08.11.2013

Mein Lieblings-Sammelbildchen #4

Crucifix Powerbomb!

Passend zur Veröffentlichung unseres Panini-Albums erzählen 11FREUNDE-Redakteure von ihren schönsten Erlebnissen mit Fußball-Sammelbildchen. Kürzlich gab Andreas Bock zu, dass er früher »WWF«-Bildchen gesammelt hat. Das brachte ihm gehörigen Respekt der Kollegen ein. Für wenige Minuten. 

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imago

Neulich verriet ich meinen Kollegen, dass sehr früh angefangen habe, Paninibildchen zu sammeln. Welches Jahr, welche Saison, welches Turnier?, wollten die Kollegen wissen, doch ich musste zugeben, denn mein erstes Panini-Album hatte nichts mit Fußball zu tun. Es war von »WWF« und stammte aus den frühen Achtzigern.

Tod, Stahl und Fleisch
 
Zu meiner Überraschung schauten mich die Kollegen ehrfurchtsvoll an, und sie begannen ein Gespräch über die Hart-Brüder, Hulk Hogan und den Lord of Darkness. »Lord of Darkness?«, fragte ich, und spätestens da merkten sie, dass ich keiner von ihnen sein konnte. Denn ihr »WWF« stand für »World Wrestling Federation«. In dieser ging es um »Crucifix Powerbombs«, »Back Body Drops« oder »Chokeslams«. Der »Lord of Darkness« war natürlich der Undertaker.

Dieser Wrestler war berühmt für den »Tombstone Piledriver«, was ein außerordentlich komplizierter Trick ist, denn bei diesem greift sich der Ausführende den Gegner, dreht ihn kopfüber und lässt sich dann in eine sitzende Position fallen. Der Undertaker brachte das problemlos fertig, denn er war Texaner und stammte aus dem Death Valley, er trug über seine langen Haare einen Cowboy-Hut und sah so ein bisschen so aus wie der Sänger einer Heavy-Metal-Band, deren Lieder von Tod, Stahl und Fleisch handeln.

Schmetterlinge, Kängurus oder Wildpferde
 
Meine »WWF«-Welt hatte damit nicht das Geringste zu tun. In meinem Panini-Heftchen ging es um Luchse, Tiger oder Koalas. Das Cover schmückte ein Panda-Bär, und auch sonst glich das Heft einer Parade von Niedlichkeiten. Mein »WWF« stand nämlich für die Naturschutzorganisation »World Wide Fund for Nature«, die Mitte der Achtziger ebenfalls ein Panini-Album herausgegeben hatte. Als ich das verkündete, waren die Kollegen irritiert. Sie fragten immer wieder, ob denn auf den Bildchen nicht wenigstens einmal Rowdy Roddy Piper oder der »Macho Man« Randy Savage auftauchte, und ich musste ihnen immer wieder versichern, dass nur Luchse, Tiger und Koalas zu sehen waren. Oder Schmetterlinge, Kängurus und Wildpferde.
 
Dann verließ ich den Raum, während sie sich Geschichten ausmalten, in denen ich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke das australische Mondnagelkänguru millimetergenau auf den vorgezeichneten Bilderrahmen setzte oder mich mit dem Braunwurz-Wald-Mönch aus der Familie der südostfranzösischen Eulenfalter auf Seite 68 unterhielt. Innerhalb weniger Sekunden war eine ziemlich coole Kindheit zu einer ziemlich sonderbaren Kindheit geworden.

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