Nach dem Beckham-Platzverweis: 25 Dinge über Schiedsrichter

»Doch, das kann ich!«

Muss man auch erstmal schaffen: Bei einem Jugendspiel die Rote Karte bekommen. David Beckham hat es geschafft. Was tun wir in solchen Fällen? Genau, erinnern mit unseren 25 Dingen über Schiedsrichter an die kuriosesten Szenen der Unparteiischen. Nach dem Beckham-Platzverweis: 25 Dinge über Schiedsrichter
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Großartig: Weil ihm der Platzverweis gegen ein Kleinkind bei einem Jugendmatch nicht passte, protestierte David Beckham beim Schiedsrichter. Der zeigte sich durchaus humorlos – und verwies den Superstar des Feldes. Beckham musste für den Rest des Spiels die Anlage verlassen, erst als sein Sohn Romeo im anschließenden Spiel auflief, durfte Beckham wieder aufs Feld. »Ich habe bei einem jüngeren Jahrgang von Romeos Klub zugeschaut, als es einen Elfmeter gab«, so die Beschreibung des Tathergangs von Beckham selbst, »die Jungs sind sieben Jahre alt, und da hat der Schiedsrichter den Spieler runtergeschickt. Ich sagte: Kommen Sie schon, der ist sieben, Schiedsrichter, den können Sie doch nicht vom Platz stellen!« Der Referee habe geantwortet: »Doch, das kann ich!«
Dumm gelaufen, für uns allerdings die perfekte Steilvorlage um an die beliebten »25 Dinge über Schiedsrichter« zu erinnern.

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1

Lothar Woelk kennt man als grobschlächtigen Aufräumer. Durchaus sensibel half der Bochumer Woelk allerdings Schiedsrichter Markus Merk bei seiner Premiere in der Bundesliga. Als Merk von Fotografen belagert wurde, raunzte der bärtige Woelk die Meute an: »Jetzt macht mal Platz, wie soll der Junge hier ein Spiel pfeifen.« Das half.

2
Merk wurde später selbst zum Therapeuten. In einem Spiel hatte er den zeternden BVB-Coach Matthias Sammer wegen Motzerei auf die Tribüne geschickt, als er wenig später schon wieder auf den erzürnten Dortmunder Trainer traf. Ihn abermals des Platzes zu verweisen, war keine Lösung, also entschied Merk: »Leihe ihm einfach dein Ohr.« Also durfte Sammer im Zwiegespräch all das loswerden, was ihn bedrückte. »Danach setzte er sich auf die Trainerbank und 80 Minuten hörte ich nichts mehr von ihm.« Was Sammer mitzuteilen hatte? Merk: »Ich habe kein Wort verstanden.«

3
Wolf-Dieter Ahlenfelder und seine zu früh abgepfiffene Halbzeit sind längst Legende. Aus einem Interview mit der »Hessischen Allgemeinen«: »Damals spielte der Höttges noch in Bremen. Er sagte zu mir: ›Schiri, das kann nicht sein. Mein Trikot ist noch nicht nass.‹ Ich habe gesagt: ›Her mit dem Knicker – und habe Schiedsrichterball gegeben.‹ Die ›Bild‹ hat gefragt, was ich getrunken hätte, und ich antwortete: ›Eine Kiste Bier und eine Flasche Asbach.‹ Da war der Bock fett, auch wenn einige gemerkt haben, dass ich scherze.«

4
Weniger glimpflich ging die Trunkenheit an der Trillerpfeife für den Schweizer Urs Meier aus. Der hatte in der Nacht vor dem Aufstiegsspiel zur Dritten Liga zwischen Fislisbach und Villmergen anlässlich der Einweihung einer Mehrzweckhalle gezecht, mit Restalkohol im Blut ging alles schief: »Ich verlor die Übersicht und übersah mehrere Handspiele im Sechzehner.« Die Villmerger nahmen direkt nach dem Schlusspfiff Meier in die Zange. Der spurtete erst zur Eckfahne, dann zum Parkplatz, sprang in seinen VW Käfer und raste davon.

5
Als der langjährige FIFA-Schiedsrichter Knut Kircher einmal Oliver Kahn verwarnen musste, rief er eingedenk der Kahnschen Beißattacke gegen Heiko Herrlich schon von weitem: »Herr Kahn, ich zeige Ihnen jetzt die Gelbe Karte. Bitte nicht beißen.« Da musste sogar Kahn lachen.



