Mein Lieblingseuropapokalspiel: KSC-Valencia

»Ausgerechnet Schmitt«

An einem grauen Novemberabend saß unser Autor Stephan Reich nichtsahnend auf der Couch und erlebte eine Epiphanie in weißem Trikot: »Euro-Eddy« Edgar Schmitt.

1993 war kein einfaches Jahr für mich. Ich war noch sehr klein, man hatte mir erzählt, dass der Weihnachtsmann nicht existierte und mein Verein war Eintracht Frankfurt. Die Eintracht führte zwar souverän die Tabelle an und ich liebte sie heiß und innig; sie hatte mir im Vorjahr aber auch gezeigt, wie hässlich dieser Sport sein kann, als das Team um Uwe Bein und Konsorten die sicher geglaubte Meisterschaft gegen bereits abgestiegene Rostocker vergeigt hatte. Ein einschneidendes Erlebnis, dass mich im Gefühl einer tiefen Skepsis zurückgelassen hatte, den mitreißenden Spielen der Eintracht als auch dem Fußball als Ganzes gegenüber. Auf kindliche Weise war ich ernüchtert, ich traute meinem Hobby nicht mehr. Wie konnte es sein, dass all das, was ich so bedingungslos liebte, mir so wehtun konnte. Wie konnte ich je wieder an die Liebe zu diesem Sport glauben? Ja, an den Sport selber? Oder an die Liebe?

Ein Wunder musste her. Und ein Wunder kam. Im klatschnassen, von Regen, Dreck und Gras getränkten Trikot des Edgar Schmitt.

Ich kannte Schmitt und mochte ihn. Er hatte bei Frankfurt gespielt, ab und an ein Tor geschossen und trug einen Namen, der in meinen Ohren wie der eines Privatdetektivs aus einer Fernsehserie klang, die ich nicht gucken durfte. Auf eine spießige Art und Weise aufregend. Schmitt war vor der Saison zum Karlsruher SC gewechselt, was für mich ok war, denn selbst meinem Kindheits-Ich war bewusst, dass er zwar ganz gut, aber eben doch nicht so gut wie die Frankfurter Stürmer war. Ich mochte auch den KSC. Irgendwie, zumindest. Ich mochte Manni Bender und auch Dirk Schuster, warum, weiß ich nicht mehr. Einzig Sergej Kiriakow war mir irgendwie unangenehm, dem Rest stand ich unvoreingenommen gegenüber.

Das Spiel selbst war eher eine Möglichkeit, länger aufzubleiben. Ging es um Fußball, galten im Hause Reich immer Sonderregeln und wer weiß, wie sehr diese Extrawürste dazu beigetragen haben, dass ich jetzt hier sitze und über Fußball schreibe. Als also der Mittwochabend im nasskalten November zu dämmern begann, ließ ich mir von meinem Vater den Europapokalabend absegnen und lümmelte mich mit einer Schale Cornflakes vor die Glotze, während im Karlsruher Wildparkstadion die Flutlichter angingen. Der KSC hatte das Hinspiel gegen die favorisierten Spanier mit 1:3 verloren, die Chancen auf ein Weiterkommen waren dementsprechend gering. Zumal bei Valencia Spieler spielten wie Sempere, Camarasa, Alvaro und Quique. Über deren fußballerische Qualitäten war ich mir im Unklaren, aber so klischeehafte Fußballernamen kannte ich nur aus dem alten Panini-Heft meines Bruders oder von meinem Super Nintendo. Die mussten gut sein, wenn nicht unschlagbar.

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