Mein Lieblingsbundesligatrainer: Thomas Schaaf

Die Raute im Herzen

In unserer neuen Serie erinnern sich 11FREUNDE-Redakteure an ihren ganz persönlichen Lieblingsbundesligatrainer. Auf die Liebeserklärung von Tim Jürgens an Ernst Happel folgt Alex Raack mit seinem wehmütigen Blick auf Thomas Schaaf.

Am Wochenende war ich in München. Für drei Euro Eintritt kaufte ich mir eine Schubkarre Erinnerungen ein und schlenderte ein bisschen durchs Olympiastadion. Der alte Auswärtsblock war abgesperrt, also suchte ich mir hinter den Zäunen den Winkel aus dem ich vor neun Jahren beinahe Tränen der Freude geheult hätte.

Ich hätte bestimmt geflennt, wenn die Dramatik gestimmt hätte. Aber an diesem 8. Mai 2004 führte Werder schon nach 35 Minuten mit 3:0. Bayern war erledigt, der ruhmreiche SVW Deutscher Meister. Ich versuchte, meinen Enthusiasmus und die Freudentränchen für den Schlusspfiff aufzusparen, aber als dann Schluss war, war ich dafür viel zu kaputt. Vielleicht auch besoffen. Glücksbesoffen, versteht sich.

Für einen Werder-Fan Jahrgang 83 führt kein Weg an Schaaf vorbei

Werder Bremen hätte 2004 nicht Meister werden müssen, um Thomas Schaaf zu meinem Lieblingsbundesligatrainer zu machen. Auch nicht 1999, 2004 und 2009 Pokalsieger. Das waren die berühmten Sahnehäubchen, aber ich brauchte sie nicht für meine Zuneigung. Wenn man Jahrgang 1983 ist und seit 1998 regelmäßig zu Werder Bremen geht, dann führt einfach kein Weg an Thomas Schaaf vorbei.

Meine Beziehung zu Thomas Schaaf macht derzeit natürlich eine schwere Zeit durch. Man könnte sagen: Schaaf und ich stehen kurz vor einer Trennung. Wir haben schon eine ganze Menge versucht. Wir haben eine Beziehungspause eingelegt (so zwischen dem 21. und 29. Spieltag), ich war bei einem Paartherapeuten, sein Name war Tresen. Aber es kriselt doch enorm. Natürlich, auch ich habe mich verändert, vielleicht bin ich kritischer geworden und nicht mehr so begeisterungsfähig wie noch vor zwei oder drei Jahren. Aber vor allem liegt es daran, dass Thomas Schaaf längst all das vermissen lässt, wofür ich ihn früher auf Händen durch die Weser getragen hätte.

Erstens: den Erfolg. Jaja, ein oberflächlicher Grund, ich weiß. Aber Erfolg macht nun einmal sexy. Selbst einen Mann mit strengem Blick und Oberlippenbart. Gehen wir nur zurück in den Sommer 2004. Da war Thomas Schaaf der Jürgen Klopp seiner Zeit. Obwohl seine Mannschaft Siege in Serie feierte und den großen Bayern ein Bein nach dem anderen stellte, er also allen Grund dafür gehabt hätte, sich plötzlich der Großmannssucht hinzugeben, blieb Schaaf so down to earth wie ein Sandkasten. Während Ottmar Hitzfeld in seinem Feldherren-Trenchcoat frostige Unnahbarkeit versprühte, war Thomas Schaaf in seinem potthässlichen grauen Kapuzenpulli einer von uns. Die ganze Auswärtskurve war in ihn verknallt. Weil er zu uns, zu Werder, zum Fußball, passte wie Arsch auf Eimer. Und quasi im Vorbeigehen den FC Bayern demolierte.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!