6
Ein anderer Bayern-Spieler wurde nach den Spielen gerne mal bei Kircher in der Schiedsrichter-Kabine vorstellig. Das Kabuff der Unparteiischen war der einzige Ort, an dem Mario Basler unbeobachtet eine Zigarette rauchen konnte. Kircher stellte Bedingungen: »Wir haben gesagt: ›Mario, bring vier Bier mit, dann geht das in Ordnung.‹ Das hat er gemacht.«

7
Zu den Pflichten gastgebender Vereine gehört die professionelle Betreuung der Schiedsrichter am Spielort. Im Falle des Referees Dieter Pauly war das keine ganz leichte Übung, hatte Pauly doch ein etwas außergewöhnliches Hobby, »eine Vorliebe für das Trecker- und Schlepperfahren«. Also gab man sich beim 1.FC Nürnberg alle Mühe: »Meine nächste Treckerfahrt sollte dann nicht lange auf sich warten lassen. Sie gaben mir die Gelegenheit, meiner kleinen Schwäche für das Fahren dieser Ungetüme nachzugeben.«

8
Später geriet der Club ins Zwielicht, hatte er doch 1991 die erstaunliche Summe von 191000 Euro für den Posten »Schiedsrichterbetreuung« ausgegeben. Was das bedeutete, referierte der zerknirschte Schiri Neuner. Er bekam einen Diaprojektor, Fitnessgel, Öl, einen Pokal mit Gravierung und einen Vereinswimpel.

9
Weil die Spieler des madagassischen Klubs Stade Olympique l’Emyrne mit einer Entscheidung nicht einverstanden waren, schossen sie nach jedem Anstoß den Ball wieder ins eigene Tor. Am Ende gewann Gegner AS Adema mit 149:0, dessen Spieler hatten belustigt zugesehen.

10
Weil einige Spieler zu energisch gegen eine Rote Karte protestierten, zog der Schiedsrichter eines Spiels im malayischen Bundesstaat Johor eine Pistole. Der Referee, im normalen Leben Polizist, war nach einer Rudelbildung zu seinem Wagen gelaufen, hatte seine Dienstwaffe geholt und in die Luft geballert.



11
Selten verlieren Schiedsrichter komplett die Übersicht. So geschehen Lutz Fröhlich bei Leverkusen gegen Bremen. Nachdem Keeper Oliver Reck aus dem Bayer-Block mit einem Schokoriegel beworfen wird, hält Fröhlich den Einwechselspieler Uwe Harttgen für einen Randalierer und verweist ihn auf die Tribüne, Reck wird später mit Gelb-Roter Karte vom Feld geschickt. Weil Reck noch gar nicht verwarnt worden war, wird daraus kurzerhand eine normale Rote Karte. Immerhin: »Der Schokoriegel entkommt unerkannt«, schreibt Arnd Zeigler im Werder-Schmöker »Lebenslang grün-weiß.«

12
Der italienische Schiedsrichter Pierluigi Collina musste 1997 im Spiel zwischen Inter und Juventus ein bereits gegebenes Tor annullieren, der Assistent hatte einen Spieler im Abseits übersehen. Collina wandte sich an Inters Kapitän Bergomi: »Es ist eine blöde Situation, aber du kannst mir vertrauen.« Als der Referee Inter-Trainer Roy Hodgson informierte, reichte der ihm die Hand: »Ist okay!« Sportsmänner eben.

13
Ein anderes Mal wurden beim Spiel Foggia gegen Bari in der Serie B von beiden Fankurven unablässig Gegenstände aufs Spielfeld geworfen. Die Situation verschärfte sich, als die Fans den jeweils gegnerischen Keeper mit Wurfgeschossen eindeckten. Collina ließ die Teams kurzerhand noch einmal die Seiten tauschen.

14
Die Welt ist klein. Das musste der erwähnte Knut Kircher in Istanbul feststellen. Dort pfiff er ein Europapokalspiel und ärgerte sich über einen türkischen Kicker, der ständig meckerte. Irgendwann platzte Kircher der Kragen, im schwäbischen Idiom wies er den Spieler zurecht. Antwort des Türken, ebenfalls in tiefstem Schwäbisch: »Und du mi au!«

15
In der österreichischen Bundesliga wurde das Spiel zwischen SCR Altach und Rapid Wien wiederholt, ein Regelverstoß von Schiedsrichter Bernhard Brugger war der Grund. Der hatte einen Strafstoß via Pfiff freigegeben, als Rapid-Keeper Helge Payer noch sinnierend mit dem Rücken zum Schützen im Tor stand. Als sich Payer umgedreht hatte, lag der Ball bereits halb im Tor. Eigendiagnose des Referees: »Irrtümliche Wahrnehmung.«



