20.01.2013

Mein Lieblingstransfer: Mesut Özil

Vokuhila und Bierdusche

In unserer Serie »Mein Lieblingstransfer« erzählen 11FREUNDE-Mitarbeiter von, richtig, ihren Lieblingstransfers. Heute: Wie Mesut Özil nach Bremen wechselte und sich vor den Augen von Werder-Fan Gareth Joswig von einem kleinen Dribbler zum Weltstar verwandelte.

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Es gibt Frisuren, die sind zeitlos, nun ja, nicht schön. Die Frisur von Mesut Özil anno 2006 ist eine davon: Er trug einen zottelig geschnittenen Vokuhila mit blonden Strähnchen. Der junge Schalker war eine Augenweide für all diejenigen, die sich schon leidenschaftlich über die Paninibilder von Ralf Falkenmayer freuen konnten. Auf den zweiten Blick verbot sich jedoch jegliche Lächerlichkeit: Der Junge konnte was. Wenn er am Ball war, vermittelte er das genaue Gegenteil von dem, was seine lasche Körperhaltung und die hängenden Schultern in den Himmel zu schreien schienen. Er spielte Bälle millimetergenau auf den richtigen Fuß des Mitspielers, war pfeilschnell und technisch überaus versiert. Er wirkte wie der geborene Dribbler in einem Riesenslalom aus hüftsteifen Bundesligarecken. Man sah einen 18-Jährigen, der seine Jugend damit zugebracht hatte, in Gelsenkirchener Käfigen Gegenspieler nass zu machen. »Notiz an mich selbst,« schrieb ich in Gedanken, »Mesut Özil im Auge behalten.«

»Blonde Strähnchen? Lächerlich!«

Und tatsächlich: Das junge Talent bekam immer mehr Spielzeit bei Schalke 04, tunnelte sich durch die halbe Liga und spielte Althauern wie Carsten Ramelow Knoten in die Beine. Trotzdem stand das Verhältnis zwischen der  Schalker Vereinsführung und dem Ruhrpottkind unter keinem guten Stern: Manager Andreas Müller wollte den auslaufenden Vertrag mit dem jungen Talent zwar verlängern, Özil forderte aus Schalker Sicht jedoch zu viel Geld. Schließlich hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal einen Treffer in der Bundesliga erzielt. Getreu dem Malochergrundsatz des Klubs solle er erst konstante Leistungen zeigen, bevor er einen hochdotierten Vertrag erhielt – erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Kurzum: Özils Vertrag wurde nicht verlängert.

Als Werder-Manager Klaus Allofs das hörte, muss er Spalier gestanden haben vor der Schalker Geschäftszentrale. Nicht verlängert mit Mesut Özil, wie konnte das möglich sein? Allofs lachte sich ins Fäustchen und schlug zu. Mesut Özil wechselte am »Transfer-Deadline-Day«, dem 31. Januar 2008, zu meinem Lieblingsverein Werder Bremen. Allofs und ich freuten uns einen Keks. Als ich meine Freude über diesen Coup mit einem befreundeten Dortmund-Fan teilte, lachte dieser mich aus: »Mesut Özil? Lächerlich! Ist das nicht dieses schüchterne Kind mit blonden Strähnchen? Viel Spaß mit dem!« Özil selbst gab ihm die Antwort: Er ließ sich eine windschnittige Kurzhaarfrisur schneiden, spielte sich in Werders Startelf und zauberte fortan im Weserstadion. Sein erster Bundesligatreffer ließ nicht lange auf sich warten, von seinen Teamkollegen bekam er bald den Spitznamen »Messi« verpasst. Als ich meinen Kumpel ein halbes Jahr später auf den geglückten Transfer hinwies, wollte der sich nicht mehr an seine ausfallende Kritik erinnern. Bezeichnend.

Bezeichnend auch, wie Özil bei Bremen in der Saison 2008/2009 weitermachte: In der Bundesliga schlug er fast im Alleingang den FC Bayern München (Endergebnis: 5:2, Özil glänzte mit zwei Vorlagen und einem Treffer) und in der Woche darauf zeigte er Rekordaufsteiger TSG Hoffenheim, wie sich Niederlagen anfühlen (Endergebnis: 5:4, Özil machte das 1:0 und das 5:4). Ich traute kaum meinen Augen, als Özil Gewaltschüsse von der Strafraumkante in den kurzen Winkel kloppte. Jedes Wochenende konnte ich mich fortan daran erfreuen, dass diese junge Traumpassmaschine, die als wandelnder Stilbruch begann, nun für meinen Verein an der Seite von Diego und Pizarro für die Defensivreihen der Liga den Schwindel neu erfand. Allofs und Schaaf hatten es wieder einmal geschafft: Nach Micoud und Diego hatten sie mit Özil erneut einen großen Zehner aus dem Hut gezaubert. Dieses Mal allerdings mit Ansage.

 
 
 
 
 
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