07.02.2013

Mesut Özil: Eine Schwärmerei

Du genialer Zaubermensch

Beim Spiel Frankreich gegen Deutschland hat unser Autor Johannes Ehrmann bei Minusgraden auf der Tribüne geforen und sich dabei neu verliebt – in den deutschen Fußball und vor allem in Mesut Özil. Eine Schwärmerei.

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Es war schweinekalt im Stade de France, vielleicht null Grad, vielleicht weniger. Ich konnte mir selbst beim Atmen zusehen. Doch was sich gekleidet hatte wie ein dunkler Winterabend, fühlte sich ganz anders an. Denn da unten im gleißenden Licht machtest Du Dinge, die selbst verhärmte Männerherzen erglühen lassen.

Und ja, ich schäme mich meiner Gefühle nicht: auch mein dunkles Herz wurde licht.

Özil – oder darf ich: Mesut! – was haben wir, was habe ich Dich vermisst in all den Jahren vor, nunja, Dir. Ich wusste es nicht mal. Lange Zeit, eigentlich ewig, hatten die Franzosen ja zum Beispiel Zidane, und der führte alle vor, wie er wollte. Immer und immer wieder. Auch uns.

Da Zizou, hier der deutsche Rumpelfußball

Es gab da mal ein Spiel auf Schalke, 0:3 ging das aus, glaube ich - nicht so wichtig, denn viel eindrücklicher als das Ergebnis war das Gefühl der Demütigung, so grausam, diese Schmach durch Zizous Pirouetten, und die Befürchtung, nein, die Gewissheit, dass der deutsche Rumpelfußball niemals einen solch großen Meister hervorbringen würde.

Und jetzt, Mesut, jetzt dieser magische Abend von Paris. Dieses Raunen der Fans, Deutsche wie Franzosen, wenn Du den Ball berührtest! Dieser Hackentrick in der ersten Hälfte, mit links hinter dem Standbein entlang, oh, ich habe alles genau sehen können von meinem kalten Sitz hoch oben unterm Dach!

Den Ball gelöffelt wie ein Klümpchen Kaviar

Um mich herum jauchzten kaum verhohlen Männer mittleren Alters über Deine Richtungsänderungen, die Körpertäuschungen, die kleinen Demütigungen - mitunter löffelst Du den Ball ja wie ein Klümpchen Kaviar - und dann diese Pässe wie der vor Khediras 2:1, Pässe wie eine straffe Gitarrensaite, nie im Ton vergriffen.

 
 
 
 
 
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