Nach dem Hacker-Facebook-Angriff: Als Neururer seine Daten verlor

»Er drückte und drückte«

Peter Neururer und sein Computer-Fluch: Diese Woche wurde der Facebook-Account des Trainers geknackt. Wir erinnern uns an den Herbst 1989, als Fußballlehrer Peter Neururer als einer der ersten Bundesliga-Trainer bereits mit Spielerdatenbanken arbeitete. Damals wurde sein System auch gehackt. Gewissermaßen. 

Als Peter Neururer seine Daten verlor
Heft: #
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Peter Neururer war bislang ein eifriger Facebook-Poster. Bis Dienstag. Denn da wurde sein Passwort geknackt. Die Web-Einbrecher teilten auf Neururers Seite prompt ein Foto der Autogrammkarte des Ex-Bochumers Leon Goretzka. Dazu posteten sie den Text: »Melde Dich einmal bei mir!!!« Neururer war außer sich: »Unfassbar«, sagte er der «Bild«. »Ich würde nie mit Leon über Facebook kommunizieren.« Und: »Das ist der Fluch der neuen Medien. Für mich ist jetzt Schluss damit.«

Apropos Fluch. Es war nicht das erste Mal, dass Peter Neururer Computer-Probleme bekam. Hier erinnert er sich an einen verheerenden Daten-Verlust:

Schon zu meiner Zeit als Trainer beim FC Schalke 04 fing ich an, mir eine Spielerdatenbank aufzubauen. Ich beobachtete Spieler in Deutschland und halb Europa, und während ich auf der Tribüne saß, sprach ich die Informationen auf ein Diktiergerät: Rechtsfuß oder Linksfuß, Zweikampfverhalten, Kopfballspiel, Aktionsradius – alles, was ein Trainer wissen muss. So war ich immer über die Gegner im Bilde und hatte gleichzeitig einen guten Überblick über potentielle Neuverpflichtungen.

Mit größter Mühe über 3000 Spielerprofile zusammengetippt

Abends, wenn ich wieder zu Hause war, hörte ich meine mündlichen Notizen ab und trug sie nach und nach in die Datenbank ein. Mein Computer stand im Arbeitszimmer, ein riesiges Ding der ersten Generation, so groß wie ein Backofen. Ich selbst habe nicht die geringste Ahnung vom Programmieren und dem ganzen technischen Kram. Die Datenbank hatte ein Freund von mir auf meine Bedürfnisse hin konzipiert. An meiner Methode schieden sich die Geister: Manche nahmen mich auf die Schippe. Sie dachten, ich betreibe da eine Geheimwissenschaft, die mit Fußball nichts zu tun hat.

»Peter, du mit deiner elektrischen Schreibmaschine!«, sagten sie. Andere wiederum ahnten, dass ich meiner Zeit weit voraus war, und zeigten sich durchaus interessiert an meinem einzigartigen Wissensschatz. Die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen etwa griffen die Idee auf und trieben sie systematisch voran. Ich aber saß weiterhin allein im stillen Kämmerlein – eine wahnsinnige Arbeit über Jahre! Irgendwann hatte ich im Zweifinger-Suchverfahren mit größter Mühe über 3000 Spielerprofile zusammengetippt.

Eines Tages, ich hackte mal wieder Zahlen und Buchstaben in die Tastatur, besuchte mich mein Sohn Jörn, der damals drei Jahre alt war, in meinem Arbeitszimmer. Nach einer Weile klingelte das Telefon, und ich ging ran. Man weiß ja nie, ob es nicht vielleicht doch wichtig ist. In meiner kurzen Abwesenheit kletterte der kleine Jörn, unheimlich gut auf den Beinen, auf den Schreibtischstuhl und sah mit seinen großen Augen auf dem Bildschirm etwas blinken. Er konnte natürlich noch nicht lesen, dennoch war das Geblinke eine Aufforderung für ihn, irgendwelche Knöpfe zu drücken.

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