Meine Werder-Tasse und ich

Menetekel im Geschirrregal

Hunderte Spülmaschinengänge hat sie überstanden und noch mehr Wutausbrüche. Nun ist die Werder-Tasse aus der Saison 1996/97 für Redakteur Dirk Gieselmann ein Trost: Egal was ist – es könnte noch beschissener sein. Meine Werder-Tasse und ich

Mein Gott, wie oft wollte ich meine Werder-Tasse wegwerfen! Ein Mannschaftsbild von 1996/97 ist darauf gedruckt, von Hunderten Spülmaschinengängen verblichen. Heiko Scholz, Andree Wiedener, Hansi Gundelach – kein Licht aus der Rehhagel-Ära fällt mehr auf diese Männer. Ihnen steht ins Gesicht geschrieben: »Wir werden Achter.« Und so kam es, trotz oder wegen Trainer Dixie Dörner. Heimo Pfeifenberger! Der ewige Schuuuuuulz! Späthippie Christian Brand, der in der »reusch«-Tasche zu seinen Füßen eine Ukulele versteckt. Und wer zur Hölle ist Lars Unger?

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Missmutig trank ich erst Kaba und später Kaffee aus dieser Tasse, schweifte mein Blick durch die trümmerhaften Reihen. An so manchem Sonntagmorgen nach peinlichsten Heimniederlagen gegen den geringsten Niemand der Liga wollte ich das Ding entzwei brechen und meinem Onkel zurückschicken, der es mir als Verlegenheitsgeschenk aufs Auge gedrückt hatte. »Da! Will ich nicht mehr! Kannste wiederhaben!« 

Doch spätestens als Dörner und dann auch Magath überstanden waren und 1999 Thomas Schaaf kam, den Verein vor dem Abstieg bewahrte und zum Pokalsieg gegen Bayern München führte, war meine Zerstörungswut abgeklungen. Und mehr noch: Die Tasse, sie wurde in der Zeit, die nun kommen sollte, zum Menetekel im Geschirrregal. Als Werder gegen Pasching verlor, betrachtete ich sie und wusste: Es könnte schlimmer sein. Doch auch als 2004 das Double gelang, trank ich aus ihr und sinnierte: Gedenke, dass Du sterblich bist.

In Zeiten nun wie diesen, geschlaucht von einer Saison, in der Werder die Bayern mit 5:2 geschlagen hat, aber nicht in der Lage ist, Bielefeld zu besiegen, bin ich richtig froh über meine Tasse. Sie spendet mir Trost, sie gibt mir Kraft. Pfeifenberger, Schuuuuuulz und Gundelach raunen mir zu: »Es wird bessere Zeiten geben – oder noch schlechtere.«

Was sie mir damit sagen wollen: Nimm es nicht so schwer, Junge. Trink erst mal eine Tasse Kaffee.

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