Mein Lieblingseuropapokalspiel: Werder vs. Parma 2000

Und dann kam Schierenbeck

Man mag es kaum glauben, aber unser Autor Alex Raack ist in einem fußballfremden Haushalt aufgewachsen. Die spektakuläre Aufholjagd von Werder Bremen im UEFA-Cup 2000 gegen den AC Parma erlebte er deshalb im Exil des väterlichen Arbeitszimmers. Es war der schönste Fernsehabend seines Lebens.

Vorab: Ich bin in einer Familie groß geworden, in der Fußball nur deshalb eine Rolle gespielt hat, weil ich selbst gegen den Ball getreten habe. Meine Eltern kamen zu meinen Spielen und wenn bei Hallenturnieren mal wieder ein väterlicher Kombi oder ein mütterlicher Kuchen gebraucht wurde, waren meine Erzeuger immer an vorderster Front mit dabei. Aber den Klassiker – eingefleischter Fußball-Papa eicht den Sohnemann mit seinem Enthusiasmus für Verein xy – gab es im Hause Raack nicht. Ein letztes Beispiel für das schon beinahe beeindruckende Fußball-Desinteresse meines Vaters gefällig? Nun, wer klingelte in der 30. Minute des EM-Endspiels 2012 auf meinem Handy durch, um »sich mal wieder zu melden«? Mein alter Herr.

Natürlich, Welt- und Europameisterschaften wurden früher auch bei uns gemeinsam geschaut, ebenso Wimbledon-Nachmittage mit Boris Becker. Ich hockte dann, lediglich von schnellen Pinkelpausen unterbrochen, von Anfang bis Ende standhaft vor der Glotze, während mir meine Familienmitglieder in unregelmäßigen Abständen Gesellschaft leisteten. Selbst mein Vater. Ich erinnere mich zum Beispiel noch ziemlich gut daran, wie wir gemeinsam den erfolgreichen Sololauf eines jungen Engländers namens Michael Owen im WM-Sommer 1998 gegen Argentinien bestaunten und mein Vater anschließend anerkennend raunte: »Das war aber ein dolles Ding!«

Fernseh-Modell: wird nicht mehr gebaut

Doch für solch schnöde Geschichten wie ein Achtelfinal-Rückspiel im UEFA-Cup ließ sich nun wirklich niemand aus meiner Sippe erwärmen. Um mir am 9. März 2000 die Aufholjagd von Werder Bremen gegen den AC Parma zu geben, musste ich schon mit der Glotze in Vadderns Arbeitszimmer vorlieb nehmen. Modell: wird nicht mehr gebaut, geradeso Farbfernsehen. Kaum größer als unser Toaster.

Während also meine Geschwister im Wohnzimmer auf unserem gemütlichen Sofa lümmelten und sich  von »Asterix erobert Rom« oder »Das Krokodil und sein Nilpferd« berieseln ließen, saß ich, mit Käsebroten bewaffnet, auf dem ungemütlichen Sofa im Nebenraum. Werder hatte das Hinspiel gegen Parma mit 0:1 verloren. Die Hoffnung aufs Viertelfinale hatte ich längst aufgegeben.

Dazu eine Rechtfertigung. Ich bin Jahrgang 1983. Im März 2000 war ich 16 Jahre alt. Seit etwa zwei Jahren fuhr ich unregelmäßig ins Weserstadion. Die großen Rehhagel-Zeiten kannte ich nur vom Hörensagen. Meine Werder-Realität bestand aus Namen wie Dixie Dörner, Felix Magath, Mike Barten, Rade Bogdanovic oder Juri Maximov. Von der Sexyness der frühen Nuller-Jahre war Werder Bremen im Frühjahr 2000 noch so weit entfernt wie Willi Lemke von einer Afro-Frisur.

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