Mein Lieblingseuropapokalspiel: Bayern-ManUnited

Allein unter »Hottes«

Wir präsentieren: Teil 27 aus der Rubrik »Mein Lieblings-...« In den kommenden Wochen lest ihr hier, wie 11FREUNDE-Redakteure ihr Lieblingseuropapokalspiel erlebt haben –  oder wie im Fall von Tim Jürgens: nicht erlebt haben. Die Geschichte um das Champions-League-Finale von 1999 aus der Vogelperspektive.

Bei diesen »Wo warst Du, als…?«-Stammtischrunden schneide ich bislang ganz gut ab. Der Putz bröckelt offenbar noch nicht. Ich weiß relativ genau, was ich tat, als die Mauer fiel, als die Zwillingstürme in New York wankten oder die Meldung kam, dass John Lennon erschossen wurde. An dieser Stelle nachzuerzählen, wie Figgemeiers Stimme dröhnte, als Uerdingens Abwehrrecke Wolfgang Funkel zum zweiten Mal gegen Dynamo Dresden traf, fiele mir relativ leicht. Ich saß vorm Fernseher, als Felix Magath den Ball im offenbar Lichtjahre entfernten Athen über Dino Zoff in die Maschen zirkelte und Johan Cruyff den Lauterern bescheinigte, sie seien für seinen FC Barcelona ein guter Gegner gewesen.
 
Diese Europacupspiele gehören zu meiner Initiation als Fußballfan. Unvergessliche Ereignisse mit hohem Suchtfaktor. Nur hat es das Schicksal so gewollt, dass ich diese Partien allesamt im Fernsehen gesehen habe und meine Sympathien dabei jeweils dem westdeutschen Klub galten. Mein Pulsschlag bei jedem Match war hoch, meine Gefühlslage wechselhaft und als der Schiedsrichter abpfiff, war klar, dass ich etwas Außergewöhnlichem beigewohnt hatte – ganz unabhängig vom Ausgang. Doch so verschlungen der Spielverlauf auch war, das kühle Ergebnis nahm der Partie im Nachhinein ein Stück seiner Magie. Ich hatte etwas Unglaubliches erlebt, aber das Resultat banalisierte diese Sternstunde irgendwie. Das jeweilige Spiel war für mich wie ein vollendeter Zauberwürfel. Das Geheimnis des Ausgangs war mit dem Abpfiff entschlüsselt.

Auf nach Mallorca – an Bord: fleischige Party-Touristen
 
Deshalb fällt mir bei der Frage nach dem außergewöhnlichsten Europacup-Spiel eine Partie ein, die ich nicht gesehen habe: das Champions-League-Finale 1999 zwischen Manchester United und dem FC Bayern. Der Zufall wollte es, dass ich bei Spielbeginn im Düsseldorfer Flughafen am Check-In stand. Neben mir schoben Fußballvereine in Plastikfolie verschweißte Bierpaletten auf die Gepäckbänder. Als Mario Basler zum 1:0 traf, hob die Maschine nach Palma de Mallorca ab. Ich saß, dem Dialekt nach zu urteilen, zwischen einem Dutzend Amateurfußballer aus dem Bergischen Land. Die fleischigen Kicker befanden sich auf dem Weg in eine feucht-fröhliche Sommerfrische zum Saisonausklang. Alle trugen umgedrehte Baseballkappen, flache, schwarze Sonnenbrillen und das Trikot ihres Provinzvereins, auf dessen Rücken jeweils nur ein Name geflockt war: »Hotte«.

Und noch etwas einte die Party-Touristen: Ihre Vorliebe zum zotigen Witz gegenüber Stewardessen, ein großer Durst und – last but not least – ein abgrundtiefer Hass gegenüber dem FC Bayern und seinen Spielern. Als der Pilot, gewahr der Tatsache eine Horde ungehobelter Fußballfans zu transportieren, freundlichst die 1:0-Führung für die Münchner über die Bordlautsprecher flötete, ging seine Durchsage in der Holzkasse im Protestgeschrei unter wie die Bekanntgabe von Stellenstreichungen auf einer Gewerkschaftskundgebung.

In den Puff nach Barcelona?
 
Ehrlich gesagt, auch ich hatte bis dato stets eine Abneigung gegen den FC Bayern verspürt. Sie rührte noch aus Zeiten von »Breitnigge«, als die Münchner als »Bullen« firmierten und in Lederhosen zu Auswärtsspielen reisten. Da ich mich nun bereits in derselben Buchungsklasse mit all diesen Bayern-Hassern befand, die zu allem Überfluss überm Mittelmeer anfingen, gröhlend die Heide brennen zu lassen und im Puff nach Barcelona zu fahren, erschien mir plötzlich der Gedanke, ihnen auch fußballideologisch nahezustehen, nahezu abgründig.

Ich entschied mich also, während wir gen Palma düsten, dem Bundesligisten aus dem Süden beim Gelingen seiner Königsklassen-Bemühungen ausnahmsweise die Daumen zu drücken. Am meisten aber wollte ich, dass diese »Hotte«-Typen auf dem heißen Boden von Mallorca schon mit schlechter Laune aufsetzten, damit sie sich anschließend als lärmende Epigonen des Bierkönigs endgültig um den kargen Verstand brachten.

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