Mit dem HSV am Abgrund

Niemals Zweite Liga?

In Mainz steht der HSV vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte, kann sich aber in die Relegation retten. Die Stimmung unter den Fans ist derweil ähnlich gemischt wie die Leistung der Profis auf dem Rasen. Ein Ortsbesuch.

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Aber vielleicht stimmt ja, was die Hamburger Jungs, sie sind alle Hamburger Jungs, auf dem Weg zur Coface-Arena singen. Dass der HSV, der HSV, der HSV wieder da sei. Dass ohnehin ja nur der HSV existiere. Dass er niemals in die Zweite Liga absteigen werde, niemals, niemals. Oder doch? Die Stimmung im Shuttle-Bus voller Hamburger Fans ist gut, aber vielleicht liegt das eher am Holsten, das ja bekanntlich am dollsten knallt, denn zwischen die Schlachtgesänge mischt sich hier und da Skepsis. Ein ruhigerer Gesang wird angestimmt und sofort abgewürgt. »Klingt ja wie auf ner Beerdigung«, sagt einer. »Is’ ja auch eine«, sagt ein anderer. Dann lachen sie kurz über den Witz, der keiner ist, und singen wieder, wie aus Trotz, von der Zweiten Liga, in die man niemals absteigen werde, niemals, niemals.

Viel spricht nicht für die Hamburger

Aber so richtig sicher kann man sich an diesem Samstagmittag in der Mainzer Industriegebiets-Einöde nicht sein. Die vielleicht wichtigsten 90 Minuten der so glorreichen Vereinsgeschichte liegen vor dem Klub, vor den Spielern und auch vor den Jungs im Bus. Viel spricht nicht für die Hamburger. »Nürnberg auf Schalke, klar, da geht nix. Aber Braunschweig in Sinsheim, die könnten was reißen.« Und der eigene Klub? Schweigen. Schluck Holsten. Niemals Zweite Liga, es klingt wie ein Mantra, eine Mischung aus Wunsch und letztem Strohhalm. Der Bus hält und die Jungs steigen aus.

Noch viel weniger spricht für die Hamburger, als Elkin Soto wenig später das 1:0 schießt. Ein frühes Gegentor gegen die giftigen Mainzer, in der Hamburger Kurve versiegt der Gesang. Nie war der Hamburger Abstieg so wirklich wie in diesem Moment. Aber dann passiert etwas, das man vom HSV in dieser Saison äußerst selten gesehen hat. Die Mannschaft kämpft. Van der Vaart, Tesche, Rincon - sie alle hauen sich in die Zweikämpfe, als wären es ihre letzten in der Liga, und vielleicht sind sie das ja auch. Irgendwann staubt Lasogga zum Ausgleich ab und im Gästeblock explodieren die Fans. Also doch niemals Zweite Liga, nur der HSV, haben wir ja gesagt!

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