Moment der Saison (5): Zurück zu den Wurzeln in Lichtenberg

Fußball + ich = Herz

Alex Raack hätte fast vergessen, warum er sich einst so sehr in den Fußball verknallte. Dann fiel es ihm wieder ein.

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Zu Dorffußballplätzen habe ich eine ganz besondere Beziehung. Vielleicht liegt das daran, dass ich quasi auf einem aufgewachsen bin. Mein Heimatverein, der hier schon zurecht so häufig erwähnte SV Garßen, verfügt über zwei Großfelder, ein Kleinfeld und einer Trainingsfläche, die ungefähr noch mal so groß ist wie ein Großfeld. Naturrasen, selbstverständlich (Gott schütze Mittel-Niedersachsen!). Drumherum Felder, der Tennisverein, ein paar Häuser. Ein kleines Vereinsheim, die Wände zugeklebt mit Urkunden von anno dazumal, die Vitrine voll von sonderlichen Pokalen. Gilde, 0,33. Bockwurst. Am Grill immer ein paar Männer mit Vorzeigebäuchen. Hier bin ich groß geworden und wenn ich alle Jubeljahre mal wieder vorbeikomme, reicht mir irgendwer ein Gilde, die Männer vom Grill prosten mir zu und der Rasen riecht noch genauso wie früher. Mein Gott, ist das schön.

Sollten wir uns trennen?

Der Profifußball kann einen im Laufe der Zeit ganz schön mürbe machen. Die Stadien, die Spieler, die Trainer, das Umfeld – alles ist so glatt geleckt, dass ich mich manchmal hinterfrage, wie es eigentlich so läuft zwischen Fußball und mir. Ist das noch die ewige Liebe, die Beziehung auf Lebenszeit? Sind wir noch glücklich? Bin ich noch verknallt? Oder klammere ich mich an etwas fest, was gar nicht mehr da ist? Sollten wir uns vielleicht besser trennen?

Dann war ich mal wieder beim Amateurfußball. Nicht weit von meiner Wohnung trägt Lichtenberg 47 seine Heimspiele aus, Kollege Andreas Bock hat die schlichte Schönheit des Hans-Zoschke-Stadions ja bereits ausreichend gewürdigt. Die Lichtenberger mögen mir verzeihen, dass ich mich in ihrem Stadion fühlte wie auf meinem geliebten Dorffußballplatz. Die Sonne schien, der Rasen roch, das Bier war kalt. Nur eine Handvoll Menschen hatten sich zum Freundschaftsspiel gegen den VfL Halle auf den Tribünen verirrt. Aus den Boxen blecherte Musik, die mir sogar gefiel. Die Hermes House Band und brandredende Stadionsprecher waren ganz weit weg, als die Mannschaften zu Red Hot Chilli Peppers aufliefen. Am Grill grüßte mich ein Mann mit Vorzeige-Bauch. Es war so schön. Vor lauter Freude schüttete sich ein ebenfalls anwesender Kollege sein Bier über die Hose.

Glücks- und echtbesoffen fuhr ich nach Hause. Lächelnde Pärchen kamen mir entgegen, quietschverknallt ineinander verrenkt. Ich lachte ihnen wissend zu. Auch ich wusste jetzt ja wieder, wie sich die große Liebe anfühlt.

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