Moralapostel werden jetzt sagen: Was hätte Klose auch sonst tun sollen? Und ja, in einer perfekten Welt wollen Stürmer keine Tore mit der Hand erzielen, wollen Abwehrspieler den gegnerischen Spielmacher nicht verletzen und liegen sich Fans beider Seiten freudetrunken in den Armen. Das das nicht so ist, weiß inzwischen wohl auch der letzte Fußballignorant. Kloses Fairness ist deshalb nicht hoch genug einzuschätzen. In einer vom jahrelangen Beschiss arg gebeutelten Serie A, einst die beste Liga der Welt, kommt sein Geständnis beim Schiedsrichter einer Heldentat gleich. Auch deshalb hauten sie anschließend wie wild auf Kloses Kopf und Schultern ein – um ihm zu gratulieren. Wohl nur die allerwenigsten Stürmer im Profifußball hätten die Courage, beim Stand von 0:0 ein eigenes Tor aberkennen zu lassen. Lazio verlor anschließend übrigens noch mit 0:3.
Das Ergebnis interessierte nach dem Spiel allerdings nur die Lazio-Fans. der Rest des Landes feierte Miroslav Klose. »Dafür verdient er einen Preis«, forderte Neapels Kapitän Paolo Cannavaro direkt nach dem Schlusspfiff. »Bravo Klose, was für eine schöne Geste!«, titelte die »Gazetto dello Sport« enthusiastisch. Der Fairnesspreis ist Klose wohl nicht mehr zu nehmen. Dass sich der ehemalige WM-Torschützenkönig auch damit auskennt, zeigt, wie erfahren Klose längst ist – selbst in Sachen Fairness. Schon 2005 bat er den Schiedsrichter beim Spiel Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld einen Elfmeter zurückzunehmen. Damals allerdings führte Kloses Klub Werder schon mit 3:0, das Spiel war entschieden und einige Beobachter fragten sich anschließend, ob Klose auch beim Stand von 0:0 so ritterlich gehandelt hätte.
Solche Nachfragen bleiben Klose jetzt sicherlich erspart. Italiens Fußballfans sind dankbar für jede Geste, die dem so angekratzten calcio ein Stück seiner selbst verursachten Hässlichkeit nimmt. Das sah denn auch die »Gazetto dello Sport« so: Im »kranken Fußball«, so das Massenblatt, sei Klose »eine Anomalie«.