08.07.2013

Menschenhandel mit brasilianischen Fußball-Talenten

Versklavter Nachwuchs

Weltweit wird mit Menschenhandel jährlich ein Umsatz von unfassbaren 32 Millarden Dollar gemacht. In Brasilien vergehen sich die Kriminellen nicht selten an jungen Fußballspielern.

Text:
Robin Hartmann und Pablo López Hurtado
Bild:
Imago

Brasilien hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine erstaunliche Wandlung durchgemacht - vom Entwicklungsland hat man es zu einer der wirtschaftsstärksten Nationen der Welt gebracht. Im nächsten Jahr wird das Land die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten, 2016 finden dann in Rio de Janeiro die Olympischen Spiele statt. Umso schockierender, dass trotz aller Erfolge für Land und Leute immer noch ein Handelszweig prosperiert, den man wohl eher im Mittelalter oder der frühen Neuzeit verorten würde: Menschenhandel ist in Lateinamerikas größtem Staat weiterhin an der Tagesordnung. Und das in kaum vorstellbaren Dimensionen. Mittendrin: der Fußball.

Zehn Milliarden Euro Umsatz allein in Brasilien

Die Behörden scheinen das Problem herunterspielen zu wollen. Laut brasilianischem Justizministerium wurden seit 2005 nur 514 Fälle erfasst, doch eine US-Studie spricht von bis zu mehreren hunderttausend Verschleppten - pro Jahr. Auch die Zahlen der UNO sprechen eine deutliche Sprache: weltweit sind jedes Jahr 2,5 Millionen Menschen direkt oder indirekt vom Menschenhandel betroffen. Kriminelle Organisationen locken ihre Opfer unter falschen Versprechungen und bringen sie so dazu, ihnen zu vetrauen - und verdienen damit jedes Jahr Unsummen an Geld, laut inoffiziellen Schätzungen bis zu zehn Milliarden Euro per annum alleine in Brasilien. Weltweit sollen es der UNO zufolge 32 Milliarden Dollar sein.
 
»Die typischen Opfer sind junge Frauen aus einem instabilen sozialen Hintergrund«, sagt Maricio Santoroso von Amnesty International Brasilien. »Sie stammen häufig vom Land oder aus kleinen Städten. Die Menschenhändler machen ihnen Illusionen von einer gut bezahlten Arbeit im Ausland als Kellnerin, Babysitter oder Hausmädchen, ohne dass sie dafür einen Schulabschluss brauchen würden. Tatsächlich enden diese Mädchen dann aber als Prostituierte.«
 
Doch nicht nur junge Frauen werden zu Opfern des Menschenhandels: Das Problem betrifft auch talentierte Nachwuchsfußballspieler, die von der ganz großen Karriere als Profi träumen. In Brasilien gibt es unzählige zwielichtige Agenten, die diese Jungen ausbeuten und sie wie Sklaven in Länder wie China, Vietnam oder Indien verkaufen. Die Vorgehensweise der Kriminellen ist dabei immer dieselbe: Sobald die Opfer an ihrem ausgemachten Zielort ankommen, werden ihnen sämtliche Dokumente weggenommen, sie werden eingeschüchtert, notfalls mit Gewalt, und rund um die Uhr überwacht. Nicht selten sind auch Drohungen gegen Familienangehörige, sollten die Opfer die Polizei aufsuchen. Die meisten dieser Verbrechen werden deshalb nicht einmal angezeigt, sei es nun aus Angst oder auch aus Scham. Eine 2012 zum Thema im brasilianischen Bundesstaat Pará erhobenen Studie belegt die Existenz ganzer Netzwerke solcher Gangster, die die hoffnungsvollen Jungen mit Knebelverträgen an sich fesseln.

 
 
 
 
 
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