17.03.2013

Nach dem Rassismus-Eklat beim SV Ried

Affenlaute in der »Keine-Sorgen-Arena«

Vergangenes Wochenende wurde Richard Sukuta-Pasu von Sturm Graz während eines Auswärtsspiels beim SV Ried rassistisch beschimpft. Der Fall zeigt, wie schwer es zu kontrollieren ist, was von den Rängen kommt.

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Das Stadion des SV Ried hat einen passenden Namen: »Keine-Sorgen-Arena«. Das trifft die Realität des Vereins, der in der österreichischen Ortschaft Ried beherbergt ist. Ins Stadion passen 7500 Zuschauer, die Gemeinde Ried hat 12.000 Einwohner. Entsprechend besonnen geht es normalerweise rund um das Stadion und den Verein zu. Ruft man bei dem kleinen Klub an, ist es kein Problem, mit dem Vorstandsmitglied und Manager Stefan Reiter zu sprechen. Obwohl Ried immerhin in der österreichischen Bundesliga kickt, hat man Reiter sofort am Apparat.

SV Ried im Kreuzfeuer der Medienlandschaft

In dieser Woche war alles anders, denn nach dem letzten Heimspiel gegen Sturm Graz war der SV Ried auf einmal nicht mehr sorgenfrei. Richard Sukuta-Pasu, ehemals deutscher U21-Nationalspieler und nun in Diensten von Sturm Graz, wurde Opfer von rassistischen Beleidigungen aus dem Rieder Publikum. 90 Minuten lang habe er sich Affenlaute anhören müssen, sagte der 22-Jährige nach dem Spiel.

In der 85. Minute antwortete Sukuta-Pasu den widerlichen Schmähungen auf seine Weise: Er erzielte den 2:1-Siegtreffer für Graz und machte provozierende Gesten in Richtung des Ried-Fanblocks. »Ich bin Profi, mein Job ist es, wegzuhören, aber bei meinem Tor ist mir dann der Kragen geplatzt«, erklärte er sich einen Tag nach dem Spiel. Auf einmal war der SV Ried Mittelpunkt eines Rassismus-Eklats. Manager Stefan Reiter stand im Kreuzfeuer der österreichischen Medienlandschaft. Auch deutsche Presseagenturen griffen den Vorfall auf.

Die Wellen schlugen deshalb so hoch, weil Reiter ganz anders als Sukuta-Pasu zitiert wurde: »Niemand hat etwas gehört, nur er.« Auch der Schiedsrichter Gerhard Grobelnik wollte die Verunglimpfungen nicht gehört haben: »Für mich ist es unverständlich, wie hier etwas aufgebauscht wird«. Weil er nichts von den Beschimpfungen mitbekommen habe, ahndete der Schiedsrichter auch Sukuta-Pasus provozierende Geste mit einer Gelben Karte. Für den Stürmer war es die Fünfte, beim nächsten Spiel wird er fehlen.

Affenlaute absichtlich überhört?

Auf Nachfrage von 11FREUNDE erklärt Reiter: »Die Aussage habe ich direkt im Anschluss an die Partie getätigt. Da wusste ich noch gar nichts von den Affenlauten. Ich habe nur den provozierenden Torjubel von Sukuta-Pasu gesehen und mich dann gewundert, warum er sich nach der Gelben Karte beim Schiedsrichter derart aufgebracht beschwerte und auf unseren Fanblock zeigte.«

Nach Spielende hakte Reiter beim Schiedsrichter und den Ordnern aus dem betroffenen Fanblock nach, ob es zu rassistischen Äußerungen gekommen sei. Übereinstimmende Antwort: »Da war nichts.« Sogar mit dem verantwortlichen Redakteur aus dem Ü-Wagen von »Sky« sprach Reiter. Mit gleichem Ergebnis. »Am Samstag gab es keine Person, die auch nur annähernd rassistische Äußerungen bestätigen konnte«, sagt Reiter. Seine Aussagen auf der Pressekonferenz, dass niemand außer Sukuta-Pasu etwas gehört habe, wirkt im Nachhinein dennoch unglücklich. Zumal der Ried-Manager inzwischen einräumt, dass ihm klar sei, dass »kein Spieler so etwas aus dem Nichts heraus sagt«.

 
 
 
 
 
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