25.12.2013

Mein Lieblingsmoment 2013: Das CL-Finale

Lost in Odessa

In unserer Reihe »Mein Liebingsmoment 2013« erzählt 11FREUNDE-Redakteur Andreas Bock vom wichtigsten Fußballspiel des Jahres 2013. Das Dumme daran: Er hat es nie gesehen. Eigentlich ist das ein Grund zur Trauer. Oder nicht?

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Dmitri Kostiukow + Imago

Es gibt Spiele, die darf man als Fußballfan nicht verpassen. Ein WM-Halbfinale zum Beispiel. Oder ein Champions-League-Finale. Ich habe beides geschafft, und das ist eigentlich sehr traurig.
 
Während des EM-Halbfinales 2012 zwischen Italien und Deutschland befand ich mich in einem ukrainischen Zug, der mich von Donezk nach Kiew brachte und in dem es weder Internet noch Fernseher gab. Ich fragte damals einen Bahnmitarbeiter, ob es nicht möglich sei, irgendwas daran zu ändern, doch er schüttelte nur den Kopf. Das Ergebnis, 0:2, erfuhr ich erst auf dem Bahngleis in Kiew. 
 
2013 sollte mir so etwas nicht noch einmal passieren, schwor ich. Doch es kam noch schlimmer. Wieder war die Ukraine Schuld. Wieder die verdammte Technik.

Unterwegs nach Odessa
 
Im April 2013 bekam ich den Auftrag, für eine Geschichte von Kiew nach Odessa zu reisen. Es ging um Fans von Arsenal Kiew, genauer: um die einzige Ultragruppe der Ukraine, die sich offen links zeigt und für die Auswärtsfahrten höchst gefährliche Trips sind (die Geschichte ist erschienen in Heft #140). Sie müssen ständig auf der Hut sein, vor rivalisierenden Ultras und vor den rechten Hooligans der anderen Klubs. Ich wollte die linken Ultras zu einem Auswärtsspiel nach Odessa begleiten, dort wo der Capo dem verstorbenen Sänger der Rechtsrock-Band »Skrewdriver« huldigt oder Shirts mit dem Aufdruck »88« trägt.
 
Es klang spannend, nach einem großen Abenteuer im wilden Osten, also buchte ich noch Ende April den Flug und das Hotel. Dummerweise vergaß ich das Datum genauer anzusehen, denn die Reise sollte um den 25. Mai herum stattfinden – also an dem Wochenende, wo auch das Champions-League-Finale ausgetragen wurde.

Wo kann man das Spiel sehen?
 
Na gut, dachte ich, FC Bayern scheidet vielleicht gegen Barcelona aus, Borussia Dortmund gegen Real Madrid. Ein paar Tage später dachte ich: Na gut, vielleicht gibt es ja auch in der Ukraine die Chance das Spiel zu sehen.
 
Am Freitag, den 24. Mai traf ich meinen Kontaktmann in einem Vorort von Kiew. Wir unterhielten uns über die Reise, und er erklärte mir, dass die Gruppe am Samstag um 14 Uhr losfahren würde. Ankunft in Odessa sei gegen 23.30 Uhr. Ich sagte, dass wir so das Champions-League-Finale verpassen würden. Er nickte. Er lachte. Er gab mir einen Keks und sagte dann: »Tschüss, bis morgen um 14 Uhr!«

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