Meine Lieblingsfrisur: Michael Nushöhr

Die Kante

In unserer Serie »Meine Lieblingsfrisur« erinnert Christoph Biermann heute an Michael Nushöhr. Doch nicht allein das Haar des Innenverteidigers faszinierte den Kollegen, vor allem das Gesamtkunstwerk Nushöhr lässt ihn ins Schwärmen geraten.

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Nichts Auffälliges ist an dieser Frisur, die in ihrer Nichtfrisurhaftigkeit in Kombination mit ungestaltetem Haarbewuchs unter der Nase in keiner bundesdeutschen Fußgängerzone der achtziger Jahre aufgefallen wäre.

Es überzeugt: die physiognomische Gesamterscheinung

Im Gegenteil, dieses forcierte Antistyling hätte angesichts flächendeckender Verbreitung sogar als perfekte Tarnung funktioniert. Ihre Wucht bekommt die Sache eher durch die physiognomische Gesamterscheinung, als Mahnmal der Knorrigkeit. Jahrelang habe ich andachtsvoll eine Stadionzeitung des 1.FC Saarbrücken aufbewahrt, deren Titelbild Michael Nushöhr zierte, als er dort spielte. What a man! Und natürlich sieht man auf den ersten Blick, welche Position Nushöhr im Laufe seiner Karriere in Stuttgart, Saarbrücken und Kaiserslautern bekleidete.

Hier schaut einen kein sensibler Mittelfeldkünstler, kein überdrehter Flügelflitzer und keine hochdrehende Tormaschine an, sondern ein kreuzsolider Innenverteidiger. Und das nicht in irgendwelchen modernistisch polyvalenten Ausdeutungen, sondern knallhart defensiv und immer eng am Mann. Woran sich umweglos die Frage anschließt: Warum gibt es heute eigentlich solche Spieler nicht mehr? Also Profis, die Fußball mit der Haltung eines maulfaulen Automechanikers spielen und wie echte Männer aussehen.

Die Großwesire des verkanteten Gesichts

Auf dieser Autogrammkarte ist Nushöhr 23 oder 24 Jahre alt, würde aber problemlos als Mittdreißiger durchgehen. Während man sich bei den ganzen 19-jährigen Supertalenten, die heutzutage in der Bundesliga spielen, die Frage stellt, ob sie sich schon in fünf oder doch erst in sieben Jahren zum ersten Mal rasieren müssen. Viele Fußballfans beklagen, dass es auf den Plätzen keine Typen mit Ecken und Kanten mehr gibt, was leider oft nur meint, dass Leute lauthals dummes Zeug erzählen und sich auch noch für kontrovers halten.

Wirklich zu beklagen ist aber das Verschwinden von Männern , bei denen die Ecken und Kanten schon im Gesicht zu beschauen gab: Jiri Nemec, Joachim Hopp, Jens Todt und der Großwesir des verkanteten Gesichts: Trifon Ivanov. Praktisch waren ihre ausdrucksstarken Gesichter für sie auch: Um die Gegner zu erschrecken, brauchten sie keinen Frisör, ein Blick genügte.

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