Mein Lieblingstransfer: Kevin Keegan

Sendung mit der Mouse

Hier kommt die Mouse: Das wertvollste Paket, das der HSV je aus England erhielt hieß Kevin Keegan. Seinen Lieblingstransfer erlebte Tim Jürgens schon im Kindesalter. Denn je älter er wurde, desto desaströser wurde die Einkaufspolitik seines Klubs.

Nicht, dass ich mich beklagen will. Aber es gibt schon Fragen, die sehr schwer zu beantworten sind. Die nach dem »Lieblingstransfer« gehört zu den schwersten überhaupt. Dazu muss man wissen, dass ich in den Siebzigern in Ostfriesland aufwuchs. Große Emotionen, den Glauben an eine bessere Welt und daran, dass es am Ende doch immer gut ausgeht, egal, was man dazu beiträgt,  bekommt man dort nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Im Gegenteil. Der Ostfriese glaubt nur das, was er sieht. Und ich bin bis heute überzeugt, dass dies auch gut und richtig so ist.
 


So viele Enttäuschungen: Wuttke, Ailton, Dahlin, Beckenbauer...

Darin bestärkt mich meine langjährige Sympathie zum HSV, der es wie kaum ein Bundesligaklub schafft, mit seiner Personalpolitik Hoffnungen zu schüren und binnen Rekordzeit wieder zu enttäuschen. Ein paar Namen gefällig? Sergio Zarate, Wolfram Wuttke, Ailton, Martin Dahlin, Pawel Wojtala, Franz Beckenbauer, Boubacar Sanogo. Die Rückholaktion von Jörg Albertz. Am Ende sogar die von Raffael Van Der Vaart? Ihr wisst, was ich meine.


Das Gefühl, dass eine Neuverpflichtung den Puls höher schlagen lässt, Meistertitel und Europacupfinals gedanklich in greifbare Nähe rücken – ich kenne es nicht. Die Erinnerungen daran sind verschüttet. Als Fußballfan bin ich abgestumpft. Jede stärkere Gefühlsregung, wenn ich, sagen wir, von der Verpflichtung eines Martin Zafirov oder eines Marcus Berg höre, würde bedeuten, sehenden Auges in eine von einem Schlagring umflorte Faust zu rennen. 



Und so liegt die letzte euphorische Sommerpause, die ich erlebte, weit zurück in meiner Kindheit. Wenn am Sonntagabend in der »Sportschau« eine 90-sekündige Zusammenfassung aus der First Division lief, die Keeper ohne Handschuhe, die knallengen Stadien, die marodierenden Fans auf den Rängen, fühlte es sich an, als würde ich das erste Mal Punkrock hören. Und der größte Star im roten Trikot des FC Liverpool, der Kapitän der englischen Nationalelf, und Träger der legendärsten Lockenkrause im europäischen Fußball, hieß wie sonst nur Detektive in düsteren Hafenstadtkrimis heißen: Kevin Keegan. Und der wechselte 1977 für unfassbare 2,3 Millionen Mark zum Hamburger SV.

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