Mourinho ätzt gegen Grant

»Philosophie eines Losers«

Seit Samstag steht fest: Chelsea-Trainer Avram Grant muss gehen. Sein Vorgänger José Mourinho teilt in einem Interview kräftig aus. Seine Rückkehr ist bei der Sprunghaftigkeit des Club-Besitzers Abramowitsch aber nicht ausgeschlossen. Mourinho ätzt gegen GrantImago Das Video mit seinem Saisonresümee stand gestern immer noch ganz vorn auf der Internetseite des FC Chelsea. »Wir hatten eine großartige Saison«, sagt Avram Grant in die Kamera. »Wir sind nicht hervorragend gestartet, aber haben uns dann gut erholt.« Er sei sehr stolz. Daneben war bereits die knapp gefasste Mitteilung zu lesen: »Der Fußballclub Chelsea kann bestätigen, dass Avram Grants Vertrag als Manager am Sonnabend beendet wurde.« Man werde sich nun mit aller Kraft auf die Suche eines Nachfolgers konzentrieren und bis dahin keine weitere Stellungnahme abgeben.

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Britische Medien spekulierten gestern über mögliche neue Trainer für den Londoner Klub, bei dem neben einer ganzen Reihe internationaler Stars auch Deutschlands Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack unter Vertrag steht. Genannt wurden unter anderem Frank Rijkaard (zuletzt FC Barcelona), Roberto Mancini (Inter Mailand) und Sven-Göran Eriksson (Manchester City). Sogar die Rückkehr von José Mourinho, der nach seiner Entlassung als Vorgänger Grants arbeitslos ist, gilt als Option für Chelseas Eigner Roman Abramowitsch.

Giftige Pfeile aus Mourinhos Köcher

Prompt äußerte sich Mourinho in einem Interview mit der Sonntagszeitung »Observer«. Gefragt, ob denn Chelseas Saison wirklich so großartig war, wie es Grant dargestellt hatte, antwortete der Portugiese: »Meiner Philosophie nach war dies eine sehr schlechte Saison.« Das Wörtchen »fast« im Fußball bedeute nun einmal nichts anderes als eine Niederlage. Damit spielte Mourinho auf die knapp verpasste Meisterschaft und den im Elfmeterschießen vergebenen Titel in der Champions League an. »Nach zwei Titeln pro Saison in den letzten drei Jahren gab es diesmal keinen Titel.« Und dann kommt der für Grant verletzende Satz: »Vielleicht war dies in der Philosophie eines Losers eine großartige Saison. Ich respektiere das.«

Mourinho war nach jenem schwachen Saisonstart, auf den Grant in seinem Video-Resümee anspielt, entlassen worden. Mit der ausdrücklichen Maßgabe von Abramowitsch, künftig nicht nur erfolgreich, sondern auch unterhaltsam spielen zu lassen, wurde Grant installiert. Der Israeli verfügte bis dahin als Trainer nur über Erfahrungen mit dem Nationalteam seines Heimatlandes. In der Folge stellte Grant dauernd die Mannschaft um und verärgerte die Fans mit seinen Aus- und Einwechslungen. »Du weißt nicht, was du tust«, war ein häufig gehörter Gesang. Auch Michael Ballack ärgerte sich mehrmals über die Aufstellungen und die Wechselei Grants.

Aber auch unter Mourinho hatte Ballack keine leichte Zeit gehabt. Wie Andrej Schewtschenko galt er als Wunschspieler Abramowitschs, während Mourinho statt Superstars einzukaufen lieber behutsam am Ausbau des Kaders gearbeitet hätte. »Ich halte sie immer noch für meine Jungs«, sagte Mourinho jetzt. Dann zählte er die Spieler auf, die »es verdient haben, glücklich zu sein«: Frank Lampard, Michael Essien, Claude Makelele, Ashley Cole, Didier Drogba und Ricardo Carvalho. Michael Ballack fehlte in dieser Reihe der Mourinho-Boys.

Eine Rückkehr des Portugiesen gilt als wenig wahrscheinlich, ist aber bei der Sprunghaftigkeit Abramowitschs wohl auch nicht ausgeschlossen. Mourinho berichtete jedenfalls stolz von bleibender Wertschätzung durch Abramowitsch. Der russische Milliardär habe ihm Monate nach seiner Entlassung einen Ferrari geschenkt, noch dazu ein äußerst seltenes und entsprechend teures Modell.

Und was wird nun aus Grant, der sich öffentlich zunächst nicht äußerte? Britische Medien spekulieren über seinen bevorstehenden Amtsantritt bei Manchester City. Dessen Eigner Thaksin Shinawatra will Grant laut »Sunday Times« verpflichten. Thailands Ex-Regierungschef, der in seiner Heimat als Helfer der Armen verehrt wird, sich aber gleichzeitig Vorwürfen der Korruption und der diktatorischen Amtsführung ausgesetzt sieht, sei von Grants Persönlichkeit, aber auch von dessen sportlicher Bilanz mit Chelsea beeindruckt. Und den amtierenden Trainer Sven-Göran Eriksson wolle Shinawatra ohnehin loswerden. Das würde passen: Grant geht von einem sprunghaften Alleinherrscher zum anderen. Womöglich noch im Tausch mit Eriksson.

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