Meine Lieblingsfrisur – Norbert Dronia

Der Wald

In unserer neuen »Lieblingsserie« stellen 11FREUNDE-Redakteure Fußballfrisuren vor, die sie tief bewegt haben. Heute schwärmt Benjamin Kuhlhoff von der wilden Mähne von Bielefeld-Verteidiger Norbert Dronia.

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Eins direkt vorweg: Ich kenne Norbert Dronia nicht. Ich habe ihn niemals spielen sehen. Ich weiß nicht, ob er ein blutrünstiger Treter oder ein genialer Spieleröffner war. Ich kenne seine Spielerbiographie allenfalls rudimentär. Innenverteidiger, MSV Duisburg, Arminia Bielefeld. Durchschnittskarriere. Danke, Wikipedia. Eigentlich könnte mir Norbert Dronia also ziemlich egal sein. Ist er aber nicht, denn ich verehre ihn. Besser gesagt: Ich verehre sein Haar.

Meine heimliche Leidenschaft für Frisuren außerhalb der Norm habe ich einst selbst exzessiv gelebt. In der Hochphase der Pubertät etwa war ich der Meinung, dass eine waschechte Rebellion gegen mein Lebensumfeld nur mit dem ausufernden Färben meiner Haare einhergehen kann. Und so überraschte ich die Dorfgemeinde im Wochenrhythmus mit neuen Farben. Giftgrün, knallrot, grellgelb, binnen Monaten ließ ich die gesamte Farbpalette einer Staffel »Miami Vice« meine Keratin-Vorräte ruinieren. Trauriger Tiefpunkt war mein eigener Abschlussball in der neunten Klasse. Stunden vor Beginn dieses ohnehin tristen Tanzkursfinales färbte ich mir die Haare Königsblau. Doch damit nicht genug.

Chanel No. 5 tropfte aus den Halsschlagadern

Da meine Eltern an diesem Tag etwas zu spät zur Tanzveranstaltung kamen, konnten sie nur noch einen Platz am Tisch von ebenso wohlhabenden, wie ihnen völlig unbekannten Ärzte- und Kommunalpolitikerehepaaren ergattern. Goldbehangen und taftfrisiert verbrachte die Kleinstadt-High-Society ihren Abend in weiten Teilen damit, über meine neue Haarfarbe zu lästern. Sätze wie »Als Mutter würde ich mich für diesen Jungen schämen« oder »Was ist da in der Erziehung falsch gelaufen« gehörten noch zu den sanfteren Tönen. Noch heute erzählen meine Eltern mit leuchtenden Augen von jenem Moment, in dem den edlen Herren und Damen vor Scham fast das Chanel No.5 aus den Halsschlagader getropft wäre, als ich meine Mutter zum Tanz an jenem Tisch abholte.

Ich trug im Verlauf meiner Adoleszenz die Haare verstörend kurz, verstörend lang, verstörend gegelt und verstörend ungewaschen. Einmal habe ich sogar versucht mir unter Einsatz von tonnenweise Kernseife einen Afro zu rubbeln. Darüber möchte ich aber nicht weiter sprechen, deswegen mache ich es kurz: Beim Thema Frisuren war ich stets auch Gefahrensucher.

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