19.05.2014

Nach dem Pokalfinale steht die Torlinientechnik im Fokus

Das Comeback des Jahres

Bayern München gewinnt den Pokal. Doch darüber schwebt die Frage: Tor oder nicht Tor? Im Pokalfinale hat Schiedsrichter Florian Meyer einen klaren Treffer nicht anerkannt. Also reden alle über die Torlinientechnik-Debatte.

Text:
Christoph Küppers
Bild:
imago

Mats Hummels wirkte zerknirscht. Nach dem Spiel schlich der Innenverteidiger als einer der ersten Dortmunder durch die Mixed Zone in Richtung Mannschaftsbus. Mit leiser Stimme erklärte Hummels den wartenden Journalisten: »Ich habe sofort gesehen, dass der Ball drin war, aber ich war ja auch nur einen Meter weg.« Der Verteidiger sprach über die kritischste Szene dieses DFB-Pokalfinales zwischen Bayern München und seinem BVB. Bayern-Abwehrspieler Dante hatte in der 64. Minute beim Stand von 0:0 einen Hummels-Kopfball hinter der Linie geklärt. Der Pfiff von Schiedsrichter Florian Meyer blieb aber aus.

Zwar wollten weder Spieler noch Verantwortliche vom BVB die Fehlentscheidung als Ausrede für die unter dem Strich verdiente 0:2-Niederlage gegen die Bayern gelten lassen, dennoch haderten sie mit Meyer. »Die Bilder sind eindeutig. Es ist schade, dass so ein Finale durch eine Fehlentscheidung letztlich entschieden wird«, so Manager Michael Zorc. Trainer Jürgen Klopp sagte: »Wenn ein Spieler, wie in dem Fall Dante, mit dem rechten Bein auf der Linie steht und mit links den Ball rausschlägt, dann muss es ein Tor sein. Da musst du schon vom Cirque du Soleil sein, um den noch von der Linie zu kratzen.«

Ein zu später Hilferuf?

Dass Schiedsrichter-Assistent Frank Willenborg – wie kurzfristig vom Boulevard in Umlauf gebracht wurde – sogar auf den Mittelpunkt gezeigt und damit signalisiert haben soll, dass der Ball im Tor war, brachte Klopp zusätzlich auf die Palme: »Wenn das so wäre, wäre das ein Hammer. Wenn der Schiedsrichter den überstimmt, der das am besten sieht, habe ich kein Verständnis mehr.« Linksverteidiger Marcel Schmelzer unterstützte die von einigen Journalisten beobachtete Szene: »Ich hatte den gleichen Gedanken. Ich habe gesehen, dass er mit der einen Hand zur Mittellinie gezeigt hat und dachte eigentlich, dass das ein Tor ist.« Nur gut, dass Schiedsrichter Meyer diese Szene nur Minuten später selbst ins Reich der Fabeln verwies.

Unabhängig davon, ob und wie Meyer und Willenborg nun in der Szene entschieden haben, ist mit dem Pokalfinale eine leidige Debatte auf die große Fußball-Bühne zurückgekehrt: das Für und Wider der Torlinientechnik. Eigentlich wollten die Vereine sich in naher Zukunft nicht mehr damit beschäftigen. Unmittelbar nach dem Pokalfinale war sie doch wieder in aller Munde. Sowohl zu Klopp als auch zu Zorc soll Schiedsrichter Meyer gesagt haben, es täte ihm leid, aber da seien ihm die Hände gebunden. Da brauche man die Technologie. Ein zu später Hilferuf des Unparteiischen?

Ende März lehnten die 36 Vereine der ersten und zweiten Liga die Einführung der Torlinientechnik ab. Es ist kein Geheimnis, dass Bayern München und Borussia Dortmund zu den Befürwortern des Beweismittels zählten. Auch aus diesem Grund sagte Zorc nach dem Pokalspiel angefressen: »Wir konnten es nicht im Alleingang durchsetzen. Es ist und bleibt für mich unverständlich.« Und Schmelzer ergänzte: »Ich glaube alle die dagegen gestimmt haben, waren noch nie in der Situation aufgrund einer solchen Szene ein wichtiges Finale verloren zu haben.«

 
 
 
 
 
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