Mental aufgeladenes Trinkwasser in Gelsenkirchen

Schalke und der Wunderguru

Weil es sportlich nicht rund lief, verpflichtete Schalke 04 im Winter 2009 einen Psychologen mit »übernatürlichen« Fähigkeiten. Jetzt wollte der Mann dafür endlich sein Geld haben und zog gegen den Bundesligisten vor Gericht. Karol Herrmann hat den Fall begleitet. Mental aufgeladenes Trinkwasser in Gelsenkirchenimago

Es waren keine schönen Tage für Andreas Müller und Fred Rutten in jenem Winter 2008/09. Schalke 04 war mal wieder mit ernsthaften Titelambitionen in die Saison gestartet. Nun stand man da, im Niemandsland der Tabelle, musste sich ausgerechnet von Ex-Coach Ralf Rangnick und seinen Hoffenheimern aufzeigen lassen, wie man die Liga aufmischt. Dem Verein drohte, den Anschluss an die internationalen Ränge zu verlieren. Ein Desaster. 

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Sowohl Rutten, als auch Müller mussten sich scharfe Kritik gefallen lassen. Bei weiterer Erfolglosigkeit, das war ihnen klar, würden schon bald die üblichen Mechanismen der Branche greifen. Ob sich beide zum Krisengespräch bei dem ein oder anderen Glas Rotwein zu viel verabredeten, ist nicht überliefert, jedenfalls kam man in der Not auf die kuriose Idee, einen kroatischen Psychologen mit offenbar übersinnlichen Fähigkeiten in den Trainerstab zu holen. Was Jasmin Mehmedovic, so sein Name, da genau gemacht hat, ist heute nur noch schwer nachzuvollziehen. Angeblich soll er die Trainer in der gesamten Rückrunde mit Hinweisen über psychologische Schwächen des Gegners versorgt haben. Ferner bekamen die Spieler seine mentale Unterstützung. 

Mental aufgeladenes Trinkwasser

Soweit die Geschichte. Nach mehr als zwei Jahren ist Jasmin Mehmedovic nun wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Mit im Gepäck hat er schwere Vorwürfe: Der Verein schulde ihm noch satte 47.500 Euro für seine geleisteten Dienste. Wie jetzt bekannt wurde, soll er auch das Trinkwasser der Spieler durch mentale Beeinflussung energetisch aufgeladen haben. Ein schlechter Scherz? Nicht für Mehmedovic, die Sache sollte vergangene Woche am Landgericht Essen verhandelt werden. In letzter Minute zog der Kroate jedoch seine Anklage zurück. 

Schalke 04 weigert sich vehement Stellung zu beziehen. »Es handelt sich um einen laufenden Prozess«, vertröstet ein Sprecher des Vereins 11FREUNDE. Folglich bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder legt Mehmedovic mit seinen Forderungen nach und das Verfahren wird bald neu verhandelt oder man hat sich stillschweigend auf eine Lösung geeinigt, ohne ein für beide Seiten lächerliches Gerichtsverfahren zu eröffnen.

Das Wasser brachte keinen Erfolg

Falls es in die zweite Runde geht, dürfen wir gespannt sein, welche Vorwürfe der Guru dann ausgräbt. Das aufgeladene Trinkwasser, nun ja, sollte seine Wirkung indes nicht wie gewünscht entfalten. Es war die einzige Saison der letzten zehn Jahre, in der sich Schalke nicht für das internationale Geschäft qualifizieren konnte. Müller und Rutten wurden übrigens schon im März 2009 beurlaubt.

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