Mein Lieblings-Sammelbildchen #8

Opa erzählt vom Rainer Krieg

Passend zur Veröffentlichung unseres »Panini«-Albums erzählen 11FREUNDE-Redakteure von ihren schönsten Erlebnissen mit Fußball-Sammelbildchen. Heute: Wie die Sammelbilder uns (fast) die Neunziger zurück gaben.

imago

»Dieser Mann ist 22 Jahre alt. Wenn Sie wissen, wer er ist, dann sind sie offiziell alt.« So steht es über einem Motiv, auf dem ein erwachsener Mann unter Wasser nach einer Dollarnote taucht. Dieser Mann war einst das Baby auf dem Cover der »Nevermind«-Scheibe von Nirvana. Das Bild von dem nunmehr erwachsenen Mann gut zwanzig Jahre nach »Nevermind« geistert jedes Jahr durch das Internet. Es hinterässt bei unzähligen Menschen die schmerzhafte Erkenntnis, dass sie trotz aller Beteuerungen nun schon tatsächlich mindestens 22 Jahre auf diesem Planeten umherwandern.

Ja, es ist wahr: Der 18. Geburtstag kommt nicht mehr zurück. Genauso wenig wie die Erstveröffentlichung von »Nevermind«. Und das Wort »Scheibe« benutzt im Zusammenhang mit Musik heute schon gar keiner mehr. Man kann noch froh sein, wenn man das selbst merkt, bevor man von seinen Kindern oder jüngeren Geschwistern sehr unmissverständlich darauf hingewiesen wird.

Nirvana, Kassetten und Tony Montana

Doch das Remake vom »Nevermind«-Cover ist nicht das einzige sichere Zeichen dafür, dass die neunziger Jahre lange vorbei sind. (Aufmerksame Zeitgenossen werden sogar einwenden, dass sogar die nuller Jahre mittlerweile vorbei sind. Aber wer will sich schon an Details aufhalten.) Denn wer sich wirklich mal alt fühlen will, obwohl er noch nicht mal die Gefühlslagen der ersten Scheidung, des zweiten grauen Haares oder der dritten Zähne durchlebt hat, der muss nur mal heutigen Kindern von seinen eigenen Grundschulferien in den Neunzigern erzählen.

Dass er damals noch mit D-Mark bezahlt hat. Dass er Musik auf Kassetten überspielt hat. Oder Disketten mit sich herumtrug, auf die heute nicht einmal das erste Riff eines Songs passen würde. Dass er bei den Eltern seines Freundes anrufen musste, wenn er sich treffen wollte. »Hallo, hier ist x, ist der y da?«

Kinder von heute werden diesen Erzählungen mit einem Blick begegnen, als sei man der leibhaftige Ötzi. Mit einer Mischung aus Angst und Apathie. So als sei man einer aus diesen Vampirfilmen, die die jungen Leute heute so mögen. Irgendwann hat man den Anschluss an die Jugendkultur verloren, die Verbindungen wurden gekappt. Der 11FREUNDE-Online-Chef Uli Dehne und ich haben erst vor zwei Wochen erfahren, wer Miley Cyrus ist. Mit dem Hinweis »Die war mal Hannah Montana« konnten wir auch nicht viel anfangen. Dass wir nur einen »Tony Montana« kennen, war auch nicht gerade ein Indiz für unser hippes Up-to-date-Dasein. Wir befürchteten, bald an Schnabeltassen zu nippen, bei lauter Musik der Nachbarn sofort die Polizei zu rufen und an der Supermarktkasse nach Centstücken zu kramen.

Doch dann kam Panini.

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