24.09.2012

Nach Ben-Hatira: Fußballer hinter Gittern

»Ehrenwort - ich war’s nicht!«

Weil ihn seine erboste Freundin bei der Polizei anzeigte, musste Hertha-Mann Änis Ben-Hatira in der Nacht auf Sonntag einige Stunden hinter Gittern verbringen – er war mit der Brieftasche der Herzensdame nach einem Streit im Auto davon gedüst. Ben-Hatira ist kein Einzelfall, wie unsere Liste zeigt.

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Tor

Joey Didulica
»Ich bin kein Verbrecher, ich bin ein Fußballer«, beteuerte der kroatische Nationaltorhüter auf seiner Homepage. Im Mai 2005 hatte der damalige Keeper von Austria den Rapid-Stürmer Axel Lawaree aus geschätzten zwei Metern Flughöhe und mit ausgefahrenem Bein zu enthaupten versucht. Der Belgier erlitt einen Nasenbeinbruch, kam aber mit seinem Leben davon. Die Staatsanwaltschaft forderte darauf die Verurteilung Didulicas wegen schwerer Körperverletzung. Bis zu drei Jahren Freiheitsentzug empfiehlt das Gesetz dafür. Richter Ernest Maurer sprach den Übeltreter dennoch frei, da für ihn Didulicas Absicht unnachweisbar blieb.

Abwehr

Vlado Kasalo

Hört auf euren Kaiser! »Der Vlado hat zweimal bei mir in der Weltauswahl gespielt«, verriet die Lichtgestalt 1989 den Verantwortlichen des 1.FC Nürnberg. »Den könnt ihr blind nehmen.« Die Clubberer ließen sich nicht lange bitten und verpflichteten für 1,2 Millionen Mark den »Ausnahmelibero« Vlado Kasalo von Dinamo Zagreb. Durch Ausnahmeleistungen fiel er nie auf, jedoch gelang ihm am 17 .März 1991 das entscheidende 1:0 – für Stuttgart gegen Nürnberg. Tragisch, doch was wäre der Fußball ohne Eigentore? Verwunderlich war allerdings, dass ihm nur eine Woche später das gleiche Malheur in Karlsruhe vorbehalten blieb: Wieder per Kopf überwand er den verdutzten Andreas Köpke mit dem gleichen Wappen auf der Brust. Daraufhin kamen aus dunkelsten Zockerkreisen seine immens hohen Schulden ans Tageslicht. Der Vorwurf: Die zwei Eigentore waren reinste Absicht, um »Darlehen« von der Mafia tilgen zu können. Kasalo gelobte Unschuld, was ihn nicht vor der fristlosen Kündigung und der Entziehung der Spiellizenz verschonte. Verurteilt wurde er nie. Wegen wiederholten Waffen- und Drogenbesitzes verhafteten ihn die kroatischen Behörden nach Karriereende jedoch mehrmals.

Tomasz Hajto
15 Millionen geschmuggelte Glimmstängel aus Polen landeten in Duisburg. Schon in der Nachbarschaft fand sich ein williger Abnehmer: Bundesliga-Profi Tomasz Hajto (damals Schalke 04) gab zu, im September 2002 110 Stangen der unverzollten Zigaretten erworben zu haben. Laut Bekunden des rustikalen Abwehrspielers verkaufte er diese jedoch nicht gewinnbringend weiter, sondern verscherbelte sie im Bekanntenkreis. Immerhin gab sich Hajto geläutert: »Ich will für meine Dummheit eine gerechte Strafe zahlen.« Die Staatsanwaltschaft senkte die 180.000 Euro Strafe aus der ersten Instanz auf letztendlich 43.500 Euro.

Thorsten Legat

Welch böse Gerüchte umschwirrten den streitbaren Emporkömmling des Ruhrpotts. Sein IQ sei nicht höher gelegen als seine Rückennummer – und dergleichen. Allein, der Modelathlet und Hobby-Bodybuilder gab nicht nur seinen Kritiker allzu oft die »Ich hab es doch immer gewusst«-Genugtuung. Die Lüge erschien ihm oft als einziger Ausweg aus der eigenen Gedankenlosigkeit. Ein Schriftexperte überführte den Unbedachten, nachdem er in seiner Stuttgarter Zeit auf Pablo Thiams Trinkflasche »Negersaft« geschrieben und hinterher behauptete hatte: »Ehrenwort - ich war’s nicht.« In Frankfurt ließ er sogar nach Kritik an seiner Leistung den eigenen Vater sterben, um eine Ausrede zu präsentieren. Eintracht schickte Beileid und Blumen, die Vater Legat an der Tür selbst in Empfang nahm. Auch der Justiz blieb er kein Unbekannter. In der Silvesternacht 1996/97 will Legat in Stuttgart gewesen sein (»Ich schwöre bei Gott.«), nur musste zu gleicher Stunde in Bochum ein Opel-Werksmitarbeiter nach einer Kollision mit Legats Faust mit acht Stichen genäht werden. Vor Gericht wurde die Wirklichkeit rekonstruiert, Legat zu 90.000 Mark Strafe verdonnert.

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