Die Paarung Gladbach gegen Dortmund stand in den letzten Jahren für Fußball auf taktisch hohem Niveau. Auch an diesem Spieltag trafen zwei Teams aufeinander, die bestens eingestellt waren. Beide Teams traten in einem 4-2-3-1 an, das gegen den Ball zum 4-4-2 wurde. Wie so oft bei Duellen mit zwei gleichen Formationen entstand ein zähes Duell mit vielen Eins-gegen-Eins-Duellen im Mittelfeld. Gerade Gladbach versuchte von Beginn weg, die Anspielstationen für ihre Gegner zuzustellen.
Klopps Experiment: Götze als Stürmer
Vor dem Spiel hatte Jürgen Klopp ein Problem: Wen sollte er als Stürmer aufs Feld schicken? Mit Robert Lewandowski und Julian Schieber fehlten dem BVB beide Angreifer aufgrund von Sperren. Er entschied sich für Mario Götze – wohlgemerkt nicht als falsche, sondern als echte Neun. Grundsätzlich bringt Götze die Voraussetzungen für diese Rolle mit: Er verfügt über eine exzellente Technik und ist körperlich robust genug, um Bälle vor dem Gegner abzuschirmen. Auch mit dem Rücken zum Tor kann er den Ball vor seinen Gegenspieler abschirmen, um ihn daraufhin auf die Außen abzulegen.
Der Nationalstürmer vollführte seine neue Rolle gewissenhaft: Götze hielt seine Position im Sturm und ging nur selten auf die Flügel oder in die Tiefe. Die Aufgaben als Stürmer machte er gut, allerdings hatte das BVB-Spiel dadurch mit anderen Problemen zu kämpfen: Seine Kreativität aus der Tiefe fehlte dem Team merklich. Mit nur acht Pässen in Halbzeit eins war er kaum am Spiel beteiligt – nicht ungewöhnlich für einen Stürmer. Obwohl die Dreierreihe hinter ihm ständig die Positionen wechselte, konnte sie keine Impulse geben. Götze hing so in der Luft.
Zudem verlor der BVB mit ihm die Option, das Spiel mit einem langen Ball zu eröffnen oder aus dem Halbfeld zu flanken - mit seinen 1,76m ist Götze nun einmal nicht der Größte. Die Gladbacher zogen sich etwas weiter zurück als gewohnt, so dass Dortmund den Ball in den eigenen Reihen halten konnte; mit ihren Passstaffetten gewannen sie allerdings nur wenig Raum. Kein Wunder, schließlich waren ihre flachen Kombinationen extrem ausrechenbar.
Dortmunds Viererkette patzte
Gladbach hingegen fand offensiv nicht statt. Sie konzentrierten sich auf die Defensive. Bei eigenen Angriffen rückten die Außenverteidiger und Sechser nicht nach, die Angreifer und die Außenstürmer waren auf sich alleine gestellt. Lukas Rupp und Oscar Wendt waren dadurch völlig von ihren Kollegen isoliert, sobald sie auf dem Flügel einen Ball bekam. Auffälligster Gladbacher war der junge Amin Younes: Er konnte auf engstem Raum den Ball behaupten und auch mal einen oder zwei Dortmunder umdribbeln. Doch auch ihm fehlten die Anspielstationen. Seine Aktionen verpufften meist wirkungslos.
Dies trug seinen Teil dazu bei, dass die Partie lange Zeit extrem zäh war. In den ersten 30 Minuten gab es gerade einmal vier Torschüsse – alle auf Seiten des BVBs. Die erste wirkliche Chance war der Führungstreffer der Dortmunder: Nach einer schnellen Kombination konnte Götze zum ersten Mal seine Geschwindigkeit ausspielen, nach Marco Reus‘ Pass kam der BVB-Stürmer erstmals hinter der gegnerischen Kette an den Ball. Marc-Andre ter Stegen konnte sich nur mit einem Foul helfen, Götze verwandelte selbst (31.).
Zu wenig Pressing – und das vom BVB
Auch danach konnte Gladbach keine Akzente setzen. Erst nach der Halbzeitpause riskierten sie etwas mehr, nun rückten die Außenverteidiger weiter nach vorne. Dass sie wieder ins Spiel fanden, hatte aber eher mit Dortmunder Nachlässigkeiten zu tun: Ihre vorderste Reihe presste zu wenig, Gladbach konnte mehr lange Bälle spielen.
Die Dortmunder Viererkette hatte ihre liebe Mühe mit diesen hohen Bällen. Das neue Innenverteidiger-Duo Neven Subotic und Felipe Santana (kam für den verletzten Mats Hummels) war nicht eingespielt, dementsprechend stand die BVB-Abwehr manches Mal zu hoch und rückte zu langsam zurück. So auch vor dem Ausgleichstreffer, den Gladbach mit einem langen Ball einfädelte und den Younes im Tor versenkte (67.).
Klopp brachte nun einen gelernten Stürmer: Balint Bajner (71. für Moritz Leitner) ging in die Spitze. Vor allem Götze war in seiner gewohnten Rolle als Zehner aktiver im Spiel, in Halbzeit Zwei spielte er dreimal so viele Pässe wie in der ersten Hälfte (24 zu 8). Kurze Zeit später kam Nuri Sahin (82. für Lukasz Piszczek) und jagte lange Bälle in die Spitze.
Die Gladbacher hingegen konnten gegen aggressiver aufrückende Dortmunder auf schnelle Konter bauen. Lucien Favre brachte Peniel Mlapa (80. für Younes), der an den Schnittstellen der Dortmunder Viererkette lauerte. So gab es in den letzten 30 Minuten fast so viele Torschüsse wie in den 60 zuvor (8 zu 11). Doch das Tor traf kein Team mehr, trotz riesiger Chancen durch Mlapa (90.) und Sebastian Kehl (93.). Am Ende geht das Unentschieden in Ordnung, auch wenn Gladbach lange Zeit nichts nach vorne zustande brachte. Der BVB war nach der Pause nicht präsent genug, um das 1:0 über die Zeit zu bringen.