Michael Frontzeck im Interview

»Das Internet ist mir suspekt«

Michael Frontzeck ist das, was man ungestraft einen Ur-Gladbacher nennen darf. Wir sprachen in unserer neuen Ausgabe mit ihm über Cristiano Ronaldos Narzissmus, Blumen von Schulmädchen und das Internet. Michael Frontzeck im InterviewSebastian van den Akker
Heft#106 09/2010
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Michael Frontzeck, Glückwunsch nachträglich! Vor genau 30 Jahren gewannen Sie mit Ihrer Schulmannschaft vom Gymnasium Odenkirchen bei »Jugend trainiert für Olympia«.

Vielen Dank! Ja, das war eine große Sache damals. Ich bin zum ersten Mal geflogen, nach Berlin, das Finale fand auf dem Maifeld statt. Ich denke immer noch gerne daran. Du gewinnst, kommst nach Hause, und die Schulmädchen warten auf dich mit einem Blumenstrauß in der Hand.

War das schon der schönste Moment in Ihrer Karriere?


Nein, mein erstes richtiges Profijahr 1983/84 war sicherlich das schönste, als der Traum, auf dem Bökelberg zu spielen, wahr wurde. Wir spielten oben mit und kamen ins Pokalfinale. Gegen Werder Bremen haben wir im Halbfinale zu Hause 5:4 nach Verlängerung gewonnen. Besser kann ein erstes Jahr kaum laufen.

Muss man als Junge aus Gladbach, der bei der Borussia spielt, in der Stadt noch irgendwo bezahlen?

Oh ja, bezahlen musst du in Deutschland immer, das ist nicht wie in Italien. Als junger Mensch neigst du trotzdem dazu, die Bodenhaftung zu verlieren. Ich habe aber ein solides Umfeld und nie vergessen, wo ich herkomme. Außerdem bekam ich von meinem Trainer Jupp
Heynckes den einen oder anderen Klaps.

Heute ist Heynckes Ihr Kollege. Dürfen Sie ihn duzen?

Ja, aber das fiel mir ziemlich schwer. Damals war er eine absolute Autoritätsperson für mich, lange Gespräche hat es nicht gegeben, wie überhaupt die Distanz zwischen Spielern und Trainer viel größer war als heute. 2006 kam er dann als Gladbach-Trainer zum Spiel nach Aachen, wo ich gerade angefangen hatte. Da habe ich zum ersten Mal zaghaft »Jupp« zu ihm gesagt.

Haben Sie Freunde, die Sie in all den Jahren begleitet haben?

Ich weiß, dass manche Leute im Zeitalter des Internets tausend haben. Aber ich bin keiner, der das Heer der Freunde aufzählt. Das ist mir suspekt. Ich habe nur ein paar, aber auf die kann ich mich hundertprozentig verlassen.

Sind es denn elf Freunde, die in einer Mannschaft spielen?


Nein, das ist eine Zweckgemeinschaft. Nicht alle müssen
einander grün sein und jeden Abend zusammen weggehen. Aber ich erwarte Respekt. Respekt klingt wie »der kleinste gemeinsame Nenner«. Wie soll eine Gruppe mit all ihren Charakteren denn sonst funktionieren? Insofern ist Respekt in meinen Augen ein hohes Gut. Das lebe ich vor, das versuche ich meinen Spielern zu vermitteln – nicht oberlehrerhaft, aber aufs Deutlichste.

Sie sagten unlängst: »Arango ist kein Briegel.« Sind Sie sich sicher, dass die jüngere Generation noch versteht, was Sie meinen?

Ich habe keine Angst, dass ich nicht mehr dieselben Vokabeln benutze wie die 20-Jährigen. Das Wesentliche ist doch, dass man authentisch bleibt. Das war früher so, und das ist auch heute noch so. Außerdem: Den Hans-Peter kennt doch jeder!

Gab es dennoch einen Moment, in dem Sie dachten: »Mensch, diese Jungs könnten meine Söhne sein«?


Das ist demografisch schon der Fall, aber auch das bereitet mir keine Probleme. Ich hatte noch nie einen Grund, den Übervater zu markieren und einen Spieler so richtig in der Öffentlichkeit zu maßregeln. Wenn ich sehe, dass meine Spieler alles geben, stelle ich mich gern vor sie. Du musst als Trainer auf eines achten: dass dein Team kompakt bleibt, dass niemand ausschert, ob nun auf oder neben dem Platz. Denn wenn das passiert, wirst du, egal wie gut deine Einzelspieler sind, auseinandergepflückt wie eine Weihnachtsgans.

Welche Mannschaft ist in puncto Geschlos-
senheit ein Vorbild?

Am meisten imponiert mir da der FC Barcelona. Iniesta, Xavi – und mittendrin der kleine Messi. Wenn der Gegner Pech hat, kommt er anderthalb Stunden nicht an den Ball.

Bei Messi fällt auf, dass er ausschließlich als Fußballer wahrgenommen werden will.


Ja, das unterscheidet ihn zum Beispiel von einem wie Cristiano Ronaldo. Wenn ich diese John-Wayne-Freistöße sehe! Am liebsten würde er sich dabei noch auf dem Videowürfel betrachten wie in einem Spiegel! 

Was würden Sie als Trainer solch einem Spieler flüstern?


Das Ärgerliche ist ja, dass der trifft! (lacht) Trotzdem mag ich Spieler lieber, für die nur der Fußball zählt, ohne Sperenzchen. Deshalb gefällt mir auch die aktuelle deutsche Nationalelf so gut. 

Diese Mannschaft gilt als Trendsetter.
Was haben Sie von ihr gelernt?

Ich gehe nicht unreflektiert durchs Leben und bin stets bereit, dazuzulernen. Aber von Trends halte ich nichts. Ob da nun einer mit dem Laptop herumläuft, einen Medizinball mit zum Frühstück bringt oder sich irgendwo in den Bergen abseilt – das kann er gern machen, aber an meiner grundsätzlichen Auffassung vom Fußball ändert das nichts.

Das komplette Interview mit Michael Frontzeck gibt es in der aktuellen 11FREUNDE-Ausgabe #107. Zu finden an jedem Kiosk. Sicher auch in Mönchengladbach.

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