16
Bernd Heynemann wurde zu DDR-Zeiten einmal nicht sonderlich subtil unter Druck gesetzt. Vor einem Spiel gegen den BFC Dynamo marschierte Erich Mielke höchstpersönlich in die Schiedsrichterkabine und sprach salbungsvolle Worte: »Willkommen in der Hauptstadt der DDR. Der BFC als Fußballmeister begrüßt auch die Schiedsrichter und freut sich auf eine qualitätsvolle Spielleitung.« Was durchaus mit dem Auftrag verbunden war, dem BFC beim Gewinnen nicht allzu sehr im Wege zu stehen.

17
Auch zu Westzeiten wurden Funktionäre gerne mal bei Heynemann vorstellig. So schaute nach einem 2:2 gegen Kaiserslautern BVB Präsident Gerd Niebaum vorbei, verkündete mit eisiger Miene: »Herr Heynemann, ich bin menschlich tief enttäuscht!«, und rauschte aus der Kabine, was auch Manager Michael Meier amüsierte. Seither begrüßen sich Meier und Heynemann stets mit den Worten: »Ich bin menschlich tief enttäuscht!«

18
Dass Pierluigi Collina wegen einer Stoffwechselerkrankung kahlköpfig ist, hielt den DFB nicht davon ab, ihm bei einem Länderspiel ein Präsent zu überreichen: einen leistungsstarken Haarfön.

19
Mauro Bergonzi, ebenfalls italienischer Referee, hatte in einem Spiel der Serie A dem SSC Neapel mit zwei umstrittenen Elfmetern zum Sieg gegen Juventus Turin verholfen. Was einige Turiner Halbstarke so aufbrachte, dass sie später Bergonzi auf offener Straße verprügelten. Beziehungsweise verprügelten sie einen Bankangestellten, der Bergonzi ein wenig ähnlich sah.

20
Dass Schiris Denkmale gesetzt werden, kommt selten vor. In Aserbaidschan jedoch heißt das Nationalstadion Tofik-Bachramow-Stadion und ist benannt nach dem Linienrichter, der 1966 England zum Weltmeister machte, als er den Lattenschuss von Geoff Hurst hinter der Linie sah. Das Denkmal vor dem Stadion wurde übrigens enthüllt von: Geoff Hurst.

21
Gottfried Dienst, Schiedsrichter des damaligen Spiels, flüchtet sich heute in Fatalismus: »Und wenn Sie mich nach 100 Jahren wieder ausgraben und ich komme neu auf die Welt, weiß ich immer noch nicht, ob der Ball drin war.«

22
Am 16. Mai 1992 hätte Eintracht Frankfurt Meister werden können, hätte Schiedsrichter Alfons Berg aus Konz in der 76. Minute einen glasklaren Elfmeter zugunsten der Eintracht gegeben. So lange die Frankfurter Fanszene ihm die Fehlentscheidung auch nachtrug, so sportlich reagierte das hauptamtliche Personal: »Erst kam Uli Stein zu mir in die Kabine und hat mich fast getröstet, obwohl er doch auch Trost brauchte. Eine Woche später hat jemand vom Präsidium angerufen und hat sich nach mir erkundigt. Das war eine große Geste.«

23
Gelbe und Rote Karten erfand der englische Schiri Ken Aston. Er ließ sich auf der Heimfahrt von einem turbulenten Spiel von einer Verkehrsampel inspirieren. Die erste Gelbe Karte zeigte der deutsche Referee Kurt Tschentscher beim Eröffnungsspiel der WM 1970 in Mexiko.

24
Bis heute ein einsamer Rekord: Am 7. April 2001 griff Schiedsrichter Hartmut Strampe 13 Mal in die Tasche. Beim Spiel Borussia Dortmund gegen den FC Bayern gab es zehnmal Gelb, zweimal Rot und einmal Gelb-Rot. Ein hitziger Kick, den Strampe zurückhaltend als »schwieriges Spiel« bezeichnete.

25
Den Befürwortern von Videobeweisen und Torkameras ein letzter weiser Satz ins Gedächtnis, ausgesprochen vom österreichischen Journalisten Wolfgang Kralicek: »Fehlentscheidungen sind das Kostbarste, das der Schiedsrichter dem Fußball geben kann.«

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