Meine Lieblingsfrisur – Günter Keute

Die Welle

Günter Keute sah aus wie ein Achtziger-Jahre-Traumschiff-Kapitän, der in den Neunziger Jahren zum Autoscooter-Betreiber wurde. Andreas Bock hat sich ein bisschen in ihn verliebt.

imago

Die 11FREUNDE-Lieblingsserien lassen Träume platzen. Seit etwa zwei Jahren warte ich auf den Tag, an dem der Initiator den Start der Serie »Mein Lieblingsspieler, der aussieht wie eine bekannte Filmfigur« verkündet. Stattdessen musste ich an dieser Stelle über mein Lieblingsspiel, meinen Lieblingstrainer oder mein Lieblingstor schreiben.
 
Und weil ich glaube, dass die gewünschte Filmfigur-Serie auch in Zukunft partout nicht gewollt wird, verweise ich an dieser Stelle auf den Spieler, den ich gewählt hätte: Es ist Werner Schneider vom MSV Duisburg.
 
Der Allrounder spielte zwischen 1971 und 1983 für Duisburg, Dortmund Hertha außer im Tor auf jeder Position. Und ich bin mir sicher, wenn Marty McFly ins Jahr 1974 gereist wäre, hätte er nicht Biff Tannen, sondern Werner Schneider getroffen.


Wie auch immer: Die aktuelle Serie heißt »Meine Lieblingsfrisur«, und weil Schneiders Frisur echt nicht sonderlich spektakulär ist, muss seine Geschichte unerzählt bleiben.

Meine Lieblingsfrisur trägt nämlich Günter Keute. Bei keinem Spieler faszinierte mich so sehr das harmonische Miteinander von Bart, Adamsapfel und Haupthaar. Ein ehemaliger Fußballer, der aussieht wie ein Achtziger-Jahre-Traumschiff-Kapitän (Haare), der sich in den neunziger Jahren als »Junger Mann zum Mitreisen gesucht« einer Kirmes anschloss und es dort bis zum Autoscooter-Betreiber (Bart) brachte. Florian Silbereisen trifft Lemmy Kilmister.

Zudem gefällt mir außerordentlich, dass sich Keute sehr geheimnisvoll gibt. Über Wikipedia erfährt man neben der obligatorischen Statistik (113 Spiele für Eintracht Braunschweig, 21 Tore) nur, dass Günter Keute zurzeit in Arnsberg-Voßwinkel lebt und gelernter Maler und Lackierer ist. Außerdem steht dort der Satz: »Seine Ehefrau heißt Renate.«


 
Wenn man für einen »Tatort« die Rollenbeschreibung eines grundehrlichen Arbeiters entwirft, muss sich das genau so lesen: Name: Günter Keute; Optik: Wellen-Fönfrisur, Wallrossbart; Beruf: Maler und Lackierer; Frau: Renate; wohnhaft in einer Doppelhaushälfte in Arnsberg-Voßwinkel. Mögliche Accessoires/Extras: Goldkette, lilafarbene Blouson-Trainingsjacke, weiße Cowboystiefel.
 
Das finde ich großartig.
 
Was man natürlich nicht vergessen darf: Günter Keute war einer der besten Joker der Bundesligageschichte. Am 30. Mai 1981 machte er in einem Spiel gegen Rot-Weiss Essen mit seiner ersten Ballberührung ein Tor. Er war immer sofort da. Trotz oder weil er sich vor seinen Einwechslungen stets ein »Feldschlösschen« genehmigte. So will es jedenfalls die Legende. 
 
In einem Interview mit wirsindeintracht.de hat er übrigens mal erzählt, dass er damals all seine Tore auf Video aufgenommen hatte. Doch eines Tages waren sie weg. Wie das geschehen konnte? »Leider hat meine Frau die wichtigsten Szenen überspult.« Und mit ihnen auch die wehenden Haare und den Schnauz im Braunschweiger Wind. Ach, Renate!

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!