Meine Lieblingsrandsportart (6): Ostfriesensport

Ostfriesischer Triathlon

Wenn wir die Straße nicht reinholen, müssen wir rausgehen. Wenn es weihnachtet, wird Tim Jürgens (Symbolbild) in seiner alten Heimat Jahr für Jahr aufs Neue mit einem besonderen Mehrkampf konfrontiert.

imago

Schöne Schnapsidee für’s Winterloch. 11FREUNDE-Redakteure täuschen Interesse für Taschenbillard und Teebeutelweitwurf vor, damit die virtuellen Seiten nicht weiß bleiben. Okay, mag ja sein, dass der ein oder andere Kollege um den Jahreswechsel tatsächlich bräsig vom Sofa den Schneeadlern beim Fliegen oder den Biermonstern beim Pfeilwerfen zugeschaut hat. Mir aber reicht’s erst mal, wenn vor Heiligabend der letzte Spieltag durch ist. Fußball ist so allgegenwärtig, dass sich in den wenigen Tagen, an denen nichts passiert, mein Bestreben in Grenzen hält, mein Fachwissen beim Snooker, Schach oder Wrestling aufzubessern. Kurz vor Weihnachten setze ich mich ins Auto, fahre ins ferne Ostfriesland, denke an Gänsebraten und Rumtopf und nicht an Kempatrick oder dreifache Rittberger.

Wozu auch? Das Leben in der alten Heimat hält genug interessante Sportarten bereit, für die ich nicht mal den Fernseher anstellen muss. Wikipedia zufolge haben schon 150 000 Menschen das »Ostfriesenabitur« abgelegt, für das Prüflinge unter anderem Fertigkeiten im Boßeln, Bessensmieten (Weitwurf mit Besen), Kuhmelken und Padstockspringen (per Stock einen Graben überspringen) nachweisen. Dieses Examen ist allerdings eher Touristen in den Sommermonaten vorbehalten. Der Mehrkampf, in dem sich regelmäßig Einheimische und heimkehrende Exil-Ostfriesen messen, findet in der Adventszeit statt. Ein seltsamer Wettbewerb, der Zuschauer mindestens so in seinen Bann zieht, wie die Couchpotatoes der Flug des Severin Freund bei der Vierschanzentournee.

Die Disziplinen in chronologischer Reihenfolge:

1.  Heizen
Wer hinter Oldenburg auf die A28 abbiegt, hat das Gefühl, hier sei die Welt zu Ende. Der Kraftfahrer fühlt sich schlagartig wie am autofreien Sonntag während der Ölkrise. Volkswagen nutzt die Straße gern für Testfahrten, denn hier kann der Autofreak so richtig auf die Tube drücken. Einen Stau hat diese Autobahn noch nie erlebt. Wer nach dem dritten Advent im Chris-Rea-Modus auf der rechten Spur bei 110 Sachen gen Heimat juckelt, sollte aber vorsichtig sein. Relaxtes Cruisen untermalt von »Driving Home for Christmas« nimmt der Einheimische nach Einbruch der Dunkelheit auf der Höhe von Bad Zwischenahn nur noch als Verkehrshindernis wahr. Dann schießen sie an den Auffahrten hoch, die Rennfahrer in ihren Ford Siesta Cabrios und tiefergelegten Golfs. In dieser Gegend hat man nicht vergessen: Erst bei Regen und Wind zeigt sich die wahre Qualität des Piloten.

Der Parcour ist simpel. In Bad Zwischenahn auf die Bahn und dann gib ihm. Wer zuerst in Filsum abfährt – an der imaginären Grenze zu Ostfriesland –, hat gewonnen. Die Regeln sind klar: 1. Wer bremst verliert. 2. Wer verliert, zahlt die Runde. 3. Regeln? Es gibt keine Regeln. Die Konsequenz: Ist kein Schutzmann in Sicht, wird der Heimkehrer in der Familienkutsche selbst bei Windstärke sieben von den Bleifüßlern noch auf der Standspur überholt, weil dem Konkurrenten auf der Überholspur nicht beizukommen ist. Und tschüss!

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!