Mein Lieblings-Sammelbildchen #6

Black Beckenbauer

Passend zur Veröffentlichung unseres »Panini«-Albums erzählen 11FREUNDE-Redakteure von ihren schönsten Erlebnissen mit Fußball-Sammelbildchen. Heute: Jens Kirschneck und die Suche nach Tshimen Bwanga – einem geheimnisvollen Mann aus Zaire.

imago

Nichts geht über das erste Mal, und mein erstes Mal war im Frühjahr 1974. Auf dem Weg zu Oma kamen wir immer an einem Zeitschriftenladen vorbei, und derweil meine Mutter die aktuelle »Hörzu« oder was auch immer kaufte und meine kleine Schwester vor sich hin quengelte, entdeckte ich in einer der Auslagen ein seltsames Heftchen: ein Klebealbum für die kurz darauf in Deutschland stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft. Jetzt quengelte ich auch, und Frau Kirschneck kaufte das Heft.

Sie wusste nicht, was sie tat. Ich wusste erst recht nicht, was ich tat. Meine Schwester wusste damals noch gar nichts.

Eine neue Welt!

Das Panini-Heft änderte mein Leben. Heute weiß ich, dass es tatsächlich das erste Klebebildalbum auf dem deutschen Markt war. Für mich war es der Einstieg in eine neue Welt. Zum einen wurde ich durch die Beschäftigung damit vom allenfalls lose Fußballinteressierten zu einem fast manischen Fan. Zum anderen konfrontierte mich diese Beschäftigung mit geheimnisvollen Begriffen, die ich nie zuvor gehört hatte: Uruguay! Haiti! Zaire!

Ich sammelte und ich sammelte eifrig. Kein Besuch bei Oma ohne einen Umweg über den Zeitschriftenladen. Wenn das Taschengeld nicht reichte (und es reichte meistens nicht), musste Frau Kirschneck bluten, ein Gnadengesuch jagte das nächste. Dennoch kam das Projekt nach einer Weile ins Stocken. Je mehr sich das Album füllte, desto unbefriedigender waren die Besuche im Laden. Ein junges Leben, ruiniert von zu vielen Doppelten.

Die einsamen Straße des Terrors

»Lass gut sein«, sagte Frau Kirschneck, »sieht doch schon schön aus.« Ich knurrte sie aus dem Weg, ein junger Psychopath auf der einsamen Straße des Terrors. Bald wunderte sich Oma über die vielen Besuche, das Panini-Album bestimmte den Rhythmus des Lebens in diesen Tagen. Irgendwann fehlten noch drei Bilder, dann zwei und schließlich nur noch eines: Tshimen Bwanga aus Zaire. Nachdem ich gedroht hatte, die ganze Stadt zusammenzuschreien, legte Frau Kirschneck große Teile des Haushaltgeldes in weitere Tütchen an. Doch Tshimen Bwanga aus Zaire blieb verschollen.

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