Mein Highlight 2011: Terry vs. Van Persie

Die Hacken von Robin Van Tastisch

Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende zu. Anlass genug, euch an unseren persönlichen Highlights teilhaben zu lassen. Heute: Ein stolpernder John Terry und ein schadenfroher Robin van Persie. Diebisch freut sich: Arsenal-Fan Marius Gutowski. Mein Highlight 2011: Terry vs. Van Persie

Als Arsenal-Fan hält man gerne den Mythos des kleinen gallischen Dorfes am Leben, das sich als letzter Verbliebener gegen das übermächtige römische Reich aufbäumt. Natürlich ist mir klar, dass die Spieler der »Gunners« nicht aus reiner Zuneigung zum Verein dort spielen. Auch das Stadion trägt als Hommage an eine der größten Fluggesellschaften der Welt ein »Emirates« im Namen. Eine Dauerkarte für die Heimspiele kostet astronomische Summen. Auch der FC Arsenal ist längst mit voller Wucht im kommerzialisierten Fußball angekommen. Und dennoch: Ganz und gar wurde die eigene Seele noch nicht verkauft. Weder an einen russischen Öl-Baron, noch an einen Scheich, der so viel mit Fußball zu tun hat, wie Nick Hornby mit den Tottenham Hotspur. Wir machen keine 214 Millionen Pfund Schulden in einem Jahr, wir geben keine 45 Millionen für einen einzigen Spieler aus. Wir kämpfen den guten Kampf, was den negativen Nebeneffekt hat, dass wir nie etwas gewinnen.


Das Zappeln vor dem Laptop

Dieses Jahr war es besonders schlimm. Nach dem Weggang des stärksten Spielers, Cesc Fabregas, fand sich der Verein in den unbequemsten Tabellenregionen wieder. Tiefpunkt war das 2:8 (in Worten: zwei zu acht) bei Manchester United. Ich war es ja gewohnt, im »Old Trafford« einen auf die Mütze zu bekommen, aber so verprügelt zu werden, tat besonders weh. Nach der Partie gab es Mitleid statt Spott von Sir Alex Ferguson für Arséne Wenger, der mit seinen senilen Aussagen und ermüdenden Durchhalteparolen immer mehr an einen verwirrten Miraculix erinnerte. Im weiteren Verlaufe der Saison wurde es allerdings besser. Mit den richtigen Ergebnissen kam auch das schöne Spiel zurück. Bald hatte sich die Mannschaft ins Mittelfeld der Tabelle gespielt, der vorsichtige Blick ging wieder nach oben.

Der 10. Spieltag sollte eine echte Reifeprüfung für ein wieder erstarktes Arsenal werden. Man reist zum FC Chelsea an die Stamford Bridge, in die Höhle des Löwen. Bald entwickelt sich das typische Spiel: Wir spielen ansprechend, wunderschön und vergeben vor dem Tor fast alles. Nach 45 Minuten führen die »Blues« reichlich glücklich und auch dank es eines schwerfälligen Per Mertesacker mit 2:1. Für mich ist es ist ein typischer Samstagmittag, irgendwo zwischen Schlafmangel und einem leichten Kater verfolge ich das Spiel zusammen mit meinem Mitbewohner in einem verpixelten Stream vor dem Laptop. Zur Halbzeit schleicht sich mein Mitbewohner runter zum Discounter unseres Vertrauens, um sich sporadisch ums Mitagessen zu kümmern. Als er zurück kommt, führen wir mit 3:2. Walcott macht so etwas wie das Spiel seines Lebens. Ich zappel ungläubig vor dem Bildschirm. Sollte es uns dieses Mal tatsächlich gelingen einen Großen zu schlagen? In einem engen Spiel?


Die Hacken von Robin van Persie

Natürlich nicht. Chelseas Top-Neuzugang Juan Mata trifft in der 80. Minute durch einen abgefälschten Fernschuss zum 3:3. Noch zehn Minuten. Es ist angerichtet: Bei einem normalen Spielverlauf kippt die Partie jetzt und Chelsea gewinnt mit mindestens einem Tor Unterschied. Doch dann geschieht das Unfassbare: Die »Blues« sind gerade dabei, einen neuen Sturmlauf vorzubereiten, Branislav Ivanovic spielt einen harmlosen Rückpass auf den letzten Mann, John Terry, als dieser scheinbar plötzlich das Gleichgewicht verliert, stolpert und die Grasnarbe küsst. Arsenals Stürmer Robin van Persie schaltet blitzschnell, klaut Terry den Ball, umkurvt Petr Cech und trifft zum vorentscheidenden 3:4.

Der Anblick des bedröppelten Terry ist unbezahlbar, gerade weil die Zeitlupe offenbart, dass der Kapitän des FC Chelsea nur so tut, als sei er ausgerutscht. Terry merkt, dass er das Laufduell gegen van Persie unmöglich gewinnen kann und mault sich, in der Hoffnung, dass ihm die Aktion weniger peinlich zu stehen bekommen würde. Normalerweise täte er mir jetzt leid, wenn es sich nur nicht um John Terry handeln würde. Von diesem Nackenschlag erholt sich Chelsea nicht mehr, van Persie gelingt sogar noch das 3:5. Sein drittes Tor an diesem glorreichen Samstag im Oktober.

Nick Hornby hat immer Recht

Wenige Wochen später verlieren wir mit 0:1 bei Manchester City, dem Klassenprimus der Premier League. Unverdient und unglücklich, wie eigentlich immer. Von nun an sind es wieder zwölf Punkte, an die Meisterschaft ist auch in diesem Jahr wieder nicht zu denken. Es ist der Wahnsinn, wie treffend die Worte von Nick Hornby auch 14 Jahre nach dem Erscheinen der Erstauflage von »Fever Pitch« sind: »Deshalb begann ich mich wieder wohl zu fühlen, als die Saison sich in nichts auflöste, Highbury einmal mehr zur Heimat unzufriedener Spieler und unglücklicher Fans wurde und die Zukunft derart trostlos auszusehen begann, dass es unmöglich war, sich daran zu erinnern, warum man ursprünglich gedacht hatte, sie würde strahlend sein.« Und dennoch: Das Bild in meinem geistigen Augen, in dem John Terry ausrutscht und nur noch die Hacken von van Persie sieht, ist ein verdammt akzeptables Trostpflaster.

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