Mein Moment des Jahres (8)

Der ist drin!

Drei Jahre lang mussten wir uns fragen, warum Marcel Risse in Köln eigentlich immer die Freistöße schießt. Endlich haben wir eine Antwort darauf.

imago

Warum schießt Risse eigentlich immer die Freistöße? 

Seitdem der unermüdliche Blondschopf in Köln die Linie rauf und runter rennt, stellt sich der FC-Fan diese leidige Frage. Legendär, wie sich Risse im Saisonabschlussvideo 2016 als Telefon-Prakti der Geschäftsstelle auf die Schippe nimmt, indem er sich dieselbe Frage stellt. 

In der 91. Minute des Rheinderbys, es steht 1:1, bekommt der FC jenen Freistoß im Halbfeld, über 30 Meter vor dem Tor, der die Antwort endgültig liefern sollte. Yann Sommer hat unser DFB-Pokalspiel gegen Hoffenheim wohl nicht gesehen, als Risse aus identischer Position den Ausgleich schoss. In all seiner Naivität stellt  Gladbachs Keeper dem drohenden Unheil nämlich nur zwei Leute entgegen. Aber wer will es ihm verübeln? Immerhin einer mehr als zuvor Oliver Baumann im Tor der Kraichgauer. Und ganz ehrlich, keiner glaubt wirklich daran, dass Risse noch einmal so ausrutscht wie vor ein paar Wochen. 

Ich hatte Recht!

Risse läuft los, Salih Özcan tippt die Kugel kurz an. Ich starre auf den Fernseher an der Wand und mache es wie ich es immer mache, wenn ein Torschuss aus aussichtloser Position abgegeben wird. »Der ist drin!«, brülle ich wie ein Berserker, direkt nachdem der Ball Risses Fuß verlassen hat. Ich spüre das Augenrollen meines hinter mir stehenden Bruders im Rücken, der diesen saudämlichen Spruch zum tausendsten Mal hören muss. 0,8 Sekunden später hängen unsere Kinnladen kurz vor der vibrierenden Bierpfütze auf dem Fußboden unserer FC-Stammkneipe im Kölner Thekenveedel.

Der Ball ist wirklich drin. Ich hatte Recht! Er ist drin!! Nie zuvor hat dieser unkomische Schwachsinnsspruch funktioniert. Scheißegal. Dieses eine Tor rehabilitiert ihn und mich und Risse für die tausend Male zuvor, als der Ball von der Eckfahne gestoppt oder kurz hinter der 16-Meter-Linie vom Torwart aufgenommen wurde und den nächsten Konter des Gegner einleitete. 

Risse geht, die Bar johlt

Dieses Mal war alles anders. Die Macht war mit mir. ICH habe diesen Ball ins Tor gebrüllt! Wie ein Berserker. Ich setze mein Glück auf die Probe. »Schiiirii SCHLUUUSS«, brülle ich mit schriller Stimme und letzter Kraft. So hat es mein Jugendtrainer schon gemacht, um die dreckige Führung nach 90 minütigen Kampf auf knöcheltiefer Asche ins Ziel zu bringen. Hat damals schon nicht geklappt. Auch dieses Mal nicht, was meinen kurzen Moment der Allmacht jäh beendet. 

Stöger wechselt noch einmal. Risse geht. Die Bar johlt. Ein letztes Aufbäumen der Gladbacher bleibt aus, kurze Zeit später ist das Spiel beendet. Der erste Sieg gegen den Rivalen vom Niederrhein seit acht Jahren ist perfekt. 

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