Michael A. Roths schönste Entlassungen

»Machen´S den Karton zu«

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Der 1.FC Nürnberg war für Trainer schon immer ein heißes Pflaster. Man denke nur an den ehemaligen Club-Präsidenten Gerhard Voak, der einst Trainer Willi Entenmann direkt nach einem 2:0-Sieg gegen die Bayern entließ. Die durchschnittliche Amtszeit eines Club-Trainers beträgt gerade mal ein Jahr. Einen gehörigen Anteil daran hat auch der aktuelle Club-Präsident Michael Adolf Roth. In seiner ersten Amtszeit von 1979 bis 1983 verschliss Roth sieben Trainer. Seit 1994, mit Beginn seiner zweiten Amtszeit, ist Hans Meyer nun der achte Nürnberger Chefcoach, Interimslösungen nicht mit gezählt. Wir haben die schönsten Entlassungen zusammengestellt.

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Jeff Vliers (01. Juni bis 18. August 1979)

Die schnellste Entlassung eines Club-Trainers überhaupt traf den Belgier Jeff Vliers in der Saison 1979/80. Nürnberg war just in die 2. Liga abgestiegen, als der zu Saisonbeginn verpflichtete Vliers bereits nach dem 3.Spieltag und einer Bilanz von 1:5-Punkten vom neuen Präsidenten Roth geschasst wurde. Wie das ablief, schildert der Teppichfabrikant Roth so: „Wenn ein Trainer über einen längeren Zeitraum erfolglos ist, überlege ich mir eine Strategie, wie ich ihn möglichst günstig wieder loswerde. Den Jeff Vliers hatte ich damals mit einem Schuhkarton ausgetrickst. Er enthielt die Einnahmen eines Kassenhäuschens, also etwa 30.000 DM. Ich habe aber zu Vliers gesagt, dies sei die gesamte Kasse. ,Machen'S den Karton zu und fahren'S schnell über die Grenze’, sagte ich ihm. Der war ein paar Stunden später mit seinem Schuhkarton über die deutsch-belgische Grenze und sicherlich enttäuscht, als er dann genau nachzählte.“ Der Erfolg gab Roth Recht, unter dem neuen Chefcoach Robert „Zapf“ Gerhardt starteten die Clubberer eine Siegesserie und stiegen am Ende der Saison als Meister der 2. Bundesliga Süd souverän wieder in die 1. Liga auf.



Fünf Club-Trainer im Kalenderjahr 1981

Das Kalenderjahr 1981 geht als eines der turbulentesten in die Geschichte des Clubs ein. Gleich fünf verschiedene Übungsleiter saßen von Januar bis Dezember auf dem Trainerstuhl. Den Anfang machte Horst Heese, der zu Saisonbeginn 1980/81 das Amt von Aufstiegstrainer „Zapf“ Gerhardt übernommen hatte. Nürnberg spielte eine durchwachsene Saison, stand aber nie auf einem Abstiegsplatz. Dennoch musste Heese nach dem 26. Spieltag auf Platz 15 stehend seinen Stuhl räumen. Dies geschah trotz heftiger Proteste aus der Mannschaft, die mit ihrem bisherigen Trainer weiterarbeiten wollte. Davon unbeeindruckt, präsentierte Roth den ehemaligen Club-Spieler Fritz Popp als neuen Chefcoach. Popp hatte jedoch keine gültige Trainerlizenz, und so installierte Präsident Roth einige Wochen später den 63-jährigen Fred Hoffmann für die letzten drei Saisonspiele als Mann an der Linie. Nürnberg beendete die Saison schließlich auf dem 14. Rang. Hoffmann war von Beginn an nur als Zwischenlösung gedacht, und somit trat Heinz Elzner zur Spielzeit 1981/82 das Amt des Cheftrainers mit dem Ziel an, Nürnberg in der 1. Liga zu etablieren. Nach der fünften Niederlage im fünften Spiel kostete es Roth nicht viel Überwindungskraft, Elzner kurzerhand wieder zu entlassen. Sein Nachfolger, Udo Klug, war somit der fünfte Chefcoach innerhalb eines Jahres. Klug führte Nürnberg ins Pokalfinale – und blieb unter Präsident Roth für rekordverdächtige 25 Monate im Amt.


Felix Magath (1. September 1997 bis 30. Juni 1998)

Kaum eine Roth'sche Trainerentlassung kam so überraschend wie die von Felix Magath. Dieser hatte den Club nach vier Jahren in der Zweit- und Drittklassigkeit wieder in die 1. Bundesliga geführt, als es kurz vor Saisonbeginn zur plötzlichen Trennung zwischen Magath und dem Club kam. Diese war umso verwunderlicher, als der gefeierte Aufstiegstrainer und „Magier“ Magath seinen bis 1999 laufenden Vertrag nach zähen Verhandlungen mit Roth noch kurz zuvor per Handschlag bis 2000 verlängert hatte. Nachdem Magath bei Roth jedoch für 20 Mio. Euro für Verstärkungen forderte, ging Roth aus Angst vor einem neuen Schuldenberg nicht darauf ein. Stattdessen trennte er sich von Magath.


Wolfgang Wolf (30. April 2003 bis 31.10.2005)

Bei Wolfs letztem Spiel als Nürnberger Cheftrainer setzt es eine 1:4-Pleite in Mainz. Das war die dritte Niederlage in Folge bei 13 Gegentoren. Zwar hatte der Präsident Wolf trotz Tabellenplatz 18 eine Woche zuvor noch demonstrativ den Rücken gestärkt. Doch bei der herben Niederlage in Mainz hatte er schon nach ca. 70 Minuten genug. Roth, der zu den Auswärtsspielen immer privat anreist, begab sich bereits 20 Minuten vor Spielende wutentbrannt und mit hochrotem Kopf in sein Wohnmobil und machte sich mit seiner Frau zurück auf den Weg nach Nürnberg. Zu diesem Zeitpunkt war die Entlassung von Wolf längst beschlossene Sache.


(Zur wahrscheinlichsten aller Entlassungen konnte es nicht kommen. Vor der Verpflichtung Hans Meyers war Peter Neururer der Top-Kandidat auf den vakanten Trainerposten. Doch der immer wieder gegangen wordenene Neururer sagte Roth im letzten Moment ab – und ist seiner sicheren Entlassung somit zuvor gekommen.)

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Begegnung mit dem Sparfuchs – 11FREUNDE-Redakteur Jens Kirschneck trifft Michael A. Roth zum Interview www.11freunde.de/bundesligen/101925 .


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