Mein Lieblingseuropapokalspiel: Liverpool-Alavés

117 Minuten Hardcore

In unserer Rubrik »Mein Lieblingseuropapokalspiel« lassen wir große Fußballmomente wieder auferstehen. Heute erinnert sich 11FREUNDE-Mann Benjamin Kuhlhoff an den Tag, an dem Jordi Cruyff für ihn entschied, in die weite Welt zu ziehen.

Jordi Cruyff und ich stehen uns näher, als man glaubt. Sicher ist zumindest, dass er davon noch nichts weiß. Darum muss das jetzt einfach mal raus: Ja, auch ich bin der Sohn einer Fußballkoryphäe. Nun gut, der sportliche Glanz meines Vaters beschränkte sich lediglich auf eine 3000-Seelen-Gemeinde im Osnabrücker Südkreis. In diesem Kleinod trug ich aber umso schwerer am fußballerischen Erbe meines alten Herren. Schließlich war der Mann, den man im Verein gemeinhin nur »den Schwatten« rief, seinerzeit ein überdurchschnittlicher Stürmer gewesen.

jeder wusste: Das musste schiefgehen

Als einer der wenigen Dorfkicker hatte er sich jahrelang bei einem höherklassigen Klub durchgesetzt. Die Tatsache, dass er während meiner gesamten Jugend mein Trainer war, tat zwar meiner fußballerischen Ausbildung gut, machte den Rucksack aber nicht leichter. Wenn man so will, galt ich per Geburt als großes Versprechen für die spärliche Zukunft meines Dorfvereins. Und jeder wusste: Das musste schiefgehen.

Aus diesem Grund konnte ich zumindest ein bisschen nachfühlen, wie sich Jordi Johan Cruyff Zeit seiner Karriere gefühlt haben muss. Der Blondschopf, dem sein Vater nicht nur einen tonnenschweren Nachnamen, sondern gleich auch noch den eigenen Vornamen vererbt hatte, wanderte viele Jahre durch die Topklubs Europas, nur um sich immer wieder anhören zu müssen, dass er doch nie zu den ganz Großen gehören würde.

Jordi Cruyff, der »Trainingsweltmeister«

Klar, wer den FC Barcelona und Manchester United in seiner Vita stehen hat, kann kein ganz Schlechter gewesen sein, der Glanz seines Vaters überstrahlte trotzdem alles. Sein Mitspieler Ryan Giggs hatte ihn einmal sogar verächtlich »Trainingsweltmeister« genannt. Dieser Spitzname klebte an ihm wie altes Kaugummi. Deswegen trat Cruyff junior im Jahr 2000 die Flucht nach hinten an und wechselte zum No-Name-Klub Deportive Alavés nach Spanien.

Mit dieser Partytruppe, die auch schon mal in Freizeitkleidung zu Inter Mailand reiste, am Flughafen nicht von den wartenden Journalisten erkannt wurde und kurzerhand ein paar mitgereiste Fans zu den Interviews schickte, hatte Cruyff junior sich sensationell für das Uefa-Cup-Finale im Dortmunder Westfalenstadion qualifiziert. Experten setzten höchstens im Scherz ein paar Mark auf die Spanier, schließlich hieß der übermächtige Gegner FC Liverpool. Und dennoch wurde der 16. Mai 2001 schließlich zum letzten großen Lichtblitz in der Karriere des Jordi Cruyff.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!