18.07.2013

Morgan Schneiderlin, der beste Mittelfeldspieler der Premier League

Die Ente aus Zellwiller

Seite 2/3: Zahlen lügen nicht
Text:
Paul Hofmann
Bild:
Imago

Den Beweis für Schneiderlins Qualitäten liefern die Zahlen. Auf der statistikorientierten Seite »whoscored.com« werden Balleroberungen und Grätschen beziffert. Von der Tabelle mal abgesehen wird keine andere Rangliste derart häufig aufgerufen wie die der Balleroberungen. Mit diesem Spiel hatte sich Schneiderlin an ihre Spitze gesetzt. Die Saison 2012/13 beendete er mit 139 »Interceptions« (im Schnitt 3,9 pro Spiel) und verwies damit Sandro (80, 3,6 im Schnitt) von den Tottenham Hotspur auf Rang zwei. Hinsichtlich seiner 146 erfolgreichen Grätschen (4,1 im Schnitt) musste er Liverpools Lucas (123, 4,7 im Schnitt) zwar den Vortritt lassen, beging dabei aber seltener ein Foul. »Sie können drauf wetten, dass Schneiderlin noch lang nicht am Ende seiner grandiosen Entwicklung ist. Er wird Southamptons nahe Zukunft prägen«, versprach Kolumnist Nick Akerman.

Für Schneiderlin hatte Racing Straßburg, das ihm als jüngsten Spieler der Vereinshistorie einen Profivertrag gegeben hatte, 2008 umgerechnet 1,5 Millionen Euro aufgerufen. Der damalige Zweitligist aus Southampton zahlte. »Hier werde ich regelmäßig spielen«, versprach Schneiderlin der »BBC« vollmundig. Und hielt Wort. Er zählte sofort zum Stammpersonal. Die Aufstiegssaison 2011/12 gestaltete er in über 40 Einsätzen wesentlich mit. Unauffällig, aber nicht zu überwinden.

Halt an der Imbissbude

Er profitierte vom Status Southamptons als Ausbildungsverein. Ein gutes Pflaster für Talente, denn hier haben sie ein Händchen für Nachwuchsförderung. Die Eigengewächse Gareth Bale, Theo Walcott und Alex Oxlade-Chamberlain wuchsen hier zu Klassespielern heran und spülten bei ihren Verkäufen zusammen 40 Millionen Euro in die Klubkassen. Auch Schneiderlin wird das Kapital eines Tages mehren. Der Wert des langjährigen französischen Jugend-Nationalspielers beläuft sich laut »transfermarkt.de« bereits auf fünfeinhalb Millionen Euro.

Der Franzose gilt als Musterprofi. Aber auch er war vor den Stolperfallen des Jungprofi-Daseins nicht gefeit. Hunger brachte er nicht nur für die Premier League mit, auch das Fastfood hatte es ihm angetan. Das Echo im englischen Blätterwald fiel entsprechend hämisch aus. »In der Zweiten Liga kam ich nach 60 Spielminuten aus der Puste. Ich dachte, die Ernährung hätte in meinem Alter noch keine Auswirkungen«, gestand er dem »Daily Mirror« jüngst reumütig. »Mittlerweile weiß ich, dass Fitness die Grundlage für mein Spiel ist.« Mit der Einsicht kam die Leistungsexplosion und der Durchbruch in der härtesten Liga der Welt. Schneiderlin spulte vergangene Saison im Schnitt 11,3 Kilometer ab – laut »FourFourTwo« Ligaspitze. Mit seiner damaligen Attitüde zur Laufarbeit hätte er unter seinem aktuellen Trainer Mauricio Pochettino allerdings auch wenig zu lachen.

 
 
 
 
 
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