vor Schluss ihre Gesänge dem Duell mit dem Erzfeind widmeten, »da habe ich schon wieder Gänsehaut bekommen«, sagte Großkreutz. Und grinste.

Jeder andere Gesichtausdruck würde auch nicht passen zum allgemeinen Dortmunder Empfinden. »Schöner Tag für uns«, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kurz und bündig. »Wir haben dem Druck standgehalten, den jeder verspürt – nur wir nicht.« Den Dortmundern wird ja inzwischen Woche für Woche der Ausbruch einer Krise untergeschoben, am Ende eines Spieltags aber muss die Liga dem BVB dann wieder ihre Aufwartung machen. Am Samstag waren die Wolfsburger dran, dem Tabellenführer schon mal präventiv zum Titel zu gratulieren. »Ich geh schwer davon aus, dass sie Meister werden«, sagte Arne Friedrich, und für seinen Trainer Steve McClaren waren die Dortmunder im bisherigen Saisonverlauf »die beste Mannschaft, gegen die wir gespielt haben«.

Klopp: »Kein Grund, über etwas anderes nachzudenken als das Derby«

Wie immer nahm der BVB das Lob innerlich und äußerlich ungerührt zur Kenntnis. »Sehr nett« fand Trainer Jürgen Klopp die warmen Worte seines Kollegen. »Aber es löst nichts mehr aus. Es gibt keinen Grund, über etwas anderes nachzudenken als das Derby am Freitag.«

Das Spiel gegen Schalke ist im Kalender aller Dortmunder ohnehin immer mit einer Goldkante umrandet. Deshalb war Verteidiger Mats Hummels ein wenig erstaunt, dass die BVB-Anhänger in Wolfsburg den nächsten Feiertag scheinbar vergessen hatten. »Ich habe mich in der 89. Minute gewundert, dass unsere Fans noch gar nicht den Derbysieg gefordert haben«, sagte der starke Innenverteidiger des BVB. »Sechs Sekunden später haben sie es dann getan.«

Großkreutz: »Die Blauen sind 25 Punkte zurück«


So groß war die Lust aufs Derby bei den Dortmundern lange nicht. »Dieses Jahr freuen wir uns noch einen Tick mehr als sonst«, sagt Geschäftsführer Watzke. Die eigene Dominanz kommt nämlich durch Schalkes anhaltende Misere erst so richtig schön zur Geltung: Der Erzrivale schafft es einfach nicht, das Mittelmaß hinter sich zu lassen. Nach 20 Spieltagen haben es die Schalker als Tabellenelfter auf gerade mal halb so viele Punkte gebracht wie der BVB. »Die Blauen sind 25 Punkte zurück«, sagte Kevin Großkreutz, der das Wort Schalke wie jeder echte BVB-Fan nicht aussprechen kann, ohne Pickel zu bekommen. »Die stehen unter Druck.«

Die Vorfreude lassen sich die Dortmunder nicht einmal durch den Ausfall von Innenverteidiger Neven Subotic vermiesen, der am Freitag wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist. Für den Serben hat das immerhin den erfreulichen Nebeneffekt, dass er sich zum ersten Mal in seinem Leben ein Spiel des BVB von den Rängen im Westfalenstadion anschauen kann. Es gibt wahrscheinlich genügend Leute, die Subotic um diese Perspektive beneiden werden.

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