Michal Kadlec, beständig wie der Senior
02.11.2008

Michal Kadlec, beständig wie der Senior

Der ideale Baustein

Zehn Jahre nach dem großen Triumph von Miroslav Kadlec mit dem 1. FC Kaiserslautern schickt sich sein Sohn Michal an der deutschen Eliteklasse seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Bruno Labbadia gibt ihm die Chance dazu.

Text:
Alex Raack
Bild:
Imago
Die Fans auf dem legendären Betzenberg in Kaiserslautern kannten nur einen Helden: Olaf Marschall, der treffsicherste Schnauzbartträger Mitte der 90er Jahre hatte auch an diesem vorletzten Spieltag der Saison 1997/98 getroffen, zweimal sogar. In der 24. Minute zum 1:0 und nach 55 Minuten zum entscheidenden 3:0. Der Betze konnte die Korken knallen lassen, die Bayern hatten sich gleichzeitig beim 0:0 gegen Duisburg blamiert, Kaiserslautern schaffte als Aufsteiger mit dem Gewinn der Deutschen Fußball-Meisterschaft eine der größten Überraschungen der jüngeren deutschen Sporthistorie. 4:0 gewann der FCK am Ende gegen Mitaufsteiger VfL Wolfsburg, die Fans ließen anschließend vor allem Olaf Marschall hochleben. Der hoch gewachsene Angreifer erzielte sagenhafte 21 Tore in 24 Spielen und wurde am Ende der Spielzeit Torschützenkönig.



Trainer Otto Rehhagel hatte – wieder einmal – alle Kritiker eines Besseren belehrt, der Defensivverfechter hatte aus dem tränenüberströmten Absteiger Kaiserslautern einen Deutschen Meister geformt. Man sagt, ein guter Trainer habe immer einen verlängerten Arm auf dem Spielfeld, einen Spieler und Trainer in Personalunion sozusagen. In Bremen war es Rune Bratseth gewesen, der elegante Verteidiger aus Norwegen, in Kaiserslautern hatte sich Otto eine ganz ähnliche Figur zur Schaltzentrale auserkoren: Miroslav Kadlec. Der technisch beschlagene Abwehrmann war in Lauterns Meistersaison Abwehrorganisator, Antreiber, Motivator und Vorbildfigur in einem. Einer der letzten Liberos der alten Schule.

Mehr als zehn Jahre ist das jetzt her. Kadlec, der es auf 64 Länderspiele brachte, hat seine aktive Karriere längst beendet, aktuell soll er für den 1. FC Brünn als Scout tätig sein. Ein gutes Händchen für hochwertige Talente scheint er zu haben: Zehn Jahre nach dem großen Triumph von Kadlec senior schickt sich sein Sohn Michal an der deutschen Eliteklasse seinen persönlichen Stempel aufzudrücken.

Früh im Haifischbecken Profifußball eingetaucht

Der 23-jährige Abwehrspieler könnte die Überraschung im Leverkusener Überraschungspaket 2008/09 werden. Vor der Spielzeit von Sparta Prag für ein Jahr ausgeliehen, schenkte ihm Bayer-Trainer Bruno Labbadia am vierten Spieltag gegen Hertha BSC Berlin das Vertrauen – seit dem ist der blonde Tscheche nicht mehr aus dem Konzept der neuen »Werkself« wegzudenken. Denn Kadlec personifiziert genau das, was die aktuelle Leistungsexplosion der Bayer-Riege auszeichnet. Hervorragend ausgebildet (unter anderem beim 1. FC Kaiserslautern), früh im Haifischbecken Profifußball eingetaucht und bewährt (mit 17 gab er sein Debüt für den 1. FC Slovacko) und bei einem eloquenten Verein gereift (seit 2005 ist Kadlec bei Sparta Prag unter Vertrag) ist der Linksverteidiger inzwischen ein idealer Baustein für einen ambitionierten Trainer wie Bruno Labbadia.

Der lässt seine Mannschaft bevorzugt mit schnellem Flachpassspiel und direkten Zug zum gegnerischen Tor über den Platz rotieren. Das sieht schön aus und ist erfolgreich, erfordert aber ein enorm hohes Tempo und eine auf den Höhepunkt trainierte individuelle Fitness der Spieler. Geschont von jeglichen Europapokal-Sorgen und Anstrengungen hat Bayer in dieser Spielzeit schon mehrfach brilliert und hoch gehandelte Mannschaften wie Bremen oder am Freitag Wolfsburg fachgerecht auseinander genommen.

Michal Kadlec spielt in Labbadias Ideen eine wichtige Rolle, hat er doch jene Position inne, die im modernen  Fußball von immer größerer Bedeutung geworden ist. Außenverteidiger der Gegenwart müssen die Fähigkeit haben alte Defensivtalente (Zweikampfverhalten, Härte, Übersicht, Kopfballspiel etc.) mit den gewachsenen Anforderungen in der Offensive (Schnelligkeit, Torgefahr, Flanken- und Passgenauigkeit) zu kombinieren. Ein schwieriger Drahtseilakt. Wer die Balance zu halten weiß kann für jede Mannschaft der Welt ein Gewinn sein (siehe Phillip Lahm). Der junge Kadlec hat jetzt schon mehrfach Ansätze zu ähnlicher Brillanz gezeigt, zudem hat in seinen schnellen Füßen eine Waffe eingebaut, die ihm zusätzliche Stammplatzgarantien bescheren: der Tscheche besitzt einen enormen Schuss, bevorzugt mit links, aber auch mit rechts getreten sind seine Schüsse von erstaunlicher Härte und Präzision. Auch gegen Wolfsburg knackte er damit den dichten Abwehrriegel, nur eine Glanzparade vom famosen VfL-Torwart Benaglio verhinderte in der 13. Minute Kadlecs zweiten Saisontreffer.

Michel Kadlec und Bayer Leverkusen begeistern die Liga, spielt die Mannschaft so weiter, ist der Meistertitel eine realistische Zielsetzung. Die selbst ernannte »Werkself« muss jetzt beweisen, wie viel Konstanz sie besitzt. Um Kadlec junior muss man sich wohl keine Gedanken machen: sein Vater Miroslav galt schließlich als ein wahres Muster an Beständigkeit.

Nur Text
Nur Bild
 
 
 
 
 
 
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden