Mein Lieblingseuropapokalspiel: Manchester United – FC Barcelona 2011

Ficken statt fummeln

In der letzten Zeit ist es etwas in Mode gekommen, aus Penetrationsgründen und anderen Misshelligkeiten über die Spielweise des FC Barcelona zu maulen. Zeit für Christoph Biermann an einen besonderen Moment der katalanischen Großmeister zu erinnern.

Ehrlich gesagt mochte ich schon das alte Wembley-Stadion nicht, das bekanntlich nie alt, sondern angeblich immer altehrwürdig gewesen ist. Was allerdings nichts daran änderte, dass man dort nicht nur sehr weit vom Spielfeld weg war, sondern mit etwas Pech auch einen Tribünenpfeiler vor der Nase hatte. Dann half auch die Aura von dutzenden englischer Cup-Finals und einem WM-Endspiel nicht, in dem ein Tor den Namen des Stadions bekam. Zumal auf den billigeren Plätzen die Sitzreihen noch enger zusammengerückt waren als es manche Folter-Airlines heutzutage in ihren Flugzeugen versuchen. Heute sind solche Unbequemlichkeiten in Wembley kein Problem mehr. Man kann ohne Angst vor absterbenden Beinen kommen und wunderbar von allen Plätzen sehen. Dafür ist angesichts eines Stadions-wie-alle jedoch die Aura dahin, da hilft auch der gigantische Henkel über dem Stadion nicht.

Ein Finale unter Laborbedingungen

Insofern fand das Finale der Champions League 2011 quasi unter Laborbedingungen statt. Kein altes Gemäuer sorgte für Grundbeeindrucktsein, sondern ein neues für weitgehend klinische Atmosphäre. Wobei London natürlich Manchester United einen gewissen Heimvorteil gab, und die Minderheit der Fans aus Spanien waren, die ja immer mit kleinen Rucksäcken unterwegs sind und eher wie Austauschstudenten als wie Fußballfans wirken. Aber das nur am Rande.

Nun war es schon im Mai 2011 keine brandneue Erkenntnis, dass der FC Barcelona wahrscheinlich die beste Fußballmannschaft ist, die es jemals gegeben hat und Lionel Messi der beste Spieler aller Zeiten. Bereits zwei Jahre zuvor hatte dieses Barcelona in Rom das Finale der Champions League gegen Manchester United gewonnen und Messi dabei irrwitziger Weise sogar ein Kopfballtor erzielt. (Die Gewinner von 2006 übrigens hatten personell und stilistisch noch wenig mit ihren Nachfolgern gemeinsam.) Vor zwei Jahren gab es auch noch keine Kritik an der Spielweise des FC Barcelona, oder zumindest traute sich niemand, sie laut zu formulieren.

Heute ist das anders, wie wir spätestens dank Wolfram Eilenberger wissen. Der ist Fußballfan, Chefredakteur des »Philosophie Magazin« und brachte es vor einigen Wochen mit seiner These von der Feminisierung des Fußballs durch Guardiola und den FC Barcelona als »Denk-Doktor« sogar bis zu »Bild«-Schlagzeilen. »Bayern spielt mit Pep weiblicher«, hieß es da.  In seinem ursprünglichen Beitrag war das natürlich etwas differenzierter formuliert. Das Spiel des FC Barcelona sei von »geschlechtstheoretisch klassisch ›männlichen‹ Attributen wie Physis, Aggressivität, Egoismus und Rang« gereinigt und ersetzt »durch klassisch ›weiblich‹ codierte Leitwerte wie Kommunikation, Kollektivität und Kreativität«. Verkörpert würde das von drei Spielern, zu denen Eilenberger anmerkte, dass »deren leibliche Anmutung als eher androgyn zu bezeichnen bleibt: Xavi, Iniesta und Messi«.

Das war aber nicht nur eine Beschreibung, sondern eine Beschwerde, denn für Eilenberger ging mit dem endlosen Tiki-Taka eine »nur noch pathologisch zu nennenden Penetrationsverweigerung einher«. Seiner Ansicht nach war das »ein permanentes Vorspielen ohne erkennbares Abschlussverlangen«, und das passte ihm nicht. Aber das Missfallen war nicht einfach eine Geschmacksfrage, denn so gingen »die distinkt männlichen Schönheiten des Fußballs« verloren und drohe die »totale Feminisierung«. Wenn immer nur gefummelt und nicht gefickt werde, um es mal etwas handfester zu formulieren.

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