Mit dem goldenen Reiter im Tabellenkeller

Die Bundesliga in den Blogs (33)

Weniger Spannung als die Bundesliga im Saisonfinale bietet nur der neue Scream. Oben ist alles klar, unten, dass (bestimmt) Wolfsburg in die Relegation muss – die 11FREUNDE-Blogschau setzt sich zu den Bloggern an den Grill. Mit dem goldenen Reiter im Tabellenkeller

Borussia Mönchengladbach - SC Freiburg 2:0

Gladbach hatte sich schon die Lizenzauflagen der 2. Liga raufgelesen, muss jetzt aber ummodeln. Weil die rote Laterne nur noch ein mattes Glimmern in der Ferne ist. Weil man, im Gegensatz zu Wolfsburg und Frankfurt, Abstiegskampf kann. »Es war klasse, dass gerade Mike Hanke endlich mal getroffen hat. Und dass Stranzl die schwache Leistung Dantes ausbügeln konnte. Und dass Ter Stegen erneut überragende Ruhe ausstrahlte«, frohlockt Christoph Rohde und schließt hoffnungsschwanger: »Man darf wirklich wieder an ein Wunder glauben.« Entscheidend is aufm Platz verausgabt sich in einer ausführliche Analyse der Aufholjagd (»Wunder in der Warteschleife«), die er auch an nichtweltliche Umstände gekoppelt glaubt: »In den wichtigen Punkten unterscheidet sich der Aberglaube kaum von einer echten Relegion. Da ist der Glaube an etwas, was gar nicht sein kann. Der Glaube an etwas, das es nur gibt, weil man daran glaubt. Man wird skeptisch angeschaut, muss sich rechtfertigen, merkt selbst, dass das alles ziemlich bekloppt ist. Und dann hat man auf dem Weg nach Hause doch wieder nur die nächste Rettungstheorie im Kopf. Denkt, dass vier Siege aus fünf Heimspielen unter Lucien Favre definitiv etwas damit zu tun haben müssen, dass ich seit der Verpflichtung des Schweizers nicht mehr persönlich mit dem Auto zum Gladbacher Hauptbahnhof gefahren bin.«

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Bayer Leverkusen - Bayern München (Fernduell um Platz 2)

Das Saisonfinale hätte so langweilig werden können, zumindest oben. Meisterschaft, Champions League, internationales Geschäft – alles hätte man eintüten können, vor allem in Leverkusen. Aber am Rhein weiß man ein schönes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Münchener Konkurrenz noch zu schätzen, und vergeigt deshalb gegen den HSV. »Fans fordern die sofortige Entlassung des erfolgreichsten Trainers der letzten Jahre – der wiederum in einem Pauschalstatement der gesamten schwarz-roten Supportertruppe die Bereitschaft zur Unterstützung aberkennt. Beides ist natürlich alles, aber nicht gerechtfertigt«, kommentiert catenaccio die Brandherde. Weiter südlich will man dann aber doch nicht zu sehr hoffen. Warum sollte Robin Dutt seinen zukünftigen Arbeitgeber in die ermüdende CL-Quali zwingen?, übt sich Breitnigge in Zurückhaltung: »Für mich ist der Drops hier gelutscht und am Ende des Tages tut der FC Bayern, seine Spieler, seine Trainer, Funktionäre und auch seine Fans (aller Lager) gut daran, sich ein wenig demütig zu zeigen, dass es uns nach dieser Saison noch vergönnt war, weiterhin von einer möglichen Qualifikation für die nächstjährige Championsleague-Saison zu träumen.«

Eintracht Krankfurt - 1. FC Köln 0:2

Es ließe sich viel darüber schreiben, was am Samstag in Frankfurt passierte. Es ließe sich hetzen, pöbeln, anklagen, abmahnen, wettern. Aber warum sollen wir uns die Mühe machen, wenn die Bloglandschaft das besser kann? »Die Rückrunde dieser Saison ist ein weiterer Nackenschlag für jeden Eintracht Fan – und wir sind schließlich traditionell viel Leid gewohnt. Es wird eine Abrechnung notwendig. Die Ratten sind schon auf Abschiedstour, der sogenannte Kapitän und der Trainer, der wohl Frankfurt nur als Missverständnis sehen kann«, betextet der Adlerblog vorwiegend das Sportliche. »Ich schäme mich dafür, dass ich, obwohl ich es besser hätte wissen müssen, an diese kleine Restchance geglaubt hatte. Und noch mehr schäme ich mich wegen der, die nicht in Würde verlieren können. Das betrifft die auf den Platz und in Folge dessen auch die auf den Rängen. Als ein deutliches Zeichen hätte gesetzt werden müssen haben sie gesungen. Als es zu spät war, haben sie randaliert«, ringt der Blog-G um Fassung. Und Beves Welt dichtet den traurig-schönen Schlussakkord: »Später Kehraus. Joachim Witt singt: Ich war so hoch auf der Leiter, doch dann stieg ich ab. Wir fahren heim. Wir sind heute nicht abgestiegen. Wir sind das gesamte letzte halbe Jahr abgestiegen. Singend. Und Eingelullt.«

Und sonst so?

Merkt man, dass die Sommerpause naht. Weil keine dramatischen Entscheidungen zu kommentieren sind, kommentiert auch keiner dramatisch. In Stuttgart (aus Erleichterung) und in Wolfsburg (aus Angst) wird das Bloggen gleich ganz eingestellt. Deshalb gibt es an dieser Stelle jetzt die besten Hits der Neuen Deutschen Welle und ... nein, soll eben der Übersteiger noch die Abschiedsveranstaltung auf St. Pauli einordnen dürfen: »Die Zielsetzung vor der Saison war Existenzkampf, Scheitern war immer eine Option, auch wenn es lange Zeit nicht danach aussah. Und alleine für den Derbysieg hat sich der Aufstieg gelohnt. Die Ehrenrunden von Stani und Truller waren dann nochmal harter Tobak für alle Beteiligten, denke ich.«

Die Hoffenheimer Akademiker, die eben genannte Übungsleiter ja bald begrüßen dürfen, resümieren die Sinsheimer Saison gewohnt verkopft: »(...) lernten wir Demut. Wir lernten, die Grundlage für Frustrationen zu relativieren. Keine Erwartungshaltung. Wenn der mit sich ach so zufriedene Spielleiter etwas geschafft hat, dann den Glauben an die Mannschaft und die Vorfreude auf das Spiel zu nehmen – wobei er hier nicht alleine war. Spieler und Kollegen taten ihr Übriges.«

Das Wort zum Montag gebührt final dem Königsblog mit Was-soll's-Attitüde. Das passt, weil auch das eigentlich zu betrachtende Schalker Spiel (1:3 gegen Mainz) egaler ja nicht sein konnte. In diesem Sinne: »Das Wetter ist großartig und Schalke 04 kann nicht mehr absteigen! Nein, mit Sarkasmus hat das nichts zu tun. Schalke 04 hat in dieser Bundesligasaison grandios many Games schlecht gespielt. Die Tabelle lügt nicht, Schalke gehört tatsächlich nur irgendwo in die Mitte der unteren Tabellenhälfte. Da darf man schon mal erleichtert jauchzen, wenn letztendlich nichts mehr anbrennen kann. Und wenn dann mit einem einzigen, letzten Sieg auch noch eine Teilnahme an der Europa League erreicht werden würde, könnte man sich tatsächlich ins Fäustchen lachen.«

11FREUNDE-Fazit: Die Abschlusstabelle des 34. Spieltages (jetzt schon exklusiv)

1. Borussia Dortmund
2. Bayer Leverkusen
3. Bayern München
4. Mainz 05
5. Hannover 96
6. 1. FC Nürnberg
7. 1899 Hoffenheim
8. Hamburger SV
9. SC Freiburg
10. Werder Bremen
11. 1. FC Kaiserslautern
12. VfB Stuttgart
13. 1. FC Köln
14. Schalke 04
15. Borussia M'Gladbach
16. VfL Wolfsburg
17. Eintracht Frankfurt
18. FC St. Pauli